Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Nach dem KaLa «punktceha» im Jahr 2012 ist es nun wieder so weit und die Pfadis aus den Kantonen St.Gallen und beider Appenzell treffen sich in Jonschwil. Lidia
Truxius und Toni Helbling sind für die Leitung des Lagers verantwortlich.
Auf einer grünen Wiese in Jonschwil entsteht im Juli ein ganzes Pfadidorf. Die Lagerleiter Lidia Truxius und Toni Helbling erzählen, wie über 2500 Teilnehmende ein Kantonslager voller Abenteuer, Gemeinschaft und Magie erleben werden.
Jonschwil Noch ist es ruhig in der Degenau. Vögel zwitschern, das Gras wiegt sich im Wind. Doch in wenigen Monaten wird hier ein ganzes Dorf stehen – ein Dorf auf Zeit, geschaffen von Pfadis für Pfadis. Lidia Truxius und Toni Helbling blicken über die Fläche, auf der bald Zelte und Wege das Bild prägen werden. «Was alles hier drauf muss, frage ich mich manchmal schon», sagt Lidia Truxius und lächelt. «Auch wenn die Wiese gross aussieht, wo soll das alles hin?» Eine Vorstellung haben beide dennoch. Ihre eigene Pfadikarriere hat sie durch zahlreiche Lager geführt. «Eine Zeltstadt sieht dann schon nochmals anders aus, wenn die Wege definiert sind und vor allem, wenn die Leute da sind», so die 31-Jährige.
Das Kantonslager findet nur alle 14 Jahre statt, ein besonderes Ereignis. Toni Helbling kennt solche Dimensionen bereits: «Ich war in zwei Bundeslagern und mehreren Kantonslagern. Aber mit Kinderaugen sieht so ein Lager natürlich anders aus als heute.» Lidia Truxius ergänzt: «Ich war Leiterin, Helferin, man sieht es immer wieder durch andere Augen.» Heute tragen die beiden die Hauptverantwortung. Ein Job, der Zeit und Engagement verlangt aber nicht in klassischen Massstäben gemessen wird. «Der Aufwand schwankt. In ereignisreichen Wochen sind es um die 20 Stunden oder mehr, in ruhigen Wochen vier Stunden», erklärt Helbling. «Aber ich zähle die Stunden nicht. Das ist nicht relevant, es ist die Freude.»
Die Organisation für das Lager in Jonschwil ist komplex: «Verhandlungen über Ertragsausfallentschädigung, Gebühren für Songrechte, Lebensmittelbeschaffung, Notfallzufahrten, die Themenbreite ist riesig», erklärt Toni Helbling. Genau das reizt seine Lagerleiterkollegin: «Diese Abwechslung kitzelt. Jeden Tag ist etwas anderes. Das ist eine tolle Herausforderung.» Rund 100 Personen arbeiten aktuell an der Umsetzung des Lagers. In verschiedenen Ressorts werden Konzepte entwickelt, Sitzungen abgehalten und Lösungen gesucht. Besonders anspruchsvoll ist der Lagerplatz selbst. «Wir sind wöchentlich daran, den Platz neu zu denken», sagt Lidia Truxius. «Wo kommen Wasserstellen hin? Was muss verschoben werden? Viele Prozesse laufen parallel.»
Das Ziel der beiden Lagerleiter ist klar: Das Lager soll vor allem ein Ort sein, der Menschen zusammenbringt. «Wir wollen, dass die Kinder in diesen zwei Wochen bei spannenden Aktivitäten wie Flusstrekking, Solar-Workshops, Spielen im Wald oder Bühnenshows unvergessliche Erlebnisse haben und dabei neue Freundschaften fürs Leben knüpfen», erklärt der 32-jährige Lagerleiter. Lidia Truxius ergänzt: «Auch für Helfende ist es eine besondere Zeit – man trifft alte Bekannte wieder oder lernt neue Menschen kennen.» Eingebettet ist das Ganze ins Motto «Tatzä», das als Rahmen dient und die Aktivitäten in eine magische Welt voller Abenteuer und Geschichten kleidet. «Dass die Pfadi so funktioniert, wie sie funktioniert, liegt daran, dass man so viele positive Erfahrungen macht», sagt Lidia Truxius. «Hätten wir die nicht gemacht, würden wir heute nicht hier stehen.»
Auch Sicherheit wird beim Kantonslager in Josnchwil diesen Sommer grossgeschrieben. «Das ist zweidimensional organisiert», erklärt Toni Helbling beim Gespräch vor Ort. «Jede Abteilung bringt ein eigenes Sicherheitskonzept mit. Zusätzlich gibt es ein übergeordnetes Ressort für Sanität und Sicherheit.» Fachpersonen wie Polizisten, Feuerwehrleute und Ärzte sind eingebunden. «Und wir haben einen Krisenstab für den Notfall. Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor.» Finanziert wird das Lager selbst durch Lagerbeiträge sowie durch Sponsoring und Stiftungen. «Viele sind begeistert von der Idee und unterstützen uns mit offenen Armen», weiss Toni Helbling.
Für die beiden Lagerleiter überwiegt trotz der vielen Arbeit die auf dem Tisch liegt die Vorfreude auf die Tage im Sommer. «Ich freue mich besonders auf meine Rolle und darauf, das Lager mit dem Team zu erleben, mit dem wir seit zwei Jahren daran arbeiten», sagt Lidia Truxius. Ihr Lagerleiterkollege ergänzt mit einem persönlichen Bild: «Am Morgen früh im Camp in Ruhe einen Kaffee trinken und dann zu sehen, wie die Kinder kommen und den Platz einnehmen. Ein Dorf entstehen zu lassen, das ist einmalig.» Auch die Bevölkerung ist eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. «Grundsätzlich ist unser Lager offen für direkte Anwohnende. Wer eintauchen möchte, kann Teil davon werden, indem man sich als Helfende anmeldet. So erlebt man das Lager hautnah», sagt Truxius. Dann wird aus der stillen Wiese tatsächlich ein Dorf. Ein Ort voller Leben, Begegnungen und unvergesslicher Momente.
Von Lui Eigenmann
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