Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Am Wochenende vom 21. Juni sollte der Bus 736 in Sirnach eine Ersatzhaltestelle anfahren – die dortigen Passagiere warteten jedoch vergebens. Auch der sehbeeinträchtigte Sohn eines Sirnachers wurde stehen gelassen.
«Mein sehbeeinträchtigter Sohn wurde an der angekündigten Ersatzhaltestelle stehen gelassen», ärgert sich ein Sirnacher. Das sei nicht das erste Mal gewesen, dass der Familienvater Probleme mit der Buslinie 736 hatte.
Sirnach Im vergangenen Jahr wurde die Buslinie 736 von Wil-Mobil in Sirnach für über ein halbes Jahr nicht bedient – Grund dafür waren Bauarbeiten in Münchwilen, wie ein Sirnacher Familienvater den WN im Gespräch geschildert hat. «Sobald ich davon erfuhr, telefonierte ich mit der Gemeinde hin und her – aber ohne Erfolg», sagt er. Für seinen sehbeeinträchtigten Sohn sei dies nämlich die einfachste Route, um von Sirnach nach Winterthur zu gelangen, ohne längere Wartezeiten in Eschlikon.
«Damals ärgerte es mich, dass hier keine Ersatzhaltestelle angeboten wurde – während der Bus in Münchwilen, da, wo die Baustelle war, normal verkehrte», erzählt der Sirnacher und ergänzt: «Unsere Gemeinde bezahlt an den Agglo-ÖV über eine halbe Million Franken im Jahr. Da darf man sich doch fragen, ob mit den Steuergeldern richtig gehaushaltet wird, wenn man plant, eine ÖV-Verbindung für mehr als sechs Monate einfach auszusetzen», kritisiert er. Vor etwas mehr als zwei Wochen folgte dann der nächste Eklat: «In Sirnach fand ein Grümpelturnier statt. Anstatt für dessen Besucher den ÖV hochzufahren, sollte die nahe gelegene Bushaltestelle Rosenberg erneut nicht bedient werden», so der Familienvater.
Über die Änderung im Fahrplan wurde am Tag zuvor durch einen farbigen Zettel an der Haltestelle informiert. «Von Freitag bis Sonntag müsse man für die Linie 736 an die Ersatzhaltestelle, hiess es darauf. On-line fand man dazu aber nichts.» Als der Sirnacher seinen sehbeeinträchtigten Sohn also wie auf dem Merkblatt angekündigt am Samstag zur Ersatzhaltestelle schickte, staunte er nicht schlecht, als dieser wenige Minuten nach dem eigentlichen Abfahrtstermin wieder vor der Haustür stand. «Der Linienbus 736 fuhr trotz der Ankündigung seinen regulären Kurs und liess die wartenden Fahrgäste an der Ersatzhaltestelle einfach stehen», schildert der verärgerte Vater. «Morgens kann mein Sohn auf einem Auge ein wenig sehen, gegen Abend ist er fast komplett blind. Er ist darauf angewiesen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel so verkehren wie angekündigt. Und darauf, dass gerade in Fällen, in denen ein Anlass weit im Voraus bekannt ist, Änderungen viel früher kommuniziert werden.» Nach dem Vorfall habe er sich erneut bei der Gemeinde gemeldet: «Das zuständige Gemeinderatsmitglied war konsterniert. Anscheinend habe ich dieses Mal einen Nerv getroffen, und man plant, in Zukunft besser darauf zu achten. Doch leider sind die Behörde und die Verwaltung zwei paar Schuhe – wenn diese sich nicht besser absprechen, bin ich mir sicher, dass es weitere solche Vorfälle geben wird», so der Sirnacher. Ob und wie mit dem Anbieter Wil-Mobil kommuniziert werde, wisse er nicht.
jms
Auch Jean Baldo aus Eschlikon, den die WN am 17. April porträtiert haben, kennt die Probleme denen Blinde im ÖV begegnen. Er äussert sich zu dem Vorfall wie folgt: «Ich weiss, wie ärgerlich das ist – man wartet, sieht nichts und dann kommt der Bus einfach nicht. Beim Ostwind ist mir das zum Glück noch nie passiert, dort gab es höchstens mal grössere Verspätungen. Was mir aber schon passiert ist: In Winterthur wurden wegen Bauarbeiten eine Zeit lang in letzter Minute die Gleise geändert. In der App stand davon nichts – sogar die Kondukteure waren damals genervt. Für allgemeine Barrierefreiheit wäre es wichtig, dass es an Haltestellen nicht nur den Fahrplan gibt, sondern auch Echtzeitinformationen – am besten auch für Menschen ohne App, zum Beispiel mit einer sprechenden Infotaste, die sagt, ob der Bus pünktlich kommt oder es Änderungen gibt. In Zürich ist das oft schon Standard, auf dem Land müsste man das dringend nachrüs-ten. Auch in Wil am Bahnhof gibt es Nachholbedarf – es gibt eine provisorische Leitlinie, die zu den Bussen führt, aber ich habe keine Info, wo welche Haltestelle ist. Dann muss ich die Chauffeure fragen – die sind meistens hilfsbereit, aber es ist trotzdem nicht barrierefrei. Insgesamt funktioniert der ÖV aber gut – nur eben nicht überall gleich.»
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