Roger Edelmann
hat im Rahmen der Aktionstage gegen Gewalt an Frauen drei Sitzbänke umgestaltet.
Betty Njie lebt, seit sie 16 Jahre alt ist, in der Schweiz und wohnt seit drei Jahren in Wil.
Betty Njie möchte die Gesundheitsversorgung in ihrem Heimatland Gambia unterstützen. Die 31-jährige Wilerin sammelt Spenden für die Verschiffung eines Containers voller medizinischer Ressourcen.
Wil/Banjul Mit 16 Jahren kam Betty Njie in die Schweiz. Sie reiste ihrer Mutter nach, die bereits zwölf Jahre zuvor aus Banjul, einer Stadt im westafrikanischen Gambia, nach Zürich kam. Heute, 15 Jahre später, wohnt die gelernte Fachfrau Gesundheit mit ihrer Familie in der Äbtestadt. In den Ferien kehrt Njie jedes Jahr an ihren Heimatort zurück, um ihre Verwandten zu besuchen. Doch diese Besuche sind nicht nur mit Wiedersehensfreude verbunden: «Das Land ist in vielen Aspekten schlecht organisiert», weiss die 31-Jährige. Dies betreffe unter anderem die Gesundheitsversorgung. Mit einer Spende möchte sie deshalb nun Unterstützung bieten.
«Bei einem meiner Besuche in Banjul hat mir ein Mann im Taxi von seiner schwangeren Frau erzählt: Sie sei trotz Schmerzen vom Spital nach Hause geschickt worden, weil die benötigten Medikamente nicht verfügbar waren», erzählt Betty Njie. «Ich kannte die Situation ja bereits aus den Erzählungen meiner Verwandten. Aber dieses Erlebnis hat mir nochmal den Ernst der Situation aufgezeigt.» Medizinische Fachpersonen seien zwar vorhanden, vor allem in den öffentlichen Spitälern mangele es jedoch stark an medizinischen Ressourcen. Das hat die 31-Jährige auch am eigenen Leib erfahren.
«Erst kürzlich musste ich in Gambia ins Spital, weil ich krank war. Bei der Blutabnahme wurde nur eine Lanzette ohne Stechhilfe verwendet», erinnert sich Njie. Die Stechhilfe ist das Gerät, welches die Lanzette aufnimmt und automatisch auslöst. Es sorgt dafür, dass die Blutentnahme sicher, gleichmässig und möglichst schmerzarm passiert. «Das ist natürlich nicht so schlimm – der Piks hat einfach mehr wehgetan –, aber es ist sinnbildlich für die Situation in den Spitälern.» Manchmal seien es kleine Dinge, die fehlen und so eine fachgerechte Behandlung verunmöglichen würden. «Durch meine Arbeit in der Schweiz weiss ich, dass es anders sein kann», betont Betty Njie. Deshalb habe sie nun beschlossen, selbst zu handeln.
Die Fachfrau Gesundheit hat mit verschiedenen Gesundheitseinrichtungen Kontakt aufgenommen und diese um eine Spende von überflüssigen oder ausrangierten Materialien gebeten. Bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Klinik Lindenegg in Zürich, war ihre Anfrage erfolgreich. Das Unternehmen muss aufgrund eines Firmenkonkurses schliessen und hat einen Teil seines Interieurs an Betty Njie abgegeben: Spitalbetten, Matratzen, Sauerstoff- und Inhalationsgeräte, Injektionsmaterial, Schutz- und Hygienemittel, einen Medikamentenkühlschrank, Rollstühle sowie grundlegende Möbel und Reinigungsartikel. Für den Transport des Materials nach Westafrika, hat die 31-Jährige auf der Plattform «gofundme» eine Spendenaktion gestartet.
Aktuell lagere das Material im aargauischen Seon. «Die Kosten von 330 Franken im Monat für die Lagerung übernehme ich selbst. Für den Transport per Schiff, kann ich allerdings nicht alleine aufkommen», sagt Betty Njie. Die Verschiffung des knapp 68 Kubikmeter grossen Containers nach Banjul koste 5000 Franken – wenn er voll beladen sei. Momentan habe es allerdings noch Platz. Diesen möchte die 31-Jährige nach Möglichkeit mit Fahrzeugen füllen. «Viele Leute haben kein eigenes Auto, weshalb die öffentlichen Verkehrsmittel zu Stosszeiten immer überfüllt sind. Es kommt vor, dass Kinder nicht zur Schule können, weil sie keinen Platz mehr im Bus haben.» Hier stehe sie aktuell im Austausch mit verschiedenen Unternehmen, die für eine Spende in Frage kommen würden.
Und dabei soll es nicht bleiben: «Ich möchte dazu beitragen, dass die Jugendlichen Europa nicht als einzige Möglichkeit für ein besseres Zukunft sehen. Viele von ihnen riskieren auf der Flucht ihr Leben und sterben dabei», so Betty Njie. Dafür möchte die 31-Jährige weitere Spendenprojekte ins Leben rufen und vor allem vor Ort helfen. «Mein Ziel ist es, mit den Jugendlichen zu arbeiten und bessere Wege zu finden, ein gerechteres Bildungssystem und effektive Berufsausbildungsprogramme zur Verfügung zu stellen.»
Von Linda Bachmann
Eine Verlinkung zu der «gofundme» Spendenaktion wäre wünschenswert und praktisch :-)
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