Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Nelly Dommann denkt gerne an ihr Haus in Bichwil zurück, das sie und ihr Mann 1959 bauten.
Vom Leben aus dem Koffer bis zur Leidenschaft fürs Jassen: Die älteste Oberuzwilerin Corneila «Nelly» Dommann-Angst feierte Anfang August ihren 105. Geburtstag.
Oberuzwil Über ein Jahrhundert prägt Cornelia «Nelly» Dommann-Angst ein bewegtes Leben. Am 2. August feierte die Bichwilerin ihren 105. Geburtstag. «Manche Menschen können nicht verstehen, dass ich so alt bin», erzählt sie. Sehen könne sie noch gut, das Gehör habe aber sehr nachgelassen. Nelly Dommann lebt nun seit vier Jahren im Betreuungs- und Pflegezentrum Wolfgang. «Eines Abends bin ich zu Hause gestürzt», erinnert sich die 105-Jährige. «Ich konnte mich nicht mehr bewegen und so lag ich neun Stunden auf dem Boden, bis mich mein Sohn Albert in meinem Haus auffand.» Danach, so Nelly Dommann, zog sie ins «Wolfgang» um. An ihr Zuhause in Bichwil denkt die Seniorin sehr gerne zurück. «Mein Mann Albert und ich bauten das Haus im Jahr 1959», erzählt sie mit leuchtenden Augen und blickt auf die Fotos vor ihr auf dem Tisch. Das Haus hatte einen grossen Garten, in dem sie Gemüse und Beeren anpflanzte. «Heute wohnt mein Sohn darin», so die Seniorin. «Nun muss er sich um den Garten kümmern.»
Bevor sich Nelly Dommann und ihr Mann in den 60er-Jahren in Bichwil ein Zuhause aufbauten, lebten die beiden in der ganzen Schweiz. In über 50 verschiedenen Gasthäusern arbeitete das Ehepaar meist gemeinsam. «Mein Mann war als Portier und ich im Service tätig», erzählt sie. Oft blieb das Paar nur wenige Wochen am gleichen Ort. «Wir waren als Saisonangestellte beschäftigt.» Einige Jahre lebte das Paar aber auch getrennt, da Albert Dommann in einem Hotel in Davos arbeitete, das nur Männer beherbergte. «Ich lebte und arbeitete in dieser Zeit in Interlaken», erzählt Dommann. Einen fixen Monatslohn, so die 105-Jährige, verdienten sie und ihr Mann jedoch nie. «Wir lebten vom Trinkgeld der Gäste», erinnert sie sich.
Dabei arbeitete die Bichwilerin immer gerne im Service. «Es war für mich das Schönste.» Bereits mit 15 Jahren verliess sie ihr Elternhaus in Bichwil, um in Luzern ein Haushaltsjahr zu absolvieren. Neben Nelly Dommann erlernten zwei weitere von ihren sieben Geschwistern das Handwerk. Könnte sie nochmals jung sein, ist sich die Seniorin sicher, würde sie wieder im Service arbeiten. Ihren Traumberuf übte Nelly Dommann noch bis zu ihrem 72. Lebensjahr im Restaurant Rössli in Oberuzwil aus.
Die Seniorin entdeckte im Alter noch eine weitere Leidenschaft, wie sie verrät: «Ich liebe es, zu jassen. Erst gestern spielten wir eine wunderbare Partie. Das war definitiv mein Highlight des Tages.» Gelernt hat Nelly Dommann das Spiel erst mit 70 Jahren. «Nach einer sehr schmerzhaften Nervenkrankheit lebte ich für eine Zeit in Amden, um mich zu erholen», denkt Nelly Dommann zurück. Um sich die Zeit besser vertreiben zu können, brachten ihr die Schwestern dort das Spiel bei. «Seitdem versuche ich, so viel wie möglich zu jassen», so die älteste Bichwilerin. Jassen, Erinnerungen und Humor – auch mit 105 Jahren hat Nelly Dommann ihre Lebensfreude nicht verloren. Und wenn sie nochmals jung sein könnte? «Dann würde ich alles wieder so machen – aber diesmal für einen fixen Lohn», lächelt sie.
Von Dominique Thomi
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