Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
Wie das historische Gebäude nach der Realisierung des Gesundheitszentrums aussehen wird, ist noch nicht klar. ⋌lin
Die Stadt will das Haus zum Turm im Rahmen eines Grundstücktausches mit der privaten Investorin Evoluo AG veräussern. Das geplante Projekt, auf der Parzelle ein Gesundheitszentrum zu realisieren, stösst auf gemischte Meinungen.
Wil Nachdem die Stadt Wil im Sommer verkündet hatte, das Projekt eines Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrums im Haus zum Turm nicht weiterzuverfolgen, kommunizierte sie vergangene Woche überraschend eine neue Lösung für die Liegenschaft: Die beiden Unternehmer Patrick Meyenberger und Pascal Scheidegger planen an der Tonhallenstrasse ein Gesundheitszentrum mit verschiedenen medizinischen Dienstleistungen und Bildungsangeboten sowie einem öffentlich zugänglichen Erdgeschoss mit Gastronomie, Seminarräumen und Co-Working-Arbeitsplätzen (WN vom 22. November). Um das Projekt zu realisieren, gibt die Stadt die Parzelle 925W im Rahmen eines Grundstücktausches ab. Im Gegenzug erhält sie zwei Liegenschaften der Evoluo AG an der Poststrasse 13 und an der Lerchenfeldstrasse 12. Pascal Scheidegger betonte an der Medienkonferenz am Montag vor einer Woche das grosse Potenzial des Projekts für die Stadt Wil. Wie sehen dies die Verfechter der bisher gescheiterten Projekten?
«Grundsätzlich habe ich mich für eine langfristige öffentliche Nutzung wie ein Kulturzentrum, eine Musikschule oder Wohnungen eingesetzt», sagt Marcel Malgaroli von der FDP Wil auf Anfrage dieser Zeitung. Der Stadtparlamentarier hat sich in mehreren Interpellationen 2017, 2023 und 2024 für eine Nutzung beziehungsweise eine Zwischennutzung des Haus zum Turm eingesetzt. Zuletzt schlug er vor, die Räumlichkeiten in den Wintermonaten für den Markt zur Verfügung zu stellen. Erfolg hatte er allerdings keinen. «Die Stadt hat während fast einem Jahrzehnt keine Lösung gefunden oder realisiert», so Malgaroli. Und dies, obwohl das Parlament vor einiger Zeit rund 400'000 Franken für eine Zwischennutzung gesprochen habe. «Das Gebäude kostete die Stadt nur Geld. In der heutigen finanziellen Lage kann sich die Stadt auch das angedachte Kulturzentrum mit Musikschule, welches sicher 20 Millionen kosten würde, nicht leisten», argumentiert er. «Da kann sich die Stadt Wil nur glücklich schätzen, wenn private Investoren das ‹Heft› in die Hand nehmen.»
In der Stadt Wil finde man derzeit fast keine Ärzte mehr, die neue Patienten aufnehmen würden, betont Marcel Malgaroli. Die Wiler Bevölkerung profitiere von einer Ergänzung der Gesundheitsversorgung in Form eines Gesundheitszentrums mit einem öffentlichen Bistro und Kulturraum. Auch Sebastian Koller, hat positive erste Worte für das Vorhaben übrig: «Das Projekt macht auf den ersten Blick einen ambitionierten, aber durchaus guten Eindruck», sagt er auf Anfrage. Schiebt aber sogleich hinterher: «Allerdings entspricht es nicht dem politischen Auftrag.» Der Präsident der IG Kultur Wil und Parlamentarier der Grünen Prowil hatte 2020 eine Motion eingereicht, in der er den Stadtrat damit beauftragte, ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum im «Turm» zu prüfen.
«Die Option der Veräusserung des ‹Turms› wurde immer wieder diskutiert und vom Parlament jeweils klar verworfen. Der Auftrag an den Stadtrat, welcher zuletzt 2022 bestätigt wurde, lautete, dass die Stadt selbst ein Projekt realisieren soll», betont der Präsident der IG Kultur Wil. Das Nutzungskonzept für das Bege-gnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum sei in einem aufwendigen kooperativen Prozess erarbeitet worden. «Mit der nun vollzogenen Kehrtwende signalisiert der Stadtrat, dass Wil dazu nicht in der Lage ist. Das ist eine Bankrotterklärung der städtischen Liegenschaftenpolitik und unserer Bauverwaltung», so Koller.
Abgesehen von den Investitionskosten – die bereits von vornherein feststanden – gebe es keinen Grund, das Konzept für das Musikschulzentrum über den Haufen zu werfen, betont der Stadtparlamentarier. Eine neue Nutzung erfordere einen tiefgreifenden und entsprechend teuren Umbau. Dieses Problem bestehe unabhängig davon, von wem ein Projekt entwickelt werde. «Es erstaunt mich», so Sebastian Koller, «dass Private überhaupt am ‹Turm› interessiert sind, denn rein ökonomisch betrachtet handelt es sich kaum um ein gutes Investment.»
Damit das Projekt umgesetzt werden kann, muss das Parlament dem Tauschgeschäft zustimmen. Marcel Malgaroli hofft, dass sich die Mehrheit für das Projekt ausspricht. Auch Sebastian Koller lehnt das Projekt trotz Kritik nicht grundsätzlich ab: Eine Zustimmung sei denkbar, wenn es eine Absichtserklärung gebe, ein Musikschul- und Kulturzentrum an einem anderen Ort zu realisieren. «Es kann nicht sein, dass die Musikschule und die Kulturvereine nun einfach auf der Strecke bleiben.»
Linda Bachmann
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