Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Der Fund dieses Bibers in Münchwilen sorgte für grosse Aufregung. Er hatte ein 100-Franken-Gutschein in seinen Pfoten. le
Ein Werbe-Gag sollte Freude bringen – stattdessen eskalierte die Suche nach den «Obi-Bibern» in Münchwilen. Ein Bauer und sein Sohn gerieten ins Visier aggressiver Schatz-jäger.
Münchwilen Mit der Aktion «Finde den Biber» wollte Obi Schweiz für Aufsehen sorgen. 20 Stofftiere mit Fallschirmen wurden übers Land verteilt – versehen mit Geotags und Gutscheinen im Wert von 100 bis 1000 Franken. Unter obi.ch/airdrop wurden die Fundorte angekündigt. Das Ziel: Begeisterung, Abenteuer, ein modernes Schatzsuchen-Erlebnis. Doch im thurgauischen Münchwilen kippte die Stimmung – und aus dem Marketing-Coup wurde ein Polizeieinsatz.
Noch bevor Obi die Geodaten veröffentlichte, fand ein ortsansässiger Bauer einen der Fallschirme auf seinem Feld. «Ich wusste zuerst gar nicht, was es ist», berichtet er. Am Schirm hing auch ein Geotag. Neugierig nahm er das Fundstück mit nach Hause. Tage später aktivierte Obi selbst die GPS-Daten – und plötzlich verwandelte sich die ruhige Gegend oberhalb von Münchwilen in der Nähe des ehemaligen Restaurant Freudenberg in einen Treffpunkt für zahlreiche Schatzsucher.
Mehr als ein Dutzend Autos rollten an, Familien und Gruppen strömten auf die Felder. Die Nachbarschaft war irritiert: Was lockt so viele Menschen aufs Land? Für den Bauern war klar – sie suchen nach «seinem» Fallschirm. Als er vor Ort eine Frau darauf ansprach, dass er den Biber längst gefunden habe, eskalierte die Situation. Laut seiner Aussage reagierte die Frau aggressiv. Kurz darauf tauchte ein Mann aus dem Wald auf, laut dem Landwirten der Gatte der Frau, bedrohte den 70-Jährigen und schrie ihn an, er solle seine Frau in Ruhe lassen. Der Bauer sei eingeschüchtert gewesen: «Wer schlägt denn einen 70-Jährigen?» Noch schlimmer traf es seinen Sohn: Der Mann verpasste ihm einen direkten Faustschlag, worauf er zu Boden ging. Mit einer Gehirnerschütterung musste der junge Mann ins Spital eingeliefert werden. Die übrigen Schatzsucher waren laut dem Landwirten, der seinen Namen aus Angst vor dem Angreifer nicht in der Zeitung lesen möchte, geschockt, riefen die Polizei und kümmerten sich um den Verletzten. Für den Vater war es ein Schockmoment: Statt Mais zu ernten, pflegt er nun seinen Sohn. «Er kann derzeit nur liegen und Suppe essen», sagt er.
Zurück bleibt für den Bauern aus Münchwilen die Frage, ob Obi die Aktion ausreichend durchdacht hat. Was, wenn die Fallschirme nicht auf Felder, sondern in private Gärten oder dicht besiedelte Wohngebiete gefallen wären? «Alles hätte zertrampelt werden können», sorgt sich der Bauer. Die Polizei nahm vor Ort die Aussagen auf und sprach mit dem mutmasslichen Schläger. Eine Anzeige sei bis anhin aber keine eingegangen, so die Kapo auf Anfrage. Der Bauer hält beim Treffen mit den «Wiler Nachrichten» noch immer den Fallschirm in den Händen – ob er den Gutschein nach den Ereignissen überhaupt einlösen möchte, weiss er nicht. Aus einer harmlosen Marketing-Idee ist für ihn ein Albtraum geworden – und ein Beispiel dafür, wie schnell eine Werbeaktion ausser Kontrolle geraten kann.
Lui Eigenmann
Nicolas Bill, Head of Marketing OBI Schweiz äusstert sich auf Anfrage der «Wiler Nachrichten» zum vorliegenden Fall wie folgt: «Wir bedauern, dass unsere für OBI Fans gedachte Werbeaktion eine solche Folge nach sich gezogen hat. Wir werden uns umgehend mit dem geschädigten Bauern und seiner Familie in Verbindung setzen und Unterstützung anbieten.»
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