Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Francesco Cristofari trat in die Pedale – von Eschlikon bis an die italienische Adria führte ihn sein spontaner Velotrip.
Genau 1057 Kilometer legte der 62-jährige Pensionär Francesco Cristofari mit seinem E-Bike zurück: Gestartet in Eschlikon, fuhr er bis ans Adriatische Meer. «Immer der Nase nach. Die Idee dazu kam mir auf dem WC», erzählt der 62-Jährige schmunzelnd. Das Ziel seiner Reise: Teramo in Italien.
Eschlikon «In Teramo habe ich Verwandte, welche ich jedes Jahr besuche», erzählt Francesco Cristofari aus Eschlikon. Mit dem Auto habe man für diese Reise gut acht bis zwölf Stunden. «Seit einem Jahr habe ich aber ein E-Bike, und seit ich mich im vergangenen Dezember frühpensionieren liess, auch endlich Zeit. Also entschloss ich kurzerhand, dieses Jahr mit dem Velo nach Italien zu radeln», so der 62-Jährige. Seinen verfrühten Ruhestand begründet ein tragisches Ereignis im vergangenen Jahr: «Am Morgen traf ich auf einen Mitarbeiter, er war 56-jährig. Als ich zwei Stunden später zurückkehrte war er tot – Herzinfarkt», schildert Cristofari, der beruflich sein Leben lang Lastwagen fuhr. «Das hat mir die Augen geöffnet. Ich wollte meine Zeit bestmöglich nutzen, solange ich gesund bin.»
Cristofaris Reise startete am 25. Mai. «Da war es noch ausserhalb der Hauptsaison an der italienischen Adria und noch nicht zu heiss», erklärt er. Dass er aber dabei ins gegenteilige Unglück radeln würde, war ihm noch nicht klar: «Das Wetter war an diesem Sonntag wirklich schlecht, und als ich an meinem ersten Etappenziel in Wald am Arlberg ankam, war ich vom Regen bereits komplett durchnässt», erzählt der 62-Jährige. Je weiter er in den Süden gelangte, desto wärmer wurde es. «In Richtung Trento führten mich die Velowege durch Plantagen – der Duft war herrlich», schwärmt er. Weiter nach Ravenna begegnete Cristofari ein lang gezogenes Waldstück: «Ich fuhr fast eine Stunde durch den Wald. Zum Schluss war es aber wie ein Licht am Ende des Tunnels: Plötzlich erstreckte sich vor mir der Blick aufs Meer.» Danach fuhr er dem Meer entlang durch Rimini, Ancona bis nach Alba Adriatica, wo ihm der Blick auf Teramos Hausberg Monte Piselli, «die Erbse», schliesslich das Gefühl vom Nachhausekommen gab.
Anstelle der ursprünglich geplanten sechs Tage, dauerte Cristofaris Spontanabenteuer etwas mehr als sieben Tage. «Unterwegs habe ich zwei Velohosen ‹duregfigget›, meinen Seitenspiegel verloren und meinen Packträger demoliert.» Diese Rückschläge schmunzelt der Pensionär aber gelassen weg: «Dafür habe ich super gegessen: Pasta, Pizza, Parmigiano. Ich habe unterwegs neue Bekanntschaften geknüpft, hatte nie Muskelkater, nie ein Problem mit meiner Velobatterie – ausser einmal musste ich das Velo zum Laden mit ins Hotelzimmer nehmen – und durfte mich selber von einer neuen Seite kennenlernen.»
Mit seiner Geschichte möchte Cristofari anderen zeigen, dass man das Leben nicht so eintönig leben soll: «Die Reise war nicht nur schön. Es brauchte auch viel Energie und ich musste mich immer wieder aufs Neue motivieren», sagt er und ergänzt: «Aber genau das ist es, was uns Menschen weiterbringt – wenn wir auch einmal auf uns alleine gestellt sind, an unsere persönlichen Grenzen stossen und da-rüber hinausgehen.» Als Belohnung warten Eindrücke und Dynamiken von Gegenden, Menschen und Kulturen, wie man sie auf keiner Pauschalreise erhält. Cristofari belohnte sich nach seiner Reise noch mit einem dreiwöchigen Aufenthalt am Meer.
jms
Franz,das hast du gut gemacht und ich gratuliere dir.Dein ehmaliger Arbeitskolege vom Lagerhaus Wil AG.Jimmy
Steffen antworten
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