Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
Bis das Primarschulhaus an der Schillerstrasse im Westquartier realisiert ist, bleibt die Tagesschule im Alleeschulhaus Zukunftsmusik. ⋌lin
Vor knapp zehn Jahren forderte Adrian Bachmann von der FDP Wil eine Tagesschule für die Äbtestadt. Nun liegen Bericht und Antrag des Stadtrats für das Pilotprojekt Tagesschule» vor. Doch der darin aufgeführte Zeithorizont sorgt für Kritik.
Wil Die Wilerinnen und Wiler wollen eine Tagesschule – dies geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Stadtrats hervor. Eine dreiwöchige Umfrage Anfang des Jahres habe gezeigt: 61 Prozent von knapp 400 Teilnehmenden wollen eine Einrichtung nutzen, davon sagten 39 Prozent ja und 22 Prozent eher ja. Befragt wurden laut Bericht alle Eltern des Kindergartens und der Primarstufe in Wil. Für die Realisierung eines solchen Angebots beantragt der Stadtrat einen Kredit von 4'013'400 Franken.
Der Ursprung des Projekts geht auf ein Postulat von Adrian Bachmann zurück, in dem er 2016 eine Tagesschule für die Äbtestadt forderte. Das Wiler Stadtparlament beauftragte den Stadtrat 2022 mit der Erheblicherklärung einer Motion der Bildungskommission, ein Pilotprojekt für Tagesschulen zu entwerfen. Das nun vorliegende Projekt des Stadtrats umfasst eine Tagesschule als eigenständige Schuleinheit für 80 Kinder, aufgeteilt in eine Kindergartenklasse sowie je eine jahrgangsgemischte 1./2., 3./4. und 5./6. Primarklasse. Das Angebot soll Schulunterricht, Betreuung, Freizeitangebote und Verpflegung kombinieren. Im Unterschied zu den bereits bestehenden Tagesstrukturen sind die Betreuungsmodule an der Ganztagesschule mittags und nachmittags nicht frei wählbar und werden fix verrechnet: Die Kinder besuchen die Schule also Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. Ausgenommen ist der Mittwoch ab 12 Uhr sowie der Freitag ab 13.30 Uhr für Kindergartenkinder und Schulkinder der ersten und zweiten Primarstufe. Diese Betreuungsmodule sowie der Zeitraum morgens von 6.30 bis 8 Uhr können nach Bedarf dazugebucht werden.
Als Standort für die Tagesschule kommen gemäss dem Stadtrat zwei bereits bestehende Anlagen für eine Umnutzung infrage: das Alleschulhaus und das Schulhaus Klosterweg. «Die Bedürfnisse einer Tagesschule liessen sich natürlich mit einem spezifisch ausgerichteten Neubau am besten erfüllen. Dies ist aber weder aus zeitlicher noch finanzieller Sicht realistisch», heisst es in seinem Bericht. In einer Gegenüberstellung der beiden vorgeschlagenen Anlagen, schneidet der Standort Allee deutlich besser ab: Er benötigt baulich deutlich kleinere Anpassungen als das Klosterwegschulhaus. Zudem ist es schneller verfügbar – wobei bei dem aufgeführten Zeithorizont «schnell» nicht das treffendste Adjektiv ist: Ein Projektstart ist frühestens auf das Schuljahr 2034/35 möglich.
Adrian Bachmann zeigt sich zwar froh darüber, dass nun ein konkretes Projekt vorliegt, ist allerdings ernüchtert, dass bis zu dessen Start nochmals zehn Jahre verstreichen sollen. «Wir hätten uns schon etwas mehr Tempo gewünscht», sagt der FDP-Politiker. Die Kinder derjenigen Eltern, die bei der Bedarfsanalyse angegeben hätten, ein Tagesschulangebot zu begrüssen, würden bei Start des Pilotprojekts die obligatorische Schulzeit bereits abgeschlossen haben, argumentiert er. «Das haben wir uns sicher nicht so vorgestellt. Ich gehe aber davon aus, dass das Bedürfnis im Verlauf der nächsten Jahre eher zunimmt.»
Der Grund für den weiten Zeithorizont ist die Standortwahl für die neue Tagesschule. Bachmann hält den Entscheid für das Alleeschulhaus grundsätzlich für nachvollziehbar – vor allem, wenn man die Tagesschule, wie vom Stadtparlament in Auftrag gegeben, als Schuleinheit konzipieren wolle. Das «Pilotprojekt Tagesschule» ist so allerdings abhängig von der Umsetzung der strategischen Schulraumplaung, konkret mit der Realisierung des Primarschulhauses an der Schillerstrasse. Erst, wenn die Primarschulklassen vom Alleeschulhaus in den Neubau ins Westquartier umgezogen sind, ist ein Projektstart möglich. Und dies wird gemäss der aktuellen Roadmap, der Stadt erst im Sommer 2033 so weit sein. Bis dahin wird noch viel Wasser den Krebsbach hinunterfliessen. So werde man das Modell mit den fixen Betreuungszeiten beispielsweise noch vertieft diskutieren, ist sich Adrian Bachmann sicher. Denn damit das Projekt auch auf eine solide Nachfrage stosse und zu einem Erfolg werde, sollten die Betreuungszeiten möglichst bürgerfreundlich sein.
Linda Bachmann
Sende uns ein Bild oder Video! Bild hochladen
Wir verwenden Cookies zur Unterstützung der Benutzerfreundlichkeit. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung
Lade Fotos..