Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Trainer Marco Hämmerli setzt die Weiterentwicklung seiner Spieler in den Fokus.
Vor dem ersten Heimspiel der Rückrunde spricht FC-Wil-Trainer Marco Hämmerli über die schwierige Vorrunde, die Ziele für die Rückrunde und das kommende Spiel gegen Stade Nyonnais.
Marco Hämmerli, der FC Wil startet nach der Auftaktniederlage gegen Vaduz als Achter ins erste Heimspiel der Rückrunde. Wie beurteilen Sie die aktuelle Ausgangslage der Mannschaft?
Die Ausgangslage haben wir uns in den letzten sechs Spielen der Vorrunde erarbeitet. In dieser Phase war klar zu erkennen, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt hat. Nach den vielen Wechseln im Sommer brauchte es Zeit, um dieses Niveau zu erreichen. Die Spiele gegen Stade Nyonnais und Bellinzona waren dabei wichtige Schritte. Das daraus gewonnene Vertrauen, die Energie und der Teamgeist sollen in die Rückrunde mitgenommen werden.
Die Vorrunde verlief nicht wie erhofft, zeitweise war sogar von Abstiegsangst die Rede. Wie haben Sie diese Phase intern erlebt?
Intern wurde die Situation stets klar und differenziert analysiert. Nach neun Runden fand gemeinsam mit der Vereinsführung eine umfassende Auswertung statt, die von grosser Ruhe und gegenseitigem Vertrauen geprägt war. In diesem Rahmen wurden ein, zwei Themen gezielt korrigiert, was sich positiv auswirkte. In der Folge zeigte die Formkurve klar nach oben.
Welche Themen sprechen Sie genau an?
Eine wichtige Anpassung war die erneute Integration von Simone Rapp, insbesondere wegen seiner Mentalität. Gleichzeitig wurde analysiert, weshalb die Mannschaft zu viele Gegentore erhalten hatte und welche systemischen Anpassungen möglich waren. Da auf den Aussenverteidigerpositionen junge Spieler eingesetzt werden, die noch Zeit benötigen, wurde vermehrt mit Flügelspielern oder auch mit zwei Sechsern agiert. Diese Massnahmen trugen zur defensiven Stabilität bei.
Am Sonntag steht das erste Heimspiel der Rückrunde an. Welche Bedeutung hat dieses Spiel?
Wir wollen dem Wiler Publikum mehr zurückgeben. Das kommende Spiel ist auch mit Blick auf die untere Tabellenhälfte von grosser Bedeutung. Entsprechend wollen wir dort anknüpfen, wo wir in der Hinrunde aufgehört haben, und mit Überzeugung auf den Platz gehen, um die Partie zu gewinnen. Zuhause im eigenen Stadion zu spielen, ist immer etwas Besonderes. Wir hoffen auf zahlreiche Zuschauer, deren Unterstützung uns zusätzlich antreibt.
Wie wichtig ist ein positiver Start in die Rückrunde, gerade nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte?
Das Spiel ist zwar sehr wichtig, dennoch darf man es nicht überhöhen. Die Spieler haben jedoch klar gespürt, dass die letzten neun Partien deutlich besser waren als die Phase davor. Ein weiterer positiver Schritt würde helfen, sich stärker nach oben zu orientieren und die neue Saison unter besseren Voraussetzungen vorzubereiten. Auch für die Entwicklung der Spieler wäre dies wichtig, da mehr Ruhe und weniger Druck ein befreiteres Auftreten ermöglichen. Gleichzeitig hat die Mannschaft gezeigt, dass sie auch in schwierigen Situationen zusammensteht, was nicht selbstverständlich ist.
Was erwarten Sie konkret vom Spiel gegen Stade Nyonnais?
Es ist mit einem umkämpften Spiel zu rechnen. Entscheidend wird sein, dass wir uns wehren, über 90 Minuten konsequent an unseren Plan glauben und Rückschläge schneller verarbeiten. Ziel ist es, die Schwankungen innerhalb des Spiels möglichst gering zu halten.
Woran haben Sie mit der Mannschaft in der Winterpause am intensivsten gearbeitet?
An der Defensive haben wir mit Videoanalysen und gezielten Trainingsformen gearbeitet. Gleichzeitig war die Chancenverwertung ein Thema, weshalb wir an Lösungen gearbeitet haben, um mehr Möglichkeiten zu kreieren. Ergänzend gab es einen Teamevent, der für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung war.
Der FC Wil 1900 verstärkte seine Offensive in der Winterpause mit Jean-Paul N’Djoli vom SC Brühl. Welche Rolle soll der Mittelstürmer spielen?
Es ist ein sehr gelungener Transfer. Er kennt die Ostschweiz bereits, ist gut akklimatisiert und ein ausgesprochen positiver Typ. Mit seiner Qualität verstärkt er unsere Offensive deutlich. Wir hoffen, dass er den nächsten Schritt bei uns so schnell wie möglich machen kann und trauen ihm viel für die Rückrunde zu.
Gibt es Spieler, von denen Sie in der Rückrunde einen klaren Schritt nach vorne erwarten?
Wenn man auf dem siebten Tabellenplatz steht, hat jeder im Team das Potenzial, einen Schritt nach vorne zu machen. Wir sind auf unsere erfahrenen Spieler angewiesen und erwarten, dass sie die Mannschaft führen. Die jungen Spieler bringen viel Potenzial mit. Insgesamt haben wir aber alle einen höheren Anspruch als den achten Platz.
Welche Ziele haben Sie sich und der Mannschaft für die Rückrunde gesetzt – tabellarisch und inhaltlich?
Unser Saisonziel sind die Top 5. Schon im Sommer wussten wir, dass dieses Ziel ambitioniert ist, dennoch wollen wir die Ambition bewahren und nach oben schauen. Ein guter Rückrundenstart ist dafür entscheidend. Gleichzeitig ist es wichtig, den jungen Spielern Spielminuten zu geben, um ihre Entwicklung zu fördern und gute Transfers zu ermöglichen – das ist unser Konzept.
Ist das Thema Abstieg für Sie noch präsent?
Im Team war das nie ein Thema – wir arbeiten mit Vertrauen und Ruhe. Es geht darum, uns weiterzuentwickeln, und alle haben daran geglaubt, dass der nächste Schritt kommt. Gleichzeitig unterschätzen wir das Thema nicht, besonders im Staff.
Wie gehen Sie persönlich mit Kritik und öffentlichem Druck um?
Ich bin mein grösster Kritiker und musste in den schwierigen Phasen Geduld haben. Es gab auch schlaflose Nächte, weil ich mir gewünscht hätte, dass wir mit der Mannschaft schon weiter sind. Kritik ist für mich ein Anstoss, um besser zu werden. Ich war der Erste, der mit dem Saisonstart nicht zufrieden war. Gleichzeitig ist es wichtig, der Mannschaft positiv gegenüberzutreten, denn Druck hilft niemandem. Positivität zu vermitteln war in dieser Zeit die grösste Herausforderung und wichtig, um zu zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
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