Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
Der Stadtrat möchte die Liegenschaft zum Turm gegen zwei Grundstücke der Evoluo AG im Stadtzentrum tauschen. Das Unternehmen will im ehemaligen Feuerwehrdepot ein Gesundheitszentrum umsetzen.
Wil «Es geht um die Zukunft des Gebäudes, in dem wir drin sind», eröffnete Michel Burtscher, Kommunikationsleiter der Stadt Wil, die Medienkonferenz am Montagnachmittag in der Liegenschaft zum Turm. Im zweiten Obergeschoss des Gebäudes informierten die Verantwortlichen der Stadt sowie zwei in diesem Anliegen bislang unbekannte Protagonisten über die Zukunft des ehemaligen Feuerwehrdepots – überraschend, denn bisher sind alle Lösungsansätze zur Nutzung des Gebäudes gescheitert. Zuletzt begrub der Stadtrat das Projekt für ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum. Aktuell sind im «Turm» ukrainische Flüchtlinge untergebracht, ansonsten steht die Liegenschaft grösstenteils leer. Dies soll sich nun ändern: An der Tonhallenstrasse soll ein Gesundheitszentrum entstehen.
Dazu will die Stadt die Parzelle 925W, auf der sich die Liegenschaft zum Turm befindet, in einem Tausch-geschäft an einen privaten Investor veräussern. Im Gegenzug erhält sie für eine Ausgleichszahlung von 300’000 Franken die Liegenschaft an der Lerchenfeldstrasse 12 und diejenige an der Poststrasse 13. Der Tauschpartner ist die Evoluo AG. Hinter dem Unternehmen stehen der Wiler Zahnarzt Patrick Meyenberger und der Architekt Pascal Scheidegger. Die beiden Unternehmer wollen an der Tonhalle das Projekt «Gsundstadt Wil» umsetzen – eine Idee, die so neu gar nicht mehr ist.
Im Rahmen der Jubiläumsausgabe für die Zahnarztpraxis Meyenberger AG in einer Beilage dieser Zeitung wurde im Sommer 2023 bereits über die Evoluo Wil AG und das Projekt «Gsundstadt Wil» informiert: Eine Praxisgemeinschaft verschiedenster medizinischer Bereiche – von Haus-ärzten über HNO- und Zahnärzte bis hin zu Physio-, Hypnose- und Psychotherapeuten – solle entstehen, erklärten die beiden Unternehmer hinter der Evoluo AG. Unter einem Dach wäre eine bessere Zusammenarbeit der Ärzte möglich. Ausserdem könnten sie so von administrativen Aufgaben entlastet werden. Selbst erneuernde Versorgung Ein weiteres, wichtiges Stichwort sei die Bildung, wie Patrick Meyenberger betont. «Es soll nicht eine Praxis entstehen, die abhängig ist von meiner beruflichen Laufzeit.
Wir möchten für die Stadt eine Gesundheitsdienstleistung aufbauen, die sich selbst erneuert.» Indem man junge Ärzte anlocke, sie beruflich weiterbilde und dann dazu bewege, im «Turm» ihre Dienstleistungen anzubieten, soll die medizinische Versorgung kontinuierlich gewährleistet werden, so Meyenberger. Er betont, dass bereits mehrere Fachpersonen Interesse an dem Projekt bekundet hätten. Die Evoluo AG sehe sich zudem als potenzielle Partnerin des Spitals Wil.
