Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Hat seine Spieler im Blick: Manuel Jenni ist Talentmanager beim FC Wil.
Die Förderung und Entwicklung junger Talente spielt beim FC Wil 1900 seit Jahren eine zentrale Rolle und ist fest in der Philosophie und Strategie des Vereins verankert. Manuel Jenni, Talentmanager der 1. Mannschaft spielt dabei eine zentrale Rolle.
Manuel Jenni, wann ist ein Spieler für Sie überhaupt ein Talent, gibt es eine klare Definition oder ist das eher ein Bauchgefühl?
Für mich ist Talent ein Spieler, der sehr viel Entwicklungspotenzial hat und mit seiner Einstellung und Persönlichkeit nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz brilliert. Er bringt alles mit: Professionalität auf dem Platz, Resilienz und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Es geht darum, sich mehr zu engagieren und mehr zu investieren als andere, und Themen wie Ernährung, Regeneration und Lifestyle professionell zu behandeln, um die bestmögliche Leistung zu bringen.
Welche Eigenschaften sind für Sie entscheidend: Technik, Spielintelligenz, Mentalität oder etwas ganz anderes?
Entscheidend für mich ist, dass ein Spieler die Freude und Leidenschaft für den Fussball hat. Ich persönlich liebe den spanischen Fussball, der eine hohe Spielfreude und -intelligenz mitbringt. In der Challenge League zählen unter anderem Widerstandsfähigkeit, Mentalität, Lernfähigkeit und Lernwille. Ausserdem ist es wichtig, dass ein Spieler die Bindung und die Bodenständigkeit mitbringt, die zum FC Wil gehört.
Gibt es einen Punkt, an dem ein Talent aufhört, ein Talent zu sein und zum «fertigen Spieler» wird?
Ich habe immer Mühe mit dem Wort Talent, denn zu oft spricht man viel zu früh davon. Mit 14, 15 oder 16 Jahren kann man Talent nicht wirklich definieren. Für mich sind das Potenzialspieler. Bei uns heissen sie Fokus-Spieler: Harte Arbeiter, die sich durchsetzen, haben bessere Chancen als jemand, der nur Talent hat. Talent klingt oft nach Komfortzone und genau da will ich die Spieler rausholen. Talent ist wichtig, aber es entscheidet nicht darüber, Profi zu werden.
Wie erkennt man frühzeitig, ob ein Spieler wirklich das Potenzial für den Profifussball hat?
Für mich zählen fussballerische Qualitäten wie Technik, Athletik, Spielintelligenz und Taktik. Genauso wichtig sind wie bereits erwähnt die Lernbereitschaft und Persönlichkeit. Wir schauen dabei oft auch auf sein Umfeld. Wie sieht seine Alltagsstruktur aus? Wie ist der Umgang mit den Eltern oder dem Berater? Wie können wir den Fokus komplett auf die Entwicklung des Spielers legen. Wie viel ist er bereit zu investieren. Man man spricht dann von Potenzial, wenn die Basis stimmt und wenn ein Spieler Tag für Tag an seine Grenzen geht und Woche für Woche besser wird.
Gab es schon Spieler, die auf den ersten Blick kein Talent waren und sich dann doch entwickelt haben?
Ja, ich könnte viele Namen nennen, auch aus meiner eigenen Karriere. Oft hiess es, jemand sei ein Talent – geschafft hat es aber meist ein anderer, ein harter Arbeiter. Ein Paradebeispiel ist Silvan Hefti. Er hatte Talent, aber vor allem eine super Einstellung und Persönlichkeit, dadurch hat er den Sprung geschafft
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Spieler für das Focus Player Programm aus?
Wichtig ist die Identifikation mit dem Verein, ist der Spieler wirklich vcommitted, diesen Weg in der Challenge League mit uns zu gehen? Hat er die Fähigkeit, den nächsten Schritt zu machen? Wir wollen erreichen, dass er den nächsten Sprung schafft. Er muss mehr tun als nur ins Training zu kommen. Dann spielt auch die vertragliche Situation eine Rolle. Hat er Potenzial für einen Verkauf? Es kommen viele Punkte zusammen. Wir bieten hierfür eine optimale Plattform mit unserem selbst entwickelten Programm, die Spieler bestmöglich für den nächsten Schritt zu entwickeln.
Im Programm werden ausgewählte Spieler gezielt in Bereichen wie Athletik, Spielintelligenz und Mentalität individuell gefördert. Wie muss man sich das genau vorstellen?
Wir arbeiten derzeit mit acht Spielern aus der ersten Mannschaft im Focus Player Programm. Am Morgen trainieren wir gemeinsam, nachmittags gibt es Slots fürs Individualtraining, bei dem fokussiert an Stärken und Schwächen gearbeitet wird. Taktisch, athletisch und auch im Kraftraum. Die Spieler werden dabei eng begleitet, es gibt wöchentliche Gespräche, und wir begleiten sie insgesamt in ihrer Entwicklung. Der Verein, Sportchef und der Staff steht sehr hinter diesem langfristigen Projekt, welches in der Challenge League einzigartig ist. Videoanalyse und Entwicklungspläne sind ebenfalls Teil vom Talentmanagement.
Was genau ist Ihre Aufgabe als Talentmanager im Alltag?
Ich bin im ständigen Austausch mit den Spielern, unserem Sportchef, Michael Lang, und dem Trainer, Marco Hämmerli. Zudem bin ich in direktem Kontakt mit den verantwortlichen Personen der Leihvereine (FC Basel, FC Luzern, FC Zürich, YB und FC St.Gallen 1879). Ich sehe mich wie ein Anwalt für die Spieler. Ich bin ihre erste Ansprechperson, Kollege, Förderer, Kritiker, Entwickler und Mentor. Sie sind nah bei mir, bekommen Informationen direkt und Feedback sofort. Es kann auch einmal reiben, aber Reibung führt zu Entwicklung. Ob in der Videoanalyse oder auf dem Platz: Das Feedback von mir ist sehr direkt.
Was raten Sie jungen Spielern, die unbedingt «Talent» sein wollen? Worauf sollten sie sich wirklich konzentrieren?
Für mich ist die Freude das Wichtigste, sie ist die Basis für alles. Dazu gehören Geduld, Widerstandsfähigkeit, Beharrlichkeit und Bodenständigkeit: Schritt für Schritt arbeiten, nicht von A bis Z alles auf einmal erwarten. Ehrlichkeit, aus der Komfortzone kommen und sich persönlich weiterentwickeln, auch als Mensch zu wachsen, sind für mich entscheidend. Letztendlich müssen die Rahmenbedingungen stimmen, sodass die Performance auf dem Platz erfolgreich ist.
Interview: Lui Eigenmann
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