Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Die Französischlehrmittel könnten bald erst in der Oberstufe zum Einsatz kommen.
Künftig beginnt der Französischunterricht erst in der Oberstufe. Der Kanton will damit den Fokus auf Lesen, Schreiben und Rechnen in der Primarschule erhöhen.
Flawil/Mosnang/Kanton Der Französischunterricht in der Primarschule scheint bald der Vergangenheit anzugehören. Denn in der Herbstsession letzte Woche sprach sich der St.Galler Kantonsrat dafür aus, den Fremdsprachenunterricht in der Landessprache Französisch in die Oberstufe zu verschieben. Die im März von allen vier Fraktionen eingereichte Motion «Fokus auf Grundkompetenzen – Französisch erst ab der Oberstufe» wurde mit 88 gegen 24 Stimmen bei einer Enthaltung gutgeheissen. Die Regierung wird nun eine Gesetzesänderung ausarbeiten. Was sagen die Schulen in der Region dazu?
«Die Schule Flawil hat für dieses Thema noch keinen Standpunkt festgelegt», sagt Schulpräsident und Präsident des Verbands St.Galler Volksschulträger (SGV) Christoph Ackermann. «Persönlich spreche ich mich aber für eine Verschiebung des Französischunterrichts auf die Oberstufe aus.» Er glaube nicht daran, dass die Verlegung des Französischunterrichts den Zusammenhalt im Land gefährde: «Vier Jahreslektionen Französisch, verteilt auf je zwei Jahreslektionen in der fünften und sechsten Primarschulklasse, auf die Oberstufe, zerreissen nicht das Land. Sonst wäre der Zusammenhalt vor 2008, als das Frühfranzösisch im Kanton St.Gallen eingeführt wurde, auch gefährdet gewesen.» Zudem, so Ackermann, seien in der Oberstufe die Lehrpersonen in der Regel viel besser ausgebildet für das Unterrichten von Französisch. Würde das Fach auf der Primarschule verbleiben, müsste diesbezüglich stark weitergebildet werden: «Vergleichbar mit dem Fach Englisch, bei dem alle Lehrpersonen das «Advanced» vorweisen müssen, wäre für Französisch das «DALF C1» Voraussetzung.» Der spätere Start des Französischunterrichts, gibt Christoph Ackermann zu bedenken, würde eine Entlastung für die Primarschule bringen und ergänzt: «Eine höhere Dotierung des Französischunterrichts auf der Oberstufe würde gleichzeitig die Wirkung erhöhen, weil der Lerneffekt mit der Konzentration der Lerninputs gesteigert werden kann. Bei nur zwei Lektionen pro Woche, wie jetzt in der fünften und sechsten Primarklasse, ist dagegen die Gefahr gross, dass die Wirkung ‹verpufft›».
Mit gemischten Gefühlen steht Marcel Jent, Schulratpräsident von Mosnang, dem Entscheid zur Verschiebung von Französisch gegenüber. «Viele Fragen sind offen: Zeitplan, Lehrpersonensituation in der Übergangsphase, Umnutzung der Lektionen, Reaktion von Bund und anderen Kantonen», zeigt er sich skeptisch. Für die Lehrpersonen bedeute dies vorübergehend mehr Unsicherheit statt Entlastung. «Chancen sehen unsere Lehrpersonen in einer klareren Fokussierung auf Deutsch und Englisch in der Primarschule.», so Jent. «In Ausbildung stehende Lehrpersonen seien verunsichert» führt der Schulratspräsident aus, «Fachlehrpersonen mit vielen Französischstunden sehen ihre berufliche Zukunft unklar.» Als Privatperson in einem französischsprachigen Haushalt bedauere der Mosnanger, dass die frühe Mehrsprachigkeit geschwächt wird.
Der Meinung von Verbandspräsident Christoph Ackermann schliesse sich auch die Schule Oberuzwil an, bestätigt Schulleiter Roland Waltert auf Nachfrage. Die Schulen Oberbüren, Kirchberg und Uzwil wollen zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen. Ob sich der spätere Französischstart bewährt, wird sich erst mit der konkreten Ausgestaltung zeigen.
Von Dominique Thomi
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