Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
Der Bus kann einige Stellen auf der Wilenstrasse nur knapp passieren. lin
Die verkehrsberuhigenden Elemente auf der Wilenstrasse sorgten jüngst für Unmut in der Wiler Bevölkerung – nun reagiert die Politik.
Wil Im Rahmen eines Pilotprojekts hat die Stadt Wil auf der Wilenstrasse verschiedene Massnahmen für eine Velostrasse umgesetzt: Auf dem knapp 700 Meter langen Abschnitt zwischen der Autobahnüberführung und der Hubstrasse wurden die Rechtsvortritte aufgehoben, verschiedene Markierungen angebracht sowie mehrere fahrbahnverengende Elemente installiert. Anwohnende und Verkehrsteilnehmende ärgern sich über dadurch entstehende Gefahrensituationen sowie die durch den Stop-and-go-Verkehr erhöhten Lärm- und CO₂-Emissionen (WN vom 25. September). Nun fordern drei Stadtparlamentarier die Stadt mit einer dringlichen Interpellation zur Handlung auf.
Adrian Bachmann von der FDP, Benjamin Büsser von der SVP und Reto Gehrig von der Mitte kritisieren in ihrem Schreiben an den Stadtrat nicht die Idee des Pilotprojekts, sondern die konkreten Massnahmen: Die Interpellanten vermuten, dass die Schaffung einer Velostrasse grundsätzlich auf Akzeptanz stösst. Die Stadt Wil habe sich bei der Umsetzung allerdings nicht an bewährten, empfohlenen und prämierten Modellen aus anderen Städten orientiert, sondern eine eigene Variante eingeführt. Diese führe verschiedentlich zu nicht beabsichtigten und auch gefährlichen Situationen. So sei beispielsweise ein Kreuzen eines Velos mit dem auf der gleichen Strecke kursierenden Stadtbus an den künstlich verengten Stellen nur möglich, wenn einer der Verkehrsteilnehmer auf das Trottoir ausweiche. «Dieser Umstand wurde nicht nur anders kommuniziert und ist aus Sicht der Verkehrssicherheit unerwünscht, sondern hat offenbar auch schon zu Unfällen geführt», heisst es im Schreiben an den Stadtrat. Auf Anfrage präzisiert Adrian Bachmann: «Bekannt sind uns drei oder vier leichtere Unfälle mit Velofahrenden – zum Glück ohne gröbere Verletzungen –, mehrere beschädigte Leitpfosten sowie immer wieder gefährliche Situationen bei Kreuzungsmanövern, bei denen es aber glücklicherweise nicht zu Schäden gekommen ist.» Auch die Polizei habe Kenntnis, dass es auf der
Wilenstrasse mehrfach zu Ereignissen gekommen sei.
Florian Schneider von der Fachstelle Kommunikation der Kantonspolizei St.Gallen gab auf Anfrage dieser Zeitung an, dass seit Beginn des Pilotprojekts auf dem besagten Streckenabschnitt vier Ereignisse im Strassenverkehr gemeldet worden seien. Dabei handle es sich um einen Strassenverkehrsunfall mit Tier und drei Schadenmeldungen, bei denen Signalisationsmaterial durch Verkehrsteilnehmende beschädigt worden sei. Strassenverkehrsunfälle mit Velo-Beteiligungen seien der Kapo keine zur Kenntnis gelangt. Adrian Bachmann gibt auf Anfrage dieser Zeitung zu, dass die Interpellanten die gefährlichen Situationen nicht selbst beobachtet hätten. «Sie sind uns aber von Personen zugetragen worden, die dort wohnen, dort arbeiten oder anderweitig vor Ort unterwegs waren.» Schaden an Verkehrselementen Doch es geht den Interpellanten nicht ausschliesslich um Personenunfälle, sie weisen in ihrem Schreiben auch auf Beschädigungen an den Verkehrselementen hin. Einige der orangen Leitpfosten seien bereits beschädigt worden und hätten entfernt werden müssen. «Während des Winterdienstes dürfte die Zahl der Beschädigungen noch zunehmen», vermuten sie. Florian Schneider bestätigt, dass einige Hilfeersuchen an die Kantonspolizei gestellt worden seien, bei denen umgefahrene Markierungsposten festgestellt wurden. Diese hätten durch die aufgebotenen Patrouillen aber wieder unbeschädigt aufgestellt werden können.
Bachmann, Büsser und Gehrig weisen in ihrem Schreiben darauf hin, dass es sich bei den Leitpfosten um Elemente handle, von deren Einsatz das Bundesamt für Strassen (ASTRA) bei Velostrassen abrate. Damit beziehen sich die Interpellanten auf das «Handbuch Velobahnen» des Amtes. Unter den Empfehlungen zur Ausgestaltung einer Velostrasse führt das ASTRA auf, dass Versätze im Strassenraum vermieden werden sollen, um eine flüssige Fahrt ohne Hindernisse zu ermöglichen. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hält in ihrer Fachdokumentation «Tempo-30-Zonen» fest, dass Elemente zur Fahrbahnverengung am Fahrbahnrand wie Leitpfosten zwar die gefahrenen Geschwindigkeiten senken, jedoch als Fremdkörper wirken und somit aggressionsfördernd sein können. Derartige Elemente könnten ausserdem – falls schlecht erkennbar – nach Strassenverkehrsgesetz als Hindernisse in der Fahrbahn eingestuft werden und wären somit nicht zulässig. Wie Patrick Sieber, Projektleiter Verkehrsplanung des Departements Bau, Umwelt und Verkehr (BUV) bereits im September gegenüber dieser Zeitung betonte, gehöre die Platzierung von Horizontalversätzen zu den zentralen Bestandteilen des Konzepts. Die Elemente würden der Norm des Schweizerischen Verbands für Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) entsprechen.
Die Interpellanten stufen ihre Interpellation als dringlich ein, «um angesichts des als hoch eingeschätzten Handlungsbedarfs zu vermeiden, dass (noch mehr) Menschen und Material zu Schaden kommen.» Sie wollen nun vom Stadtrat wissen, warum von Empfehlungen des ASTRA und der Beratungsstelle für Unfallverhütung abgewichen wurde, welche Modelle aus anderen Städten geprüft wurden, wie es um die Verkehrssicherheit steht und ob Anpassungen wie das Entfernen von Leitpfosten geplant sind.
Linda Bachmann
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