Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Die glanzlosen Zeiten der «Burghalde» in Bronschhofen sollen ein Ende haben: Stefan Müller möchte endlich aufräumen. Der Inhaber der S.Müller Holzbau AG über Pläne für das Grundstück und die Risiken.
Bronschhofen Noch ist das Bild das alte: bröckelndes Mauerwerk, zersplitterte Fenster, eine überwucherte Terrasse und umgestürzte Bäume. Seit zehn Jahren zerfällt die «Burghalde» in Bronschhofen vor den Augen ihrer Anwohnerinnen und Anwohner. Nur die Baugrube neben dem verwahrlosten Gebäude zeugt noch von einem gescheiterten Versuch, das Grundstück wieder aufzuwerten – einem Projekt, in das damals auch die S.Müller Holzbau AG involviert war.
Ursprünglich sollte auf dem Grundstück an der Hauptstrasse 24 eine Wohnüberbauung mit knapp 20 Wohneinheiten entstehen. Geplant hatte das Projekt der ehemalige Grundeigentümer Dominik Zingg mit seinem Unternehmen Schneggenbund AG und zwei weiteren Partnern. «Wir wurden damals motiviert, als Wiler Unternehmen in das geplante Projekt zu investieren, respektiv eine Wohnung zu kaufen. Als Gegengeschäft sollten wir die Holzarbeiten ausführen», erinnert sich Stefan Müller, geschäftsführender Inhaber der S.Müller Holzbau AG. Sein Unternehmen sei einer von mehreren beteiligten Stockwerkeigentümern gewesen. Nach dem Aushub sei es zwischen den drei Eigentümern zu Unstimmigkeiten gekommen. Zwei Partner der Grundeigentümerin hätten sich aus dem Projekt zurückgezogen, die Schneggenbund AG habe ihre Bautätigkeit eingestellt. «Einzelne Stockwerkeigentümer konnten noch rechtzeitig aussteigen», sagt Stefan Müller. «Auch uns wurde eine Rückabwicklung vorgeschlagen, doch dabei hätten wir eine Menge Geld verloren.»
Es folgte ein langjähriger Rechtsstreit zwischen Stockwerkeigentümern und Grundeigentümerin – ohne Erfolg. «Ich hatte zu allen Parteien einen guten Draht und versuchte, zwischen den verschiedenen Parteien bilateral zu vermitteln», so Müller. Auch wenn alle Parteien ein Verlustgeschäft gemacht hätten, habe so eine Einigung erzielt werden können. Nun sind die einzelnen Parzellen des Grundstücks allesamt im Besitz der H24 Immo AG, der eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaft der S.Müller Holzbau AG. So könne man bei der Finanzierung und der Realisierung des Projekts flexibel agieren. «Wenn wir das Projekt selbst realisieren, werden wir allenfalls zusätzliche Investoren brauchen», so Stefan Müller. «Die Investitionen in unseren Neubau und das Projekt ‹Burghalde› im selben Geschäftsjahr – das ist für uns ein ‹rechter Lupf› und gleichzeitig auch eine grosse Chance.»
In einem ersten Schritt werden gemäss dem Leiter Gesamtrealisation, Claudio Calzaferri, die Grundstücke zusammengelegt, die verwilderte Fläche gerodet und das bestehende Fachwerkhaus vor ungebetenen Eindringlingen gesichert. Die Baueingabe für die Rodungsarbeiten wird derzeit vorbereitet bis Ende Jahr soll das Grundstück allerdings geräumt und die Baugrube gesichert sein. «Wir wollen ein, den Gegebenheiten entsprechendes, hochwertiges Wohnbauprojekt realisieren», so Stefan Müller. Erste Skizzen gäbe es bereits. «Wir haben die Grundlagen erarbeitet und sind daran, eine Vision zu kreieren.» Um möglichst viele unterschiedliche Varianten zu vergleichen, wird in naher Zukunft ein kleiner Architekturwettbewerb, im Einladungsverfahren, für das Projekt ausgeschrieben. Um Details gehe es aber erstmal noch nicht, betont Calzaferri, denn die Erschliessung des Grundstücks sei eine komplexe Aufgabe.
Das Riegelhaus und einige der Bäume auf dem Grundstück an der Hauptstrasse 24 stehen unter Ortsbildschutz in lokaler Einstufung. Dazu sei man im Gespräch mit der Stadtbildkommission der Stadt Wil, so der Leiter Gesamtrealisation. Neben der Stadt Wil gäbe es an die «Burghalde» viele Anstösser und Anspruchsgruppen, denen das Holzbauunternehmen gerecht werden wolle. «Wir wollen in naher Zukunft deren Bedürfnisse abholen und allfällige Zusammenarbeiten abklären», betont Claudio Calzaferri. «Wir sind auf die Hilfe und eine kooperative Zusammenarbeit mit der Umgebung, den Nachbarn und der Stadt Wil angewiesen.» Bisher würden Müller und Calzaferri gute Stimmung spüren. «Wir haben alle dasselbe Ziel: Der Wiler Schandfleck muss weg», betont der Inhaber der S.Müller Holzbau AG. «Das gegenwärtige Projekt hat nichts mehr mit der ‹Burghalde› von vor zehn Jahren zu tun. Wir starten von Null auf ein völlig neues Projekt. Darin haben Eigentumswohnungen, aber auch das denkmalgeschützte Gebäude Platz.» Das Ziel sei es, in einem Jahr ein bewilligungsfähiges Projekt auf dem Tisch liegen zu haben, so Müller.
Linda Bachmann
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