Cornelia Scheiwiller
stellt das Konzertprogramm 2026 im Kloster Fischingen vor.
Für die Bewohner von Harschwil, einem Weiler in Niederwil, beginnt das neue Jahr mit einem Ärgernis: Der Bancomat in Niederwil ist verschwunden. Besonders Josef Lehmann fühlt sich von der Bank im Stich gelassen.
Niederwil/Harschwil «Auf einmal war der Bancomat weg. Das ist eine Frechheit», ärgert sich Josef Lehmann. «Ich hatte noch einige Besorgungen in Flawil zu erledigen und wollte darum beim Bancomat Bargeld abheben», erinnert sich der 78-Jährige. Nur dass da ausser einem Metallblech nichts mehr war: «Stillschweigend haben sie ein Blech montiert und damit war die Sache wohl erledigt», ist der Niederwiler noch immer fassungslos. «Ältere Personen werden so abgegrenzt und vor vollendete Tatsachen gestellt», betont Lehmann.
«Erst wurden die kleinen Banken gefressen und nun lässt man uns fallen wie eine heisse Kartoffel», hat Josef Lehmann eine klare Haltung gegenüber der Raiffeisenbank Gossau-Andwil-Niederwil. «An jeder Generalversammlung betont die Raiffeisen, sie sei kundenfreundlich», gibt er zu bedenken. «Für mich ist das das Gegenteil.» Bereits im Juli 2020 wurde die Geschäftsstelle an der Hauptstrasse 14 in Niederwil aufgelöst. Da er im Weiler Harschwil wohnt, sei er nach der Schliessung erst recht auf den Bancomaten angewiesen gewesen. «Erst war ich gar nicht begeistert von der Schliessung der Geschäftsstelle, konnte den Schritt aber am Ende nachvollziehen. Wir hatten ja noch den Bancomaten.» Der Niederwiler bezahle immer bar. An die Handhabung mit dem Automaten musste sich der 78-Jährige erst gewöhnen. «Heute ist das kein Problem mehr. Aber nun muss ich bis nach Flawil oder Gossau fahren, wenn ich Geld abheben möchte.» Er sei nicht der Einzige in der Nachbarschaft, der sich über den verschwundenen Bancomaten ärgere: «Ich weiss, dass einige direkt die Bank gewechselt haben.»
Was dem Niederwiler ebenfalls sauer aufstösst, sei die fehlende Kommunikation: «Nirgends wurde mitgeteilt, dass der Bancomat abgebaut wird. Auch nicht im Gemeindeblatt von Oberbüren, wo es meiner Meinung nach hätte publiziert werden müssen», ist Lehmann enttäuscht. «Die Raiffeisenbanken kommunizieren eine Bancomatschliessung abhängig vom Einzelfall durch unterschiedliche Massnahmen und Kanäle», erklärt Mediensprecher der Raiffeisen Jan Söntgerath auf Anfrage. Im Fall von Niederwil habe man während rund drei Monaten einen entsprechenden Hinweis am Automaten angebracht. «Zudem wurde die Kundschaft, die den Bancomaten regelmässig benutzte, von den Mitarbeitenden der Bank direkt informiert.» Josef Lehmann selbst, war bei der Raiffeisenbank allerdings wenig erfolgreich: «Ich rief an, um mich über den fehlenden Automaten zu erkundigen. Da die Dame am Telefon nicht zuständig war, wurde mir versprochen, dass mein Anliegen weitergeleitet wird», erinnert sich Josef Lehmann. Bis heute habe er jedoch keine Rückmeldung erhalten. «Ich habe allerdings auch nicht mehr nachgehakt. Das ist mir zu blöd.»
Da der Bancomat das Ende seiner technischen Lebensdauer erreichte, dessen Nutzung laufend zurückging und kein passender Ersatzstandort gefunden werden konnte, entschied sich die Raiffeisenbank Gossau-Andwil-Niederwil, den Automaten nicht mehr zu ersetzen, so Jan Söntgerath. «Als Entscheidungsgrundlage für die Schliessung des Automaten», führt der Mediensprecher weiter aus, «dienten unter anderem Überlegungen zu Sicherheit und Wirtschaftlichkeit.» Für Josef Lehmann ist dies nicht akzeptabel: «Das ist eine faule Ausrede. Man könnte den Bancomaten doch auch an einem anderen Standort platzieren.» So sei für den 78-Jährigen beispielsweise ein Automat beim Volg denkbar. «Dort ist auch bereits die Post integriert», gibt er zu bedenken. Auf jeden Fall müsse er zentral in Niederwil liegen. «Man könnte doch auch eine Säule wie auf dem Parkplatz von Müller und Aldi in Gossau aufstellen», schlägt Lehmann vor. «Raiffeisen erwartet, dass sich das Bargeldverhalten und der -bedarf weiterhin verändern werden, und rechnet in den kommenden Jahren mit einem langsamen, aber stetigen Rückgang der Bancomaten-Population», sagt Jan Söntgerath. Der Bedarf an Bargeld sei generell rückläufig, während bargeldlose respektive mobile Zahlungen zunähmen. Die Corona-Pandemie habe diesen Trend noch verstärkt. Für Josef Lehmann bleibt vorerst nur der längere Weg zum nächsten Bancomaten.
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