Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Mit dem Schweizer Jugendmeistertitel erfüllt sich Yasmin Pingel aus Kirchberg den Traum vom ersten internationalen Grossanlass.
Mit 15 Jahren gewinnt Yasmin Pingel den Schweizer Jugendmeistertitel im Solotanz. Nun darf die Nachwuchsathletin aus Kirchberg erstmals die Schweiz an den Europameisterschaften in Italien vertreten.
Rollkunstlauf Mit gerade einmal 15 Jahren hat Yasmin Pingel aus Kirchberg den bisher grössten Erfolg ihrer sportlichen Laufbahn gefeiert. An den Schweizer Meisterschaften in Basel sicherte sich die Nachwuchsathletin den Titel in der Youth-Kategorie im Solotanz des Rollkunstlaufs. Der Triumph hat gleich doppelte Bedeutung: Dank dem Jugendmeistertitel wurde sie für die Europameisterschaften in Ponte di Legno in Italien selektioniert. Für die junge Sportlerin geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung. «Die Schweizer Meisterschaft ist sehr wichtig für mich gewesen», erzählt Pingel. «Nur mit einem guten Resultat kann man sich für Europa qualifizieren. Deshalb wollte ich dort unbedingt meine beste Leistung zeigen.» Dass ihr dies gelang, sei auch ihrer Gelassenheit zu verdanken. «Ich war gar nicht so nervös wie sonst. Dann läuft es meistens besser.»
Zum Rollkunstlauf fand Yasmin Pingel eher zufällig. Ursprünglich brachte ihre Mutter die Idee auf, Eiskunstlauf auszuprobieren. «Das wollte ich aber eigentlich nie machen», sagt sie lachend. Stattdessen entdeckte sie den Rollkunstlauf für sich. Inspiriert wurde sie dabei auch von der argentinischen Erfolgsserie Soy Luna, in der sich alles um Rollschuhlaufen dreht. «Das war früher mein Lieblingsfilm beziehungsweise meine Lieblingsserie. Bei vielen in unserem Club hat genau diese Serie die Begeisterung für den Sport geweckt.» Seit ihrem neunten Lebensjahr steht sie auf Rollschuhen. Heute startet sie in der Kategorie Solotanz. Anders als in anderen Disziplinen stehen dabei keine Sprünge im Mittelpunkt. «Bei uns geht es vor allem um Tanz, Schrittfolgen, Armbewegungen und Pirouetten.»
Trainiert wird fünf bis sechs Mal pro Woche beim Winterthur Rollsportclub (WRSC). Nach der Schule fährt Yasmin jeweils nach Seuzach, wo sie ein bis zwei Stunden auf der Bahn verbringt. «Meine Mama ist mein Taxi», sagt sie schmunzelnd. Geübt wird intensiv. Neue Schrittfolgen werden einstudiert, bestehende Programme verfeinert und technische Details verbessert. Bis eine Kür wettkampfreif ist, vergeht rund ein halbes Jahr. Unterstützt wird sie dabei von der jungen Trainerin Lara Meyer, die selbst noch aktiv Wettkämpfe bestreitet. «Sie ist voll im Thema drin und weiss genau, worauf es ankommt.» Obwohl Rollkunstlauf letztlich ein Einzelsport ist, spielt das Team eine wichtige Rolle. «Wir trainieren als Gruppe, das ist mega lustig. Wir verstehen uns sehr gut und helfen uns gegenseitig. Gerade die Älteren können viel von ihren Erfahrungen weitergeben.»
Vor Wettkämpfen gehört Nervosität dazu. Deshalb zieht sich Yasmin jeweils kurz vor ihrem Auftritt bewusst zurück. «Ich bin gerne alleine und gehe meine Kür im Kopf nochmals durch. Das hilft mir sehr.» Besonders wichtig sei dabei auch die Unterstützung ihrer Trainerin. «Sie motiviert mich immer kurz vor dem Start.» Mit der Europameisterschaft wartet nun der erste internationale Wettkampf ihrer Karriere. Entsprechend gross ist die Vorfreude. «Ich freue mich riesig darauf, mich mit Läuferinnen aus anderen Ländern zu messen. Und vor allem ist es richtig cool, einmal für die Schweiz starten zu dürfen. Bis jetzt bin ich immer nur für den Club gefahren – das ist schon etwas Besonderes.» Die Erwartungen bleiben dennoch realistisch. Italien gehört zu den Hochburgen des Rollkunstlauf. Viele Nationen investieren deutlich mehr Zeit ins Training. «Ich möchte einfach nicht Letzte werden. Aber selbst wenn – das wäre auch okay. Der olympische Gedanke zählt. Dabei sein und diese Erfahrung machen, das ist das Wichtigste.» Dass sie für die Europameisterschaft einige Tage in der Schule fehlen wird, ist dank ihrer Talent Card problemlos möglich. Unterstützung erhält sie auch von ihren Klassenkameraden. «Sie finden es mega cool. Am liebsten würden sie alle mitkommen.»
Über langfristige Ziele macht sich Yasmin Pingel noch keine grossen Gedanken. Die Europameisterschaft war ihr grosses Ziel – nun hat sie es erreicht. «Eine Weltmeisterschaft wäre natürlich auch sehr cool. Ich glaube zwar nicht, dass das schon in den nächsten Jahren passiert. Aber man weiss ja nie.» Trotz des grossen Trainingsaufwands bleibt neben Schule und Sport genügend Freizeit. «Das geht gut auf. Ich habe immer noch Zeit für alles.» Finanziert wird das Hobby von ihren Eltern. Die Kosten seien überschaubar. «Meine Mama ändert mir viele Wettkampfkleider sogar selber.» Nur eines ist klar: Rollschuhe zieht Yasmin ausschliesslich für ihren Sport an. «Privat fahre ich gar nicht Rollschuh.»
Lade Fotos..