Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
«Ein Stadtratsamt verlangt volle Konzentration und 100 Prozent Einsatz. Wenn ich
gewählt werde, kandidiere ich nicht erneut für den Nationalrat», so Lukas Reimann.
Anlässlich der Hauptversammlung der SVP Stadt Wil vom Dienstag wurde Lukas Reimann als Kandidat für die Stadtratswahlen vom 14. Juni nominiert. Die «WN» konnten mit dem amtierenden Nationalrat über seine Kandidatur sprechen.
Sie sind Nationalrat in Bern – warum wollen Sie gerade jetzt Verantwortung in Wil übernehmen?
Wil ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich – und genau deshalb kandidiere ich für den Stadtrat. Für ein lebenswertes Wil übernehme ich gerne Verantwortung.
Ist das ein bewusster Schritt zurück zur lokalen Politik oder eher ein strategischer nächster Schritt?
Diese Entscheidung ist für mich keine taktische. Es ist eine Herzensentscheidung. Ich sehe, wie sich unsere Stadt verändert. Die Kosten steigen, viele Menschen machen sich Gedanken um Sicherheit und Zukunft. Ich bin überzeugt: Wir können das besser machen.
Viele sehen Ihre Kandidatur als «Heimkommen». Empfinden Sie das selbst auch so – oder ist es eher ein Rollenwechsel?
Es ist eine bewusste Entscheidung für Wil und für konkrete Verantwortung. Wiler Stadtpolitik ist sehr direkt: Man kann sich nicht hinter allgemeinen Debatten verstecken, sondern muss Lösungen erarbeiten, Prioritäten setzen und Entscheide auch umsetzen. Genau diese Verantwortung reizt mich.
Kritiker könnten sagen: Sie nutzen Wil als politische Bühne – was entgegnen Sie dem Vorwurf, dass Ihre Ambitionen eher national als lokal getrieben sind?
Wer in seiner Heimatstadt Verantwortung übernehmen will, stellt sich nicht auf eine Bühne, sondern in den Dienst der Bürgerinnen und Bürger. In Wil geht es nicht um Schlagzeilen, sondern um tragfähige Lösungen für die Bevölkerung, für das Gewerbe und für die städtische Entwicklung. An diesen konkreten Aufgaben muss man sich messen lassen – und genau dazu bin ich bereit.
Sie sprechen von einer «tragbaren Steuerbelastung» – wo sehen Sie konkret Entlastungspotenzial für die Bevölkerung von Wil?
Wer von Entlastung spricht, muss zuerst über die Ausgabenseite reden. Für mich geht es darum, Investitionen und laufende Ausgaben konsequent auf Notwendigkeit, Wirkung und Zeitpunkt zu prüfen. Entlastungspotenzial entsteht dort, wo Prozesse vereinfacht, Projekte sauber priorisiert und Mittel gezielter eingesetzt werden. Ich verspreche keine schnellen Effekte auf Knopfdruck, aber ich stehe für die Haltung, dass die Steuerbelastung für Bevölkerung und Unternehmen tragbar bleiben muss. Die Wilerinnen und Wiler haben eine Steuererhöhung in der Volksabstimmung klar abgelehnt: Der Auftrag für das Stadtparlament und den Stadtrat ist klar.
Gleichzeitig betonen Sie einen verantwortungsvollen Umgang mit Finanzen – wo würden Sie konkret sparen, ohne Leistungen abzubauen?
Der richtige Ansatz ist, Leistungen und Prozesse genau anzuschauen: Wo gibt es Doppelspurigkeiten? Wo kann man Standards vereinfachen? Wo lassen sich Projekte etappieren oder zeitlich besser staffeln? Und wo wird Geld gebunden, ohne dass ein klarer Nutzen für die Bevölkerung sichtbar ist? Verantwortungsvolle Finanzpolitik heisst für mich, zuerst die Effizienz zu erhöhen, bevor man über Leistungsabbau spricht.
Wie reagieren Sie auf Kritik, dass Steuersenkungen oft zu Lasten von Investitionen oder sozialen Leistungen gehen?
Der Einwand ist berechtigt, wenn Steuersenkungen ohne solide Gegenfinanzierung versprochen werden. Mir geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um ein vernünftiges Gleichgewicht: Die Stadt muss investieren können, wo es nötig ist. Gleichzeitig darf sie die Bevölkerung und das Gewerbe nicht über Gebühr belasten. Beides gehört zusammen.
Die Förderung von Gewerbe und Arbeitsplätzen ist ein Kernanliegen – was fehlt heute in Wil konkret, um für Unternehmen attraktiver zu werden?
Unternehmen brauchen vor allem Verlässlichkeit. Dazu gehören nachvollziehbare Verfahren, kurze Wege, planbare Bewilligungen und eine Verwaltung, die lösungsorientiert arbeitet. Dazu kommen eine gute verkehrliche Erreichbarkeit und eine Finanzpolitik mit Augenmass. Wil hat grundsätzlich gute Voraussetzungen. Entscheidend ist, dass die Stadt im Alltag als verlässlicher Partner wahrgenommen wird – nicht als zusätzliche Hürde.
