Cornelia Scheiwiller
stellt das Konzertprogramm 2026 im Kloster Fischingen vor.
Die christliche Weihnachtsgeschichte erzählt, wie Jesus Christus geboren wurde. Um diese Geschichte dreht sich auch die Weihnachtsreise Wil. Bereits zum vierten Mal kann die biblische Erzählung um die Geburt Jesu auf der oberen Bahnhofstrasse in Wil live miterlebt werden.
In acht Szenen wird die Geschichte von Maria, Josef und dem Jesuskind auf ihrem Weg von Nazareth nach Bethlehem auf der oberen Bahnhofstrasse in Wil aufgeführt. Seit 2022 findet jährlich kurz vor Weihnachten die Weihnachtsreise statt. Das Schauspiel durch die Stadt Wil wird organisiert von der katholischen und der evangelischen Kirchgemeinde Wil, der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) und der Lifechurch Wil. «Die biblische Geschichte ist die Basis der Weihnachtsreise», sagt Pastor Dominik Lutzeyer. Das Schauspiel mache auf nahbare Art und Weise die christliche Weihnachtsgeschichte erlebbar. «Wenn man die Leute in Wil auf das Weihnachtsfest anspricht, so feiern es die meisten Menschen. Die Weihnachtsgeschichte selbst kennen dann aber nicht mehr so viele», stellt Ok-Präsident Roger Stöcker fest. Die Weihnachtsreise, stellt Lutzeyer klar, sei jedoch nicht nur für religiöse Menschen ausgelegt. «Alle sind willkommen, die Geschichte zu erleben, ob man sie schon kennt oder auch zum ersten Mal hört.»
Aktuelle Themen im alten SettingAuf der Weihnachtsreise am 21. Dezember können sich deshalb Passantinnen und Passanten die Weihnachtsgeschichte live ansehen. Sie können sich auf der oberen Bahnhofstrasse frei bewegen und dabei die verschiedenen Szenen miterleben. «Die Aufführungen werden zwischen 13.30 und 16 Uhr rund acht Mal aufgeführt», verrät Roger Stöcker. Dabei spiele es keine Rolle, in welcher Reihenfolge man sich das Schauspiel anschaue: «Jede Szene ist in sich abgeschlossen», weiss Lutzeyer. «In den vergangenen drei Jahren», so der OK-Präsident, «änderten wir nur wenig an den Szenen.» Dieses Jahr werde es jedoch zu den bestehenden eine weitere Szene auf der Höhe des Restaurants Arts geben. «Zwei Wirte werden sich über die Situation der damaligen Zeit in Rom und den herrschenden Fachkräftemangel unterhalten», so Stöcker. «Wir wollen die Themen von heute in das Spiel integrieren.» 51 Darstellerinnen und Darsteller sowie 25 Helferinnen und Helfer werden bei der Weihnachtsreise am Sonntag im Einsatz sein. «Wir haben das grosse Glück, dass rund zwei Drittel der Laiendarstellenden jährlich dabei sind», freut sich Stöcker.
Maria, Josef und ein Baby gesuchtNeben inhaltlichen Neuerungen stehen das Organisationskomitee (OK) und die Kirchgemeinden jedes Jahr auch vor organisatorischen Hürden. Eine davon sei jeweils die Besetzung von Maria, Josef und dem Jesuskind: «Das Timing muss stimmen», so der Pastor. «Das Kind darf am Tag der Aufführung nicht zu alt sein.» Zudem, ergänzt Roger Stöcker, müsse man auch eine Familie finden, die bereit ist, sich zur Schau zu stellen. «Ich kann das durchaus nachvollziehen, wenn man nicht drei Stunden lang angeschaut werden möchte.» Die Wiler Kirchgemeinden, so Dominik Lutzeyer, seien glücklicherweise sehr durchmischt. Für die diesjährige Aufführung habe man die Szene sogar doppelt besetzen können. Zu weiteren möglichen Hürden neben der Besetzung der Schauspielerinnen und Schauspieler gehöre auch die Technik. «An zwei Stationen, der des Bürgers und der des Herodes, haben wir Funkmikrofone, für die es in unmittelbarer Nähe ein Mischpult benötigt», weiss Roger Stöcker. Bei regnerischem Wetter, führt er weiter aus, muss man das Pult entsprechend gut abdecken können. Hinzukomme der nahe Standort der beiden Szenen. «Wir müssen aufpassen, dass sich die Frequenzen nicht überlagern», betont Stöcker. An zwei weiteren Standorten wird ein offenes Feuer eingesetzt: «Um die Sicherheit zu gewährleisten, haben wir bei jedem Feuer eine verantwortliche Person und natürlich einen Feuerlöscher», sagt er.
Was die Weihnachtsreise kostetAn zwei Standorten der Weihnachtsreise treffen die Besuchenden auf die sogenannten Skriptoren. «Wie bei der Weihnachtsgeschichte schreiben sich die Leute bei diesen Posten ein», erklärt der OK-Präsident. Pastor Lutzeyer ergänzt: «Wie bei der Volkszählung in der Bibel.» In Wil müsse man jedoch keine Steuern zahlen, so Stöcker. Willkommen sei aber eine kleine Spende trotzdem. «Das Budget liegt bei rund 12’000 Franken», betont Stöcker. Den grössten Teil davon übernehmen die beteiligten Kirchgemeinden. «Auch der Stadtfond sowie einige Unternehmen aus der Region tragen einen Teil dazu bei», sagt er. Dieses Jahr habe man auch eine weitere Sachspende erhalten: «Uns wird dieses Jahr das Stroh zur Verfügung gestellt.» Die grösste Summe des Budgets würde für Bewilligungen, die Miete der Tiere und der Römerkostüme sowie die Werbung verwendet werden. «Bei der Weihnachtsreise sind Esel, Schafe und Kamele mit von der Partie», sagt Dominik Lutzeyer. Die Reservationen für die Kamele und die Römerkostüme, weiss Roger Stöcker, müssen bereits im Februar gemacht werden. «Wir mieten die Tiere bei Kamelführern aus Winterthur. Die Köstüme der Römer kommen aus einem Kostümverleih in St.Gallen. Da auch St.Gallen eine Weihnachtsreise durchführt, müssen wir die Reservation aufeinender abgestimmt und früh tätigen.»
Weihnachten beginnt schon im AugustDas OK der Weihnachtsreise, verrät Stöcker, stecke bereits ab August in den Vorbereitungen. «Ende November beginnt dann auch die Arbeit für unsere Laienschauspielerinnen und -schauspieler.» Dann nämlich, wenn es in die Sprechprobe geht. «Diese findet im katholischen Pfarreiheim statt», weiss der Pastor. Bei dieser Probe wird das Stück zwei- bis dreimal durchgespielt. «Jede und jeder der Darstellenden ist selbst für das Lernen ihres Textes verantwortlich. Solange es einen Sinn ergibt und die Botschaft klar zur Geltung kommt, ist auch Improvisieren erlaubt», so der OK-Präsident. Allerdings könne zu viel Improvisation für die Kolleginnen und Kollegen herausfordernd sein: «Wenn man auf seinen Einsatz wartet, aber das Stichwort nicht kommt, kann es ungemütlich werden», schmunzelt er. Die Besuchenden der Weihnachtsreise seien jedoch stets verständnisvoll: «Wir erhalten durchs Band positive Rückmeldungen und merken, dass der Event geschätzt wird.» So sorgt die Weihnachtsreise auch dieses Jahr wieder für vorweihnachtliche Stimmung und verbindet Tradition, Gemeinschaft und Spiritualität auf besondere Weise.
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