Ramon Gschwend
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Die Stadt Wil entwickelt den Stadtraum um den Bahnhof gemeinsam mit privaten Grundeigentümern weiter. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Südseite des Bahnhofs, dort entsteht der «Place Royal».
Wil Die Stadt Wil wächst: Heute sind es 25'000 Einwohnende, im Jahr 2039 sollen es bis zu 30’000 sein. Mit der Ortsplanungsrevision (OR) soll das Wachstum der Stadt gezielt gesteuert werden. Ein wichtiger Teil davon ist die Entwicklung des Bahnhofareals. Dabei geht es nicht nur um die Neugestaltung des Bahnhofplatzes, über dessen Kredit von 64 Millionen Franken das Wiler Stimmvolk am 29. November abstimmt. Rund um den Bahnhof sollen 300 Wohnungen und dieselbe Fläche fürs Gewerbe entstehen.
Die Verantwortlichen der Stadt Wil informierten vergangene Woche über den Masterplan für den Wiler Bahnhof. Dabei ist die Stadt zwar die Bauherrin, trägt aber nicht die alleinige Verantwortung für die Pläne für den besagten Stadtraum – zum Entwicklungsraum gehören auch Perimeter von Migros, SBB, Post und Helbling sowie weiteren Privateigentümern. «Es geht um 200 bis 300 Millionen Franken, die private Eigentümer aufbringen wollen», verriet der externe Verfahrensbegleiter Marcel Muri. Für die Areale der Privatinvestoren laufen bereits Pilotplanungen. Aufgrund dieser konkreten Entwicklungsabsichten der Grundeigentümer wird die Entwicklung des Bahnhofgebiets vorgezogen. Statt einzelne Projekte unabhängig voneinander voranzutreiben, will die Stadt diese aufeinander abstimmen. «Wir wollen den Stadtraum um den Bahnhof nicht Grundstück für Grundstück, sondern als gemeinsames Ganzes entwickeln», betonte Stadtpräsident Andreas Breitenmoser. «Wir wollen über die Grenzen der einzelnen Baufelder hinausdenken und nicht einfach höher und mehr bauen», ergänzt Manuel Nick, Stadtrat und Departementsvorsteher Bau, Umwelt und Verkehr (BUV). Das Bahnhofsgebiet ist im Stadtentwicklungskonzept als Schwerpunktzone festgelegt. Dadurch kann die Stadt die Entwicklung des Gebiets gezielt vorantreiben und die dafür notwendigen planungsrechtlichen Instrumente parallel zur Ortsplanungsrevision erarbeiten.
Die Investoren haben sich verpflichtet, drei verschiedene Projekte auszuarbeiten. Der Masterplan der Stadt gibt dabei die Rahmenbedingungen, wie Höhe und Volumen der Objekte, vor. «Bis jetzt halten sich alle Beteiligten an die Vorgaben», so der Verfahrensbegleiter Marcel Muri. Ein unabhängiges fachliches Gremium überprüft die Projekte und kann sie bei starken Abweichungen zurückweisen. Die