Sophie Ullmann
stellt den Verein «impul-z» im WN-Vereins-Domino vor.
Christian Naefs Onkel, Reto Osterwalder, hat 1980 das Lokalfernsehen Wil gegründet. Schon als Kind hat sich der Präsident der Altstadtvereinigung deshalb für die Medienwelt interessiert. Mit dem Podcast kommt er seinem Kindheitstraum näher.
Er ist Gründer eines Start-ups und Präsident der Altstadtvereinigung – nun hat Christian Naef ein neues Projekt gestartet: Den Videopodcast «trotz-dem». Der Wiler verrät im Interview woher seine Idee kommt und was er damit bewirken will.
Wil Christian Naef, worum geht es bei Ihrem neuesten Projekt?
Gerade im Start-up-Bereich kommen oft Leute mit guten Ideen auf mich zu, die sie schlussendlich doch nicht umsetzen. Die Gründe dafür sind meist innere Zweifel und das Risiko, zu versagen. Dasselbe gilt auch in der Politik oder selbst beim Ausprobieren eines neuen Hobbys. Ich selbst habe immer wieder neue Dinge ausprobiert. Die Leute brauchen etwas mehr Mut. Einfach mal etwas ausprobieren – ohne darauf zu achten, was andere denken könnten. Mit dem Videopodcast will ich Menschen motivieren, mutiger zu sein und ihre Ideen, egal ob beruflich oder privat, umzusetzen. Trotz-dem halt.
Würden Sie sich selbst als mutigen Menschen bezeichnen?
Was Dinge ausprobieren angeht, bestimmt. Nach meiner Banklehre bin ich nach La Chaux-de-Fonds gegangen und habe als Nebenprojekt eine Uhrenmarke gestartet. In der Zeit darauf war ich einen Monat lang in Florenz, um zu lernen, wie man Ledertaschen herstellt. Die Leute haben immer gesagt: «Der weiss einfach nicht, was er will». Ich habe jedoch immer das getan, was mir Spass machte – natürlich mit der Chance, dass ich auch mal scheitere.
Woran sind Sie bisher gescheitert?
Mit dem Know-how aus Florenz wollte ich in der Wiler Altstadt einen Laden mit Ledertaschen aufmachen. Nach ein paar handgemachten Taschen musste ich mir selbst eingestehen, dass ich die Taschen nicht gerechtfertigt zu dem Preis verkaufen könnte, den ich für den Aufwand und das Material aufrufen müsste. Grundsätzlich sehe ich jedoch nichts als Scheitern an, für mich ist alles ein Lernprozess.
Warum?
Ich bin stolzer Schweizer, aber in unserer Fehlerkultur müssen wir noch viel lernen. Scheitern wird viel zu negativ betrachtet, dabei kann man aus Fehlern nur lernen. Vielleicht ist es ein Luxusproblem: Wir leben in einem sicheren System. Wir haben es nicht nötig, Risiken einzugehen. Und wenn wir sie eingehen, haben wir oft mehr zu verlieren als zu gewinnen. Wenn ich alt bin, will ich jedoch sagen können: «Ich habe es probiert, es hat zwar nicht funktioniert, aber ich habe daraus gelernt.» Und nicht: «Was wäre, wenn ich es doch probiert hätte?»
Welcher ist bisher Ihr grösster Erfolg?
Wenn es darum geht, was ich mit meiner Leistung erreicht habe, dann die beiden TEDx-Talks, die ich bereits halten durfte. Zu einem TEDx Talk wird man eingeladen, wenn man etwas erreicht oder etwas geschaffen hat. Deshalb sehe ich das als Erfolg an. Aber auch der Moment, als Julia und ich als Prinzenpaar an der Fastnacht die Stadt repräsentieren durften, war unglaublich.
Weshalb haben Sie sich für das Format Videopodcast entschieden?
Die Videoaufnahme im Studio bedingt, dass die Interviewpartner physisch vor Ort sind. In einem persönlichen Gespräch kann man Menschen besser spüren, die Mimik und die Körpersprache sagen sehr viel aus. Mein Ziel ist es, dass die Leute die Kameras vergessen und es sich mehr wie ein Gespräch unter Freunden anfühlt. Die Interviews sollen keine heile LinkedIn-Welt darstellen, sondern es sollen auch Zweifel und Ängste angesprochen werden.
Ihre ersten Gäste sind die fünf Kandidaten für die Wiler Ersatzwahlen. Beisst sich diese Auswahl nicht mit dem Ziel des Podcasts? Im Wahlkampf spricht man eher von Zielen und Erfolgen statt über Ängste, Zweifel und Scheitern...
Ich muss zugeben, dass ich bis jetzt keine Erfahrung habe, Interviews zu führen. Die Herausforderung für mich war es, genügend provokative Fragen zu stellen, so dass sie etwas aus sich rauskommen. Ich wollte aber auch niemanden blossstellen oder parteiisch sein. Für das erste Mal, ist mir das glaube ich ganz gut gelungen. Alle Kandidaten haben auch über kleine Schwächen und Ängste gesprochen.
Wo werden Sie am 14. Juni Ihre Kreuze setzen?
Das verrate ich nicht. Mein Fazit – auch aus den Interviews – ist aber, dass man jeden Kandidaten mit gutem Gewissen wählen kann. Eine interessante Kombination wäre Sarbach und Reimann im Stadtrat, das ist zum aktuellen Zeitpunkt aber leider nicht möglich.
Warum steht Ihr Name nicht auf der Kandidatenliste? Können Sie sich einen Weg in der Politik vorstellen?
Darauf haben mich tatsächlich bereits mehrere Leute angesprochen. Ich kann es nicht ausschliessen. Die Stadt Wil ist – neben Julia natürlich – meine grösste Liebe. Aktuell habe ich noch andere Projekte auf dem Tisch. Unter meinen Freunden sage ich aber schon lange: «Irgendwann werde ich Stadtpräsident von Wil.»
Welche Rückmeldungen haben Sie bisher zum Podcast erhalten?
Die Kandidaten haben alle sofort für das Interview zugesagt. Auch aus der Bevölkerung habe ich bisher nur positives Feedback erhalten – die Negativen melden sich vielleicht aber auch einfach nicht. Obwohl man aus den negativen lernen würde.
Weg von der Politik – in welche Richtung soll sich der Podcast entwickeln? Welche Interviewpartner werden zukünftig in dem Format zu Gast sein?
Auf meiner Liste stehen aktuell bekannte Persönlichkeiten aus Wil. Der neue Botschafter Maurice Weber und Marco Hämmerli haben beispielsweise bereits zugesagt. Zudem würde ich gerne ein Gespräch mit Fabian Schär, Hausi Leutenegger und natürlich Karin Keller-Sutter führen. Etwas weitergedacht, könnte ich mir Leute aus der Start-up-Szene vorstellen, aber auch andere Unternehmer, Künstler oder allgemein Freigeister. Es ist noch keine klare Strategie oder Plan da. Wenn Ich Leute mit dem Podcast dazu inspirieren kann, die Bedenken die sie zurückhalten bei Seite zu legen und eine Idee, die sie schon lange haben, trotz all den Zweifeln anzupacken, dann habe ich mein Ziel erreicht.
Linda Bachmann
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