Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Zehn Jahre führte Stefan Kramer die Feuerwehr und den Zivilschutz Flawil-Degersheim. z.V.g.
Stefan Kramer ist seit 28 Jahren als Kommandant im Dienst von Feuerwehr und Zivilschutz tätig. Per Ende Mai tritt der Flawiler als Geschäftsführer und Regionalkommandant des Sicherheitsverbundes Region Gossau (SVRG) in den Ruhestand. Am 1. Juni übernimmt Pascal Terziyan als Nachfolger.
Flawil Stefan Kramer tritt im Alter von 62 Jahren nach 28 Jahren im Dienst von Feuerwehr und Zivilschutz zurück – davon 14 Jahre als Geschäftsführer des SVRG. Zuvor hatte er während zehn Jahren die Feuerwehr und den Zivilschutz Flawil-Degersheim geführt, bevor er den Aufbau des Sicherheitsverbundes Region Gossau massgeblich mitgestaltete. Im Interview blickt der Flawiler auf die Herausforderungen dieses Aufbaus zurück, spricht über die Zukunft des Milizwesens und erklärt, warum er auch seinem Nachfolger keinen Rat auf den Weg geben will.
Stefan Kramer, Sie sind seit 28 Jahren als Kommandant im Dienst von Feuerwehr und Zivilschutz. Was war davor? Welchen Werdegang hatten Sie zurückgelegt, bevor Sie Ihr erstes Kommando übernommen haben?
Nach Abschluss der Schreinerlehre habe ich diverse Weiterbildungen in Betriebsabrechnung und Kalkulation gemacht. Vor dem Antritt des Kommandos war ich als Liegenschaftsverwalter tätig und war als Milizangehöriger in der Feuerwehr Kommandant-Stellvertreter und habe den Schweizerischen Feuerwehrinstruktor abgeschlossen.
Wenn Sie auf den ersten Tag als Kommandant zurückblicken: Was hat den jungen Stefan Kramer damals angetrieben, und was würden Sie ihm heute raten?
Ich hatte bereits die Blutgruppe «F» wie Feuerwehr und war mit viel Engagement und Motivation in der Feuerwehrausbildung tätig. Meine Hauptdisziplin in der Ausbildung war die Einsatztaktik und die Einsatzführung – also Führen in schwierigen Situationen. Den Nächsten, die kommen, erteile ich keine Ratschläge, und auch dem jungen Stefan Kramer würde ich keine geben. Mit Mut, Freude und Zuversicht selber erleben und den Weg gehen.
Sie haben den Sicherheitsverbund Region Gossau von Grund auf mitaufgebaut und fünf Gemeinden unter einem Dach vereint. Welches waren die grossen Herausforderungen in diesem Prozess?
Anfänglich mussten verschiedene Kulturen auf den grösstmöglichen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Es war und ist auch heute noch ein Spagat zwischen Politik, Miliz, Angestellten, Gesetzen, Reglementen, Alltag und Einsatz. Wichtig sind Transparenz, Vertrauen, Empathie und stetig zunehmende Professionalität.
28 Jahre bedeuten Hunderte von Einsätzen – oft wohl tragische, doch bestimmt auch viele mit schönen Momenten. Welches Erlebnis ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Zwei Wochen nach der dramatischen Reanimation eines Mannes ist dieser mit einer Kiste Bordeaux zu uns gekommen und hat sich für seine Lebensrettung bedankt.
In 14 Jahren als Geschäftsführer hat sich vieles verändert. Wo sehen Sie, verglichen mit Ihren Anfangszeiten, heute die grössten Herausforderungen für die Sicherheitsorganisationen in der Region?
Die Erwartungen sind in fast allen Belangen stark gestiegen: Professionelle Hilfe wird selbstverständlich erwartet und gefordert; werden die Erwartungen nicht vollumfänglich erfüllt, wird das untersucht und moniert. Diesen geforderten Standard können wir nur erfüllen mit Vernetzung, Zusammenarbeit und letztlich mit Zusammenschlüssen wie dem Sicherheitsverbund Region Gossau. Eine Gemeinde im Alleingang schafft das kaum mehr. Ganz wichtig in diesem Kontext ist, dass wir die Miliztauglichkeit des Systems erhalten – durch Professionalisierung einzelner Teile wie Führung, Planung, Ausbildung, Administration und Materialwartung.
Sie führten ein Milizwesen, in dem Menschen ehrenamtlich Verantwortung übernehmen. Wie gewinnt und hält man heute Freiwillige – und was bedeutet es Ihnen persönlich, dass so viele Menschen dieses Engagement über Jahre getragen haben?
Man muss Menschen mögen. Mit gegenseitigem Vertrauen und Loyalität – Kameradschaft – als Basis ist es der sinnstiftende Einsatz, der nach wie vor Menschen dazu bewegt, dabei zu sein. Dieses Engagement von so vielen Menschen macht mich stolz, demütig und dankbar zugleich.
Ende Mai ist für Sie definitiv Schluss beim Sicherheitsverbund Region Gossau. Was werden Sie besonders vermissen?
Ich werde wahrscheinlich vermissen, dass ich nicht mehr mit so unzähligen Menschen in verschiedenen Sparten und Situationen zu tun haben werde. Es wird ruhiger um mich werden, was sich aber auch richtig anfühlt – alles zu seiner Zeit.
Welchen Rat wollen Sie Ihrem Nachfolger unbedingt auf den Weg mitgeben?
Ich habe viele Jahre mit meinem Nachfolger zusammengearbeitet und kenne ihn darum gut. Er ist bereit und bestens ausgebildet und ausgerüstet für diese Aufgabe – er braucht keine Tipps von mir. Es bleibt mir, ihm von ganzem Herzen alles Gute und viel Erfolg in dieser tollen Aufgabe in seinem Leben zu wünschen.
Nun folgt der wohlverdiente Ruhestand. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Nach 28 Jahren «Dauerbereitschaft» kann ich mein Leben ruhiger gestalten. Ich muss nicht mehr jederzeit mit allem rechnen.
Von Selim Jung
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