Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
Im Hof zu Wil wird bereits seit zwei Jahren gesägt, geschraubt, gegipst und gepinselt – doch welche Arbeiten werden auf der Baustelle im Wahrzeichen der Äbtestadt tatsächlich durchgeführt? Und welche Handwerksspezialistinnen und -spezialisten stecken dahinter?
Hof zu Wil Der Baulärm im Hof zu Wil ist leiser geworden. Die meisten gröberen Arbeiten neigen sich dem Ende zu – vielerorts geht es an den Feinschliff. Patrik Alder und sein Team der Alder-Kühne AG sind für die Finessen aus Holz und die Zimmertüren zuständig. Für den geschäftsführenden Inhaber sind historische Bausubstanzen wie diese des Wiler Wahrzeichens Alltag: «Wir sanieren und restaurieren ausschliesslich historische Gebäude. Daher bin ich oft in alten Gebäuden unterwegs», sagt er. Über die Jahre hat sich Alder so ein Materiallager angesammelt, auf das er nun bei den Sanierungsarbeiten im Hof zu Wil zurückgreifen kann. «Ich habe ungefähr 600 alte Türen und verschiedenste Türschlösser und Beschläge an Lager – von der Jugendstilzeit an bis zu 500 Jahren zurück.» An vielen Stellen, so der Handwerker, habe aber das Originalmaterial wieder aufbereitet werden können.
«Bei denkmalpflegerischen Arbeiten ist es relevant, Dinge zu ertüchtigen und dabei so wenig wie möglich zu ersetzen oder zu erneuern», betont Patrik Alder. Aufgrund der geplanten Nutzung der Räumlichkeiten müssten allerdings an bestimmten Orten zusätzliche Funktionen eingebaut werden. So zum Beispiel bei einer Zimmertür im zweiten Stock: Bei deren Betrachtung fällt sofort das aufwendige Schloss ins Auge. Wie bei einer Skelettuhr, kann man die Mechanismen der Metallkonstruktion von aussen sehen. «Ich habe das gesamte Schloss auseinandergenommen, geputzt, gefettet, kaputte Teile ersetzt und es wieder funktionstüchtig zusammengebaut», erklärt Alder. Zur Veranschaulichung dreht er den Schlüssel einmal um und nickt zufrieden, als ein metallisches Klicken ertönt. «Das ist hohe Schlosserkunst – solche Finessen findet man heute nirgends mehr.» Da man die Tür von aussen abschliessen können muss, sei das alte Schloss aber nur Zierde, verrät der Inhaber der Alder-Kühne AG. Er deutet auf das Loch, welches ein paar Zentimeter oberhalb ins Holz gefräst wurde. Da werde die Tür später mit einem Zylinderschloss ertüchtigt.
Auf diese Art und Weise habe man fast alle Türen des Gebäudes wieder aufbereiten können. Auch solche, die grössere Risse aufwiesen. Diese haben Patrik Alder und sein Team mit Holzspickeln gefüllt. Fehlende Profilierungen wurden wieder ergänzt. Pro Tür bedeute dies ungefähr drei bis vier Tage Arbeit, verrät der Handwerker. «Das Wichtigste ist, dass man nicht zu viel macht», betont er. «Wenn man zu viel erneuert, zerstört man die Geschichte des Gebäudes.» Ebendies ist es, was Alder so sehr fasziniert. «Das Gebäude ist hunderte von Jahren alt. Wenn ich in einen Raum hineinlaufe und mir vorstelle, wie die Leute hier früher gelebt und gearbeitet haben und welchen Wert das Handwerk zu dieser Zeit noch hatte – die vielen Details waren Prestige», so der Inhaber der Alder-Kühne AG. Dazu gehöre auch die Gestaltung der Decken und der Wände.
Wenn die Bausubstanz so beschädigt ist, dass sie nicht mehr gerettet werden kann oder gar nicht mehr vorhanden ist, dann werden einzelne Teile nach historischem Vorbild rekonstruiert. Aktuell arbeitet sein Team in der Werkstatt in Lichtensteig am Brüstungstäfer für eines der Zimmer: eine rund zwei Meter hohe Holzverkleidung für die Zimmerwände. Die Profilierung am oberen Abschluss des Täfers wird an die bereits im Raum vorhandene angelehnt. «Wir haben drei Varianten skizziertund danach mit den Verantwortlichen der Denkmal pflege und des Hofs diejenige ausgesucht, die sich am besten ins
Gesamtbild einfügt», erzählt Patrik Alder. Bis Weihnachten werde sein Unternehmen die Arbeiten im Hof voraussichtlich beendet haben. Danach folge dann die Restaurierung des «Roten Gatters».
Einmal im Monat rücken die WN bestimmte Handwerksarbeiten im Hof zu Wil in den Fokus. In der nächsten und letzten Folge dieser Reihe gibt die Hafnerin Annika Sutter Einblick in ihre Arbeit beim Ofenbau.
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