Ursprünglich war das Projekt in den beiden Liegenschaften geplant, die der Evoluo AG bereits gehören: in der alten Polizeistation an der Lerchenfeldstrasse 12, wo aktuell zwei Primarschulklassen untergebracht sind, und an der Poststrasse 13, wo sich Meyenbergers Zahnarztpraxis sowie ein Reisebüro befinden. Die Aufteilung auf zwei Parzellen wäre für die Realisierung der «Gsundstadt» allerdings nicht ideal gewesen, wie Pascal Scheidegger an der Medienkonferenz erklärte. Einer Umsetzung im Haus zum Turm seien die Unternehmer zuerst skeptisch gegenübergestanden. So sei die Lage des historischen Gebäudes etwas weniger zentral, die Tonhallenstrasse sehr stark befahren und die Einhaltung der denkmalpflegerischen Vorschriften eine Herausforderung. Schlussendlich hätten die Vorteile des Haus zum Turm doch überwogen. «Wir sehen grosses Potenzial für die Stadt Wil», betonte Scheidegger.
Das aktuelle Projekt umfasst neben Praxisräumlichkeiten für medizinische Dienstleistungen und Bildungsangebote auch ein öffentlich zugängliches Erdgeschoss mit Gastronomie, Seminarräumen und Co-Wor-king-Arbeitsplätzen. Auch wolle man bestehende Synergien mit dem Künstlerkollektiv Ohm41 aufnehmen und ausbauen, ergänzt Patrick Meyenberger. Wie viel die Evoluo AG für die Umsetzung dieser Ideen in den Umbau des historischen Gebäudes investieren muss, wollen Meyenberger und Scheidegger nicht preisgeben. «Es handelt sich um einen namhaften Betrag», so Pascal Scheidegger. Auch in welcher Form das Gebäude ertüchtigt wird, sei noch nicht abschliessend klar. Es würden sowohl die Variante eines Umbaus als auch diejenige eines Ersatzneubaus überprüft. Klar sei, dass die Stadtmauer sowie der Kopfbau – also der Turm – des Gebäudes aus denkmalpflegerischen Aspekten erhalten bleiben müsste.
Und was passiert mit den beiden Liegenschaften, welche die Stadt erhält? Was hat die Stadt von dem Tauschgeschäft? Schliesslich muss sie für den Liegenschaftentausch noch 300’000 Franken drauflegen. Marko Sauer, Co-Leiter Hochbau des BUV, weist auf die Mieterträge der beiden Liegenschaften an der Post- und der Lerchenfeldstrasse hin. Ausserdem würden die Gebäude ein Potenzial für Entwicklung im Quartier bieten und die Stadt müsse zukünftig keine Investitionen für die Liegenschaft zum Turm tätigen. Beim Umzug der Primarschulklassen im Sommer 2026 in das Provisorium Allee West beziehungsweise beim Umzug der Praxis Meyenberger in das Gesundheitszentrum sei man sicher, schnell wieder Mieter für die besagten Räumlichkeiten zu finden. Wie die genauen Pläne für die Liegenschaften aussehen, konnten die beiden anwesenden Stadträte, Hans Mäder und Manuel Nick, aber noch nicht ausführen.
Der Stadtrat beantragt nun für den Grundstücktausch eine Ausgabe von 910’000 Franken beim Stadtparlament. Der Betrag setzt sich aus einem Buchverlust über 705’000 Franken sowie den Kosten von 205’000 Franken für die Verlegung der Trafostation zusammen. Der Buchverlust entsteht, weil die Stadt das Turm-Areal unter seinem amtlichen Schätzwert von 4,4 Millionen zu einem ausgehandelten Verkaufspreis von 3,7 Millionen Franken veräussert. Die TBW-Trafostation und ein Verteilkasten auf dem Areal stehen für den Um- beziehungsweise Neubau im Weg. Für die Realisierung des Projekts, müssen diese verschoben werden. Im Februar soll das Geschäft ins Parlament kommen. Die Genehmigung durch das Parlament sowie der Erhalt der Baubewilligung sind Voraussetzung für den Grundstücktausch. Wenn der politische Prozess reibungslos verläuft, können die Bauarbeiten im Sommer 2027 starten. Ein Betrieb des Gesundheitszentrums schätzen die Verantwortlichenn frühestens 2030 als realistisch ein.
Linda Bachmann
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