Aaron Gähwiler
verrät im Lehrlings-Domino, wie er mit Druck umgeht.
Auf 360 Metern wird der Uzwiler Hueberbach Stück für Stück aus seinem unterirdischen Gefängnis befreit. Mit dem offenen Bach sollen neue Grünflächen und Aufenthaltsräume entstehen.
Uzwil Bagger und Baumaschinen prägen aktuell das Bild an der Wiesentalstrasse in Uzwil. Grund dafür ist der Hueberbach, der dort seit über 100 Jahren unterirdisch verläuft und bis 2028 freigelegt wird. «Vom Buecherwäldli bis zur Uze nahe des Gemeindehauses wird der Hueberbach 360 Meter freigelegt», sagt Christoph Paly, Bereichsleiter Bau der Gemeinde Uzwil. «Das freut uns riesig», so Paly, «denn vor rund sieben Jahren dachten wir noch, der Hueberbach werde bis in alle Ewigkeit eingedolt bleiben.»
Den Stein ins Rollen brachte ein Eigentümer, der zwei alte, verlotterte Häuser abreissen wollte. «Der Gewässerabstand zum Gebäude liegt hier nach Übergangsrecht bei rund neun Metern», weiss der Bereichsleiter Bau. «Wir rieten dem Eigentümer, mit den Nachbarn zu kommunizieren», so Paly. Daraus entstand eine Investorengruppe und eröffnete neue Möglichkeiten. «Die Investorengruppe und ein Architekt trugen die Idee der Offenlegung an die Gemeinde heran und stiessen damit auf offene Türen», erinnert sich Christoph Paly.
«Ein so komplexes Projekt braucht eine Vision und Menschen, die daran glauben», sagt er. Alle Projektbeteiligten zogen von Anfang an am selben Strang und konnten so die Uzwiler Bevölkerung auf Anhieb von der Vision überzeugen: «Wir sind äusserst glücklich, dass alles in so kurzer Zeit geklappt hat.» Innert sechs Jahren erarbeitete man ein Richtprojekt und ein Bauprojekt für die Überbauung, einen Sonderschutzplan, einen Teilzonenplan sowie ein Strassen- und Wasserprojekt. «In der Regel dauern solche Wasserbauprojekte rund zehn Jahre bis zur Ausführung», so Paly.
Die erste Etappe der Offenlegung ist bereits in vollem Gange. «Der Hueberbach quert die Wiesentalstrasse, deshalb ist hier die Strasse nur einseitig befahrbar», verrät Projektleiter Besim Osmani. Da die Strasse eine der Hauptverkehrsachsen ist, sei dies eine echte Herausforderung: «In den ersten zwei Wochen klingelte mein Telefon fast alle zwei Tage.» Mit der Verkehrspolizei habe man die Umleitung nochmals optimiert. «Wir bauen erst die eine Seite des Bachbettes und danach die andere. Damit der Verkehr stetig fliessen kann», so Osmani. Neben dem Durchlass wird bei der Wiesentalstrasse auch ein Messungsschacht für Oberuzwil erneuert. «Damit kann abgelesen werden, wie viel Abwasser Oberuzwil zur ARA Uzwil bringt», erklärt Paly.
«Nach der Wiesentalstrasse wird im Sommer der Bach auf Höhe der Fichtenstrasse und des Buecherwäldlis offengelegt», sagt Paly. Bei dieser Etappe wird auch der Parkplatz fürs Bucherwäldli erneuert. «Die letzte Bauetappe ist die Offenlegung bei der Überbauung Lindenpark», so Besim Osmani. Eine echte Knacknuss, wie die beiden verraten: «Es muss genau getimt sein, dass wir einander nicht im Weg sind.» So sei die Offenlegung bei den Umgebungsarbeiten der Überbauung geplant. «Wenn wir auf der gesamten Strecke das Bachbett gemacht haben, wird zum Schluss bei der Wiesentalstrasse der Bach aus den Rohren gelassen», erklärt der Projektleiter. Die Rohre werden danach zu einem Drittel abgetragen und aufgefüllt, so Osmani. «Der offene Hueberbach vernetzt das urbane Uzwil mit naturnahem Gewässer und ist so Lebensraum für Tier und Mensch zugleich», schwärmt Christoph Paly.
Von Dominique Thomi
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