Sophie Ullmann
stellt den Verein «impul-z» im WN-Vereins-Domino vor.
Die Badi Bichelsee fordert eine Temporeduktion auf der Kantonsstrasse. 80 km/h seien im Sommerbetrieb zu gefährlich. Politiker und die Genossenschaft drängen auf Tempo 60 – doch auf kantonaler Ebene gibt es dafür wenig Interesse.
Bichelsee Es ist ein Sommermorgen am Bichelsee. Die Sonne steht tief, das Wasser der Badi liegt ruhig da. Erste Gäste steigen aus dem Becken, trocknen sich ab, lachen. Für einen Moment wirkt alles unbeschwert, fast zeitlos. Doch nur wenige Meter entfernt verläuft die Kantonsstrasse – eine 80-km/h-Strecke, die in den Hochsommermonaten zur Belastungsprobe wird. Genau hier, beim Ein- und Ausfahren zum Parkplatz der Badi, entzündet sich seit Jahren ein Konflikt zwischen Freizeitverkehr und Durchgangsverkehr.
«An diesem Wochenende war Hochsaison», sagt Marc von Wartburg, Präsident der Badegenossenschaft Bichelsee. Hitze und Feiertage hätten besonders viele Menschen angezogen. «Die Leute suchen Erholung und finden sie hier. Aber die Verkehrssituation bleibt ein Problem.» Immer wieder komme es zu kritischen Momenten, wenn Autos abbremsen, einbiegen oder Velofahrer gleichzeitig unterwegs sind. Die Forderung ist klar: Während der Badesaison soll das Tempolimit vor dem Badi-Areal auf 60km/h gesenkt werden. Für die Genossenschaft ist das kein neues Anliegen. «Das Thema beschäftigt uns seit Jahren», so von Wartburg. Verschiedene Vorstösse und Gespräche mit Gemeinden hätten bisher wenig Konkretes gebracht. Nun soll der Druck erhöht werden – gemeinsam mit Politik, Gemeinden und Bevölkerung. Bereits über 400 Unterschriften für eine Petition sind in den vergangenen Tagen zusammengekommen. Am 10. Juni sollen sie übergeben werden.
Unterstützung kommt auch aus der Politik. Grossrätin Isabelle Vonlanthen kennt die Situation als Badibesucherin seit langem. Sie habe selbst bereits vor einem Jahr beim kantonalen Tiefbauamt nachgefragt – ohne Ergebnis. Ein früheres Gutachten habe zwar keinen Handlungsbedarf gesehen, doch die Realität vor Ort sehe anders aus, sagt sie. «Fussgänger, Velofahrer, Busse und Autos – alles trifft hier auf einer 80er-Strecke zusammen. Das ist einfach zu viel.» Besonders beschäftigt die Grossrätin, welche selber zwei kleine Kinder hat ein schwerer Unfall, bei dem eine 18-Jährige Töfffahrerin auf ein abbiegendes Auto auffuhr und schwer verletzt wurde. Für Vonlanthen ist klar: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert.» Sie sagt: «Ich kenne viele Familien, die nicht mehr mit dem Velo in die Badi an den Bichelsee fahren, weil sie ihre Kinder dieser Gefahr nicht aussetzen wollen.»
Zeit nach Crans-MontanaZeit nach
Ein kleiner Schritt wurde bereits umgesetzt: Die Badegenossenschaft hat illegale Parkmöglichkeiten entlang des Velowegs mit Holzpfosten abgesperrt. «Das senkt das Risiko immerhin ein Stück», so Vonlanthen. Doch das Grundproblem bleibe bestehen. Auch Grossrat Peter Bühler und weitere politische Kräfte unterstützen die Forderung nach Tempo 60. Gleichzeitig wird versucht, über die Kantonsgrenzen hinaus Lösungen zu finden, insbesondere in Richtung Turbenthal. Denn die Strasse verbindet Regionen, und dort liege die Herausforderung. Die Genossenschaft setzt derweil auf Dialog. Von Wartburg betont die Eigenverantwortung: «Wir nehmen unsere Verantwortung ernst, auch im Sicherheitskonzept der Badi.» Seit seinem Amtsantritt habe man bereits den Parkplatz neu organisiert und interne Abläufe angepasst. «Was wir selbst beeinflussen können, haben wir gemacht.» Für ihn gehört dazu auch, Risiken frühzeitig ernst zu nehmen. «Wir leben in einer Zeit nach dem Unglück von Crans-Montana – die Sensibilisierung für Sicherheitsfragen ist in der Gesellschaft deutlich gestiegen», sagt von Wartburg. Gerade auch Vereine und Freiwilligenorganisationen würden heute stärker in der Verantwortung stehen, Risiken nicht einfach hinzunehmen, sondern offen anzusprechen und wenn möglich zu entschärfen. Die Hoffnung ist, dass noch in dieser Saison erste Massnahmen umgesetzt werden. «Der Druck ist da», sagt Vonlanthen. «Und die Situation draussen lässt keinen Aufschub mehr zu.»
Lui Eigenmann
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