Ramon Gschwend
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Die Grünaustrasse soll entlang der Klosterwiese führen. le
Die Stadt Wil und der Kanton St.Gallen stellten die Grünaustrasse als bestmögliche Variante für die Netzergänzung Ost vor. Die Verantwortlichen geben Auskunft, was zu diesem Ergebnis geführt hat.
Wil Die Stadt Wil beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Optimierung der Verkehrsführung. Das Stadtparlament gab dem Stadtrat 2018 mittels eines Postulats den Auftrag, Varianten für die Netzergänzung Ost zu prüfen – insbesondere auch eine Tunnellösung. Die Stadt und der Kanton St.Gallen haben in einer gemeinsamen Analyse verschiedene Umfahrungsvarianten verglichen. Daraus resultierte die Grünaustrasse als einzige zweckmässige Variante. «Ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis liegt deutlich im positiven Bereich und sie weist klare Vorteile gegenüber allen anderen Varianten auf», teilte die Stadt kürzlich in einem Schreiben mit.
Kritiker der Grünaustrasse, unter anderem der ehemalige Stadtparlamentarier und Kantonsrat Guido Wick, stellen die Sinnhaftigkeit und Zweckmässigkeit dieser Lösung in Frage (WN vom 4. Juni). Konkret kritisierte Wick die Grünaustrasse aufgrund des Verlusts von Grün- und Naherholungsflächen, der zusätzlichen Lärmbelastung und Trennwirkung für Quartiere sowie der mangelnden Berücksichtigung des früheren Volksentscheids gegen das Projekt. Er hält die starke Gewichtung der Kosten für problematisch. Trotz deutlich höherer Kosten ist die Tunnelvariante seiner Meinung nach die langfristig sinnvollere Lösung für die Stadt Wil.
Tatsächlich betonen sowohl der kommunale Richtplan von 2010 als auch der aktuelle STEK-Planungs-bericht, dass Wil über mehrere grosse innerstädtische Grünräume verfügt, die eine wichtige Funktion als Erholungs- und Freizeiträume für die gesamte Stadt übernehmen. Diese Gebiete – insbesondere die Klosterwiese, das Gebiet Stadtweier/Weierwise sowie das Areal der Psychiatrischen Klinik – sollen erhalten, weiterentwickelt und besser an das Fuss- und Velonetz angebunden werden. Die Projektverantwortlichen der Stadt und des Kantons geben auf Anfrage dieser Zeitung an, dass bei jedem Projekt zur Verkehrsentwicklung verschiedene öffentliche Interessen und Anliegen gegeneinander abgewogen werden müssen – darunter insbesondere Aspekte wie Erreichbarkeit, Verkehrsentlastungswirkung sowie Anliegen von Landschaft, Natur und Erholung. Dieser mehrdimensionale Anspruch sei im Rahmen der Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) aufgegriffen worden. Alle geprüften Varianten sollen möglichst optimal in das jeweilige Gelände eingebettet werden und die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigen, heisst es von den Verantwortlichen. Dabei habe jede Variante mit zusätzlicher Infrastruktur – sei es eine neue Strasse oder ein Tunnel – bezüglich dieses Projektzieles gewisse Defizite. «Sollte die Variante Grünaustrasse weiterverfolgt werden, wird konkret zu prüfen sein, wie die Auswirkungen auf die betroffenen Grünräume minimiert werden können», betonen die Verantwortlichen.
Auf die Frage, weshalb die Grünaustrasse trotz eines Neins des Wiler Stimmvolks erneut geprüft wird, heisst es von den Verantwortlichen: «2003 wurde bereits ein Projekt für die Grünaustrasse vorgelegt. Dieses wurde vom Wiler Stimmvolk abgelehnt. Seither hat sich einiges verändert, die Herausforderungen im Verkehr bestehen jedoch weiterhin: Die Entwicklung über die letzten Jahre hat gezeigt, dass Massnahmen nötig sind, um das Zentrum der Stadt Wil zu entlasten und ein zukunftsfähiges Verkehrssystem sicherzustellen. Die vertiefte Untersuchung im Rahmen der ZMB hat die Variante Grünaustrasse als zweckmässig bestätigt.»
Die Trennwirkung einer Lärmschutzwand können die Verantwortlichen noch nicht beurteilen,da noch kein konkretes Projekt vorliege. « Klar ist: Allfällige Massnahmen bezüglich Lärm müssen bestmöglich ins Landschaftsbild eingebettet werden. Auch die Fuss- und Velovernetzung rundherum muss mitgeplant werden, damit möglichst wenig Trennwirkung entsteht», betonen Stadt und Kanton.
Den Vorwurf der Kritiker, der Kanton würde mit der günstigeren Variante Grünaustrasse auf Kosten der Stadt Wil sparen, dementieren die Verantwortlichen: «Der Kanton St.Gallen spart nicht auf Kosten der Stadt Wil, vielmehr haben der Kanton St. Gallen und die Stadt Wil ein gemeinsames Interesse, nämlich ein funktionierendes Verkehrssystem.» Entsprechend sei die ZMB gemeinsam von der Stadt und vom Kanton erarbeitet worden. Wie sich die Kosten zwischen der Stadt und dem Kanton aufteilen, könne anhand der Grobkostenschätzung noch nicht bestimmt werden. Erst im Rahmen der weiteren Planungsschritte würden die Variante Grünaustrasse sowie die flankierenden Massnahmen detaillierter weiterbearbeitet und die Kosten präziser abgeschätzt.
Laut den Verantwortlichen sei grundsätzlich auch eine Tunnelvariante eine Option. Tunnelvarianten seien jedoch mit deutlich höheren Bau- und Folgekosten verbunden als oberirdische Lösungen. Die Mehrkosten im Verhältnis zum verkehrlichen Nutzen respektive die Finanzierbarkeit seien deshalb ein wesentlicher Faktor bei der Beurteilung solcher Varianten. Fest stehe aber noch keine der Varianten. Aktuell handle es sich nur um eine Zweckmässigkeitsbeurteilung, nicht um ein konkretes Projekt.
Linda Bachmann
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