Sophie Ullmann
stellt den Verein «impul-z» im WN-Vereins-Domino vor.
Die Heimstätten Wil wurden 2015 in die Rechtsform einer Stiftung überführt. Der Stiftungsratspräsident Thomas Stalder verrät, was die Institution die vergangenen zehn Jahren am meisten bewegt hat.
WilThomas Stalder, welche Bedeutung hat die Institution für die Gesellschaft? Haben SieVeränderungen in der Gesellschaft wahrgenommen, die auch Ihre Arbeit beeinflusst haben?
Die Stiftung Heimstätten Wil unterstützt sehr viele Menschen, die ohne zusätzliche Betreuung nicht selbstbestimmt leben können. Ganz allgemein ist in unserer Gesellschaft eine starke Zunahme von Menschen zu verzeichnen, die eine psychische Beeinträchtigung haben. Als Heimstätten reagieren wir auf diese Entwicklung, indem wir für diese Menschen Angebote sowohl in der Arbeit als auch im Wohnen schaffen, die ihren Bedürfnissen entsprechen.
Welche Meilensteine wurden in den vergangenen zehn Jahren erreicht?
Es wurden in den letzten zehn Jahren neue Angebote geschaffen mit dem Ziel, dass Menschen mit Beeinträchtigung die freie Wahl haben, ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen – wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger. Im Bereich der Arbeit kann das die Begleitung in den ersten Arbeitsmarkt sein, im Bereich Wohnen, das Wohnen in übersichtlichen Wohneinheiten in der Stadt.
Welche Herausforderungen mussten Sie in den letzten zehn Jahren überwinden?
Eine grosse Herausforderung war die Corona-Krise, die im Jahr 2020 begann und die Stiftung vor grosse Probleme stellte, da aufgrund der gesetzlichen Vorschriften eine Aufnahme von neuen Bewohnerinnen und Bewohnern nicht mehr möglich war oder viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Rente aus Angst vor Ansteckung dem Arbeitsplatz fernblieben. Das waren auch wirtschaftlich für die Stiftung harte Jahre.
Mit welchem Ziel ist die Stiftung vor zehn Jahren gestartet? Wie hat sich dieses verändert?
Die Heimstätten waren vor der Gründungsstiftung ein kantonaler Betrieb. Mit der Gründung wurde diese als selbständiger Wirtschaftsbetrieb in die Zukunft entlassen. Diese Umwandlung erforderte auch ein Umdenken beziehungsweise einen Kulturwandel bei den Mitarbeitenden. 2014 wurde auch die UNO-Behindertenrechtskonvention durch die Schweiz ratifiziert und die Heimstätten verpflichteten sich, in ihrer Strategie an deren Umsetzung tatkräftig mitzuarbeiten. Heute sind die Heimstätten ein Wirtschaftsbetrieb. Als Beispiel: In den letzten Jahren hat die Anzahl der Jugendlichen mit psychischen Beeinträchtigungen zugenommen. Die Heimstätten bieten heute Ausbildungsplätze an, in denen Jugendliche eine vollständige Ausbildung abschliessen und danach im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen können.
Welche Bedeutung haben die Mitarbeitenden der Stiftung?
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stiftung sind das wichtigste Potenzial, um unsere Ziele zu verwirklichen. Ziel ist es ja, mit einer wertvollen Begleitung, Menschen mit Beeinträchtigung einen möglichst selbstbestimmten Alltag zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der Stadt Wil und der Region?
Wir sind ein selbständiger Wirtschaftsbetrieb und einer der grösseren Arbeitgeber in der Stadt Wil. In der Zusammenarbeit mit der Stadt werden wir wie andere Wirtschaftsbetriebe behandelt und geniessen keine besondere Unterstützung. In der Region gibt es einige Betriebe mit einer ähnlichen Zielsetzung. Mit diesen Partnerinnen und Partnern stehen wir im regen Austausch, damit ein möglichst vielfältiges Angebot entsteht, das auf die verschiedensten Bedürfnisse von Mitarbeitenden mit Rente oder Bewohnenden passt.
Gibt es in Wil genügend geeigneten Wohnraum für die Bewohnerinnen und Bewohner?
Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Wir haben es immer geschafft Partner (Liegenschaftsbesitzer) zu finden, um neue Angebote umzusetzen. Die Bedürfnisse verändern sich laufend und dementsprechend passen wir unser Angebot an.
Die Pflege- und Sozialbranche steht vor grossen Herausforderungen – wo sehen Sie die dringendsten Probleme aktuell?
Das dringendste Problem sehe ich in den angekündigten Sparrunden im Kanton St.Gallen. Als Stiftung erhalten wir einen Grossteil unserer Gelder vom Kanton und wir sind verpflichtet, damit sehr haushälterisch umzugehen. Auf der anderen Seite stehen die Ziele, wie die Umsetzung der UNO-Behinderten-rechtskonvention, die Geld kosten. Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft solidarisch bleiben und Menschen mit Unterstützungsbedarf von Jung bis Alt weiterhin unterstützen.
Welche Vision haben Sie für die nächsten zehn Jahre?
Die Heimstätten bleiben ein agiles Unternehmen, das sich den Bedürfnissen der unterstützten Menschen anpasst. Das bedingt auch, vermehrt mit Angeboten in die weitere Region Wil zu ziehen.
Lade Fotos..