Wie wollen Sie sicherstellen, dass nicht nur grosse Firmen profitieren, sondern auch das lokale Gewerbe?
Für mich ist klar: Eine gesunde Stadt lebt nicht nur von grossen Arbeitgebern, sondern auch vom lokalen Gewerbe. Gerade kleinere und mittlere Betriebe sind auf pragmatische Lösungen angewiesen – bei Bewilligungen, bei Erreichbarkeit, bei Gebühren und bei verlässlichen Ansprechpartnern. Politik darf nicht nur in Grossprojekten denken. Sie muss auch die Realität der Betriebe kennen, die vor Ort ausbilden, investieren und Arbeitsplätze sichern.
Sie betonen die öffentliche Sicherheit – wo sehen Sie aktuell in Wil die grössten Probleme?
Sicherheit beschäftigt Wil: die Einbruchserien in den Wiler Quartieren haben 2026 eine neue, nicht tragbare Dimension erreicht, auch die Sicherheit im Lindenhofquartier und rund um den Bahnhof bleibt angespannt. Nachrichten über Diebe, Einbrüche, Gewalt, Vandalismus und Drogen führen dazu, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger nicht mehr sicher fühlen.
Welche konkreten Massnahmen würden Sie als Stadtrat als Erstes angehen?
Die SVP-Fraktion im Stadtparlament hat mit der Volksinitiative «Sicherheit und Ordnung für Wil» konkrete Lösungen vorgeschlagen. So soll ein ziviler Patrouillendienst die Arbeit der Stadtpolizei ergänzen und stärken. Es braucht im Alltag sichtbare Verbesserungen: weniger Einbrüche, weniger Kriminalität, mehr Sicherheit!
Sie sprechen von «ausgewogener Mobilität» – wie soll diese Balance zwischen Auto, ÖV und Langsamverkehr konkret aussehen?
In Bern mache ich mich sowohl für den Autobahnanschluss Wil-West stark als auch für attraktivere Bahnverbindungen und mehr Halte in Wil. Ausgewogene Mobilität heisst, dass die verschiedenen Verkehrsträger nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wil braucht funktionierende Lösungen für den motorisierten Verkehr, einen starken öffentlichen Verkehr vom Bahnhof bis zum Stadtbus und sichere Wege für Fussgängerinnen, Fussgänger und Velos. Die richtige Frage ist nicht, welcher Verkehrsträger politisch bevorzugt wird, sondern wie die Mobilität als Gesamtkonzept funktioniert.
Wo sehen Sie in Wil aktuell Konflikte in der Verkehrspolitik – und wie würden Sie diese lösen?
Zu Stosszeiten versinkt Wil derzeit im Stau. Es braucht praktikable Lösungen, die Erreichbarkeit, Sicherheit und Lebensqualität zusammen denken. Die Zukunft bietet grosse Chancen: Mit den Autobahnanschluss Wil-West können wir die Innenstadt und den bestehenden Autobahnanschluss entlasten und für weniger Stau sorgen. Mit dem SBB-Bahnausbau des Brüttenertunnels entstehen zudem neue Bahnkapazitäten, mit welchen die Verbindungen und die Attraktivität unseres Bahnhofes stark verbessert werden können.
Was bedeutet für Sie konkret «bürgernahe Politik» – wie würden die Wilerinnen und Wiler das im Alltag spüren?
Bürgernähe zeigt sich im Alltag: erreichbar sein, verständlich kommunizieren und Anliegen ernst nehmen. Bürgernahe Politik bedeutet für mich, dass die Stadt zuhört, verständlich kommuniziert und erreichbar ist. Die Menschen sollen spüren, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und dass Verfahren nachvollziehbar sind. Bürgernähe heisst auch, Probleme nicht schönzureden und Entscheide so zu erklären, dass man sie versteht – selbst wenn man nicht immer einverstanden ist.
Transparenz ist ein grosses Wort – wo sehen Sie in Wil aktuell Defizite?
Im Kantonsrat und im Nationalrat habe ich mit aller Kraft für volle Transparenz gekämpft z.B. gegen undurchsichtige Lobbyverbindungen, Filz und Mauscheleien. Auch in der Wiler Politik möchte ich eine unbestechliche und unabhängige Stimme sein. Die Wiler Steuerzahlerinnnen und Steuerzahler haben ein Recht auf volle Einsicht darüber, wie ihr Geld verwendet wird. Das schützt und stärkt die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der Stadt.
Sie kennen die Bundespolitik aus erster Hand – wie genau kann Wil davon profitieren, wenn Sie im Stadtrat sitzen?
Alle politischen Ebenen kenne ich sehr gut: Als Kantonsrat und als Nationalrat habe ich Kräfte gebündelt, Verbündete gefunden und Allianzen geschmiedet und damit konkrete Verbesserungen erzielt. Als Stadtrat möchte ich meine Kompetenzen und Erfahrungen, mein Netzwerk und meine ganze Schaffenskraft für Wil einsetzen. Die Erfahrung aus Bern nützt Wil – aber sie ersetzt nicht die Pflicht, vor Ort gute und solide Arbeit zu leisten.
Interview: Lui Eigenmann
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