Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Drei Wochen ohne Telefon, Internet und Fernsehen: Für Familie Forster in Niederbüren ist das Alltag geworden. Hilfe oder Klarheit gibt es bisher keine.
Niederbüren Das Lämpchen am weissen Kasten auf Bernadette Forsters Schreibtisch in Niederbüren leuchtet hartnäckig rot. Eigentlich sollte es in blauer Farbe leuchten. Doch seit dem 19. August ist dies nicht mehr der Fall. «Wir haben bereits gute drei Wochen kein Netz in unserem Haus und wissen nicht, warum», sagt Bernadette Forster frustriert. Weder die Gemeinde noch der Netzanbieter Swisscom geben Auskunft darüber, warum der Unterbruch besteht. «Wir wurden jeden Freitag um eine weitere Woche vertröstet», sagt Peter Forster verärgert.
Das fehlende Netz bemerkte der Niederbürer beim Fernsehen. «Auf einmal war das Bild weg.» Ein Blick ins Kundenportal der Swisscom verriet dem Ehepaar einen grossflächigen Unterbruch in der Gemeinde. Doch als Bernadette Forster sich am nächsten Tag mit Freundinnen traf, stellte sie fest, dass niemand mehr vom Netzausfall betroffen war. «Alle ausser wir hatten Netz», betont sie. Dies sei bei Familie Forster schon mehrfach vorgekommen. Allerdings nicht über drei Wochen: «Es kam bereits vor, dass wir übers Wochenende einen Netzunterbruch hatten», erinnert sich Peter Forster. «Ins Internet zu kommen oder die Tagesschau anzusehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit», sagt Bernadette Forster, sichtlich mitgenommen. Auch das Telefonieren sei jedes Mal eine Herausforderung: «Der Empfang in Niederbüren war nie ausgezeichnet», sagt Peter Forster, «auf das Festnetz waren wir immer angewiesen. Doch jetzt funktioniert auch das nicht.» Er habe nur unmittelbar vor der Haustür Empfang. «Ein Telefonat wird nach wenigen Minuten unterbrochen.» Bernadette Forster ist bei Sunrise, doch auch sie hat nur minimalen Empfang in ihrem Büro.
Hilfe haben sie bis jetzt nicht bekommen. Bernadette Forster führte drei Telefongespräche mit dem Netzanbieter Swisscom: ohne Erfolg. «Beim ersten Mal riet man mir, einen 4G-Stick zu besorgen. Als dieser installiert war und ich erneut anrief, wurde ich dafür von einer anderen Mitarbeiterin nur müde belächelt», erinnert sie sich. Auch ein Hotspot sei ohne Netz keine Lösung. «Einen genauen Grund sagt uns niemand.» Auf der Störungsseite der Swisscom ist zu lesen, dass das Netz aufgrund von notwendigen Grabarbeiten unterbrochen ist. Eine Bewilligung habe der Netzanbieter beantragt. «Ich bin sehr enttäuscht, dass uns die Swisscom keine Lösung anbietet, die funktioniert», sagt die Niederbürerin.
Auch auf der Gemeinde habe man dem Ehepaar nicht helfen können. «Man sagte mir, dass Niederbüren einen Verantwortlichen von der Swisscom habe», erzählt Peter Forster. «Doch ich habe weder von der Gemeinde noch von der verantwortlichen Person nochmals etwas gehört. Das ist bereits über zehn Tage her.» Eine Netzunterbrechung sei grundsätzlich keine Gemeindeangelegenheit, betont Ratsschreiber Markus Ramseier auf Anfrage dieser Zeitung. «Als kleine Gemeinde, in der man sich kennt, hilft man gern und so gut es geht. Ich habe die Störungsmeldung als Dienstleistung an den Mitarbeiter der Swisscom weitergeleitet. Dieser hat mir zugesichert, dass er die Störung intern abklärt», so Ramseier. Inzwischen habe der Ratschreiber auch die Telefonnummer des zuständigen Swisscom-Mitarbeiters weitergegeben. «Er hat mir vor Wochenfrist auch bestätigt, dass seitens der Swisscom aktuell weder Grabarbeiten vorgenommen würden noch Störungsmeldungen vorlägen.» Der Gemeinde sei aktuell nur eine Glasfaserstörung im Schorhus bekannt, deren Bewilligung umgehend erteilt wurde.
Obwohl Bernadette Forster gut auf Fernsehen verzichten könne, so mache sie sich Sorgen, was in einem Notfall geschehe. «Angenommen, mein Mann stürzt. Muss ich, um den Notruf zu kontaktieren, von ihm weg und in mein Büro gehen. Zudem muss ich hoffen, dass die Verbindung nicht abbricht, bis ich alles Nötige mitgeteilt habe», gibt sie zu bedenken. «Wir erwarten, dass uns endlich gesagt wird, wann wir wieder Netz haben», fordert das Ehepaar. Wann genau das der Fall ist und das Lämpchen von rot auf blau wechselt, bleibt aktuell unklar.
Kurz vor Redaktionsschluss meldeten die Forsters, dass ihr Netz wieder funktioniert.
Von Dominique Thomi
«Derzeit sind das Internet, ‹Swisscom blue TV› sowie die Festnetz-Telefonie bei drei Kunden in Niederbüren unterbrochen», bestätigt Sabrina Hubacher, Mediensprecherin von Swisscom, auf Anfrage. Grund dafür sei ein teilweise im Waldboden verlegtes, rund 700 Meter langes Anschlusskabel, welches beschädigt wurde. «Die Reparatur ist komplex und zeitintensiv», sagt Hubacher. Das Mobilfunknetz, so die Mediensprecherin, sei von der Störung nicht betroffen, jedoch gebe es in Niederbüren keine eigene Mobilfunkantenne. «Die Versorgung erfolgt hauptsächlich über Oberbüren. Das Mobilfunksignal ist in Niederbüren punktuell – unglücklicherweise auch direkt bei den zwei betroffenen Liegenschaften – eingeschränkt.» Deshalb könne innerhalb der Liegenschaften die Versorgung mangelhaft sein. «Draussen ist der Empfang grundsätzlich gegeben», so Hubacher. Bewilligungen für Grabarbeiten, ein durch Baumstämme blockierter Schacht sowie ein weiterer Schaden eines Kabels führten laut der Mediensprecherin zu den Verzögerungen. «Wir mussten eine zusätzliche Anfrage für Grabarbeiten tätigen und warten auf die Bewilligung, um das Stück Kabel ersetzen zu können.» Eine andere Alternative, wie den 4G-Stick und den Hotspot, erklärt sie, gebe es leider vor Ort nicht. «Es ist für beide Varianten eine Mobilfunkversorgung notwendig, die bei den betroffenen Personen im Gebäudeinnern mangelhaft ist.» Swisscom sei sich bewusst, dass die Situation für die Betroffenen ärgerlich sei, und werde auf ihre Kunden zugehen, sagt Hubacher zum Schluss.
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