Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Der vorsitzende Geschäftsführer Marvin Weber (l.) unterstützt Wirt Jürg Sennhauser ab sofort im Hintergrund. ⋌lin
Jürg Sennhauser musste die «Trinkstube zum Hartz» aufgrund eines Konkurses schliessen. Nur rund vier Wochen später öffnet das Wiler Lokal wieder seine Türen – neu als GmbH. Wer dahintersteckt und was für die Zukunft der Traditionsbeiz geplant ist.
Wil Nach dem grossen Knall im Februar war es ruhig um die «Trinkstube zum Hartz» in der Wiler Altstadt. Die Türen des Lokals blieben vom Konkursamt versiegelt. Aufmerksamen Wilerinnen und Wilern mag aber nicht entgangen sein, dass im «Hartz» seit Anfang dieser Woche wieder Licht brennt. Jürg Sennhauser bereitet die Wiedereröffnung der Beiz diesen Samstag vor – allerdings nicht allein. An seiner Seite steht Marvin Weber.
Marvin Weber arbeitet für die Pancrazius AG, die Firma seines Vaters George Weber, dem die Liegenschaft an der Marktgasse 65 gehört. «Die Nachricht über den Konkurs und die Schliessung vom ‹Hartz› hat hohe Wellen geschlagen», so der gebürtige Wiler. Auf die Berichterstattung in den Medien habe das Telefon etliche Male geklingelt. «Das Interesse am Lokal war riesig. Dass das ein super Standort ist, ist kein Geheimnis», weiss er. Trotzdem habe man sich nach sorgfältiger Abwägung aller Möglichkeiten dazu entschieden, weiterhin mit Jürg Sennhauser zusammenzuarbeiten. «Jürg kennt den Laden von allen am besten», so Marvin Weber.
Jürg Sennhauser wirtet bereits seit über 17 Jahren in der «Trinkstube zum Hartz». Er hat das Lokal an der Marktgasse 2008 vom Gastgeberpaar Magdalena und Urs Küng übernommen. Aufgrund von Rückständen bei Sozialleistungen und einer damit verbundenen verpassten Zahlungsfrist wurde am 18. Februar gegen den Wirt ein Konkursverfahren eröffnet. «Verpasst man die Frist, läuft automatisch eine Mühle. Da kommt man nicht mehr raus», weiss Sennhauser. Dies hatte direkte Konsequenzen für das «Hartz». Als Einzelfirma war zudem auch Sennhausers Privatvermögen betroffen. «Ich war von mir selber enttäuscht, dass es überhaupt so weit gekommen ist», gibt der Wirt zu. Und dabei gehe es ihm nicht nur um sich selbst, sondern auch um das Lokal.
«Die ‹Trinkstube zum Hartz› ist Wils älteste Beiz», betont Jürg Sennhauser. Tatsächlich taucht sie erstmals 1416 in den Aufzeichnungen auf. «Sie gehört zum Kulturerbe der Stadt Wil. Wenn sie fehlen würde, würde sie ein extrem grosses Loch hinterlassen», ergänzt Marvin Weber. Deshalb sei es oberste Priorität gewesen, das Lokal möglichst schnell wieder zu öffnen. Dazu gründete die Eigentümerschaft die «Trinkstube zum Hartz GmbH». George Weber fungiert als Kapitalgeber, Marvin Weber als Mitinhaber und vorsitzender Geschäftsführer. Die operative Geschäftsführung obliegt weiterhin Jürg Sennhauser. «Für die Gäste wird sich nichts ändern», betont Marvin Weber. «Meine Tätigkeiten im Hintergrund wird niemand mitbekommen.» Umbau im Oktober Jürg Sennhauser ist sichtlich erleichtert über den Ausgang der Situation. «Ich bin froh, dass mir im Hintergrund jemand hilft. Ich bin eher der Macher, das Büro ist nicht so meine Stärke», gibt er zu. «Ich bin sicher, wir können uns gut ergänzen», zeigt sich auch Marvin Weber zuversichtlich. «Auch bei zukünftigen Projekten.» Denn schon im Herbst werde es weitere Umstrukturierungen geben, verrät er. Diese sind aber nicht personeller, sondern baulicher Natur: Im Oktober wird im «Hartz» umgebaut. «Vieles hier ist über 40 Jahre alt», weiss Weber. Um die behördlichen Anforderungen, unter anderem das Lebensmittelgesetz und die Brandschutzvorschriften zu erfüllen, müsse einiges erneuert werden. Dafür werde das Lokal voraussichtlich einige Tage geschlossen, so Weber. Darüber würde aber rechtzeitig informiert.
Neben dem geplanten Umbau gibt es noch mehr Zukunftspläne: Zusätzlich zu den traditionellen Anlässen wie der Fastnacht, Weinstrasse oder Hofchilbi denkt Marvin Weber über eigene Events im «Hartz» nach. «Ich kann noch nichts Konkretes sagen, aber erste Gespräche haben bereits stattgefunden», verrät er. Auf die Frage, ob sich Jürg Sennhauser auf neue Ideen einlassen kann,
antwortet er: «Nein, da bin ich flexibel.» Weber ergänzt: «Solche Entscheidungen fällen wir gemeinsam.»
Linda Bachmann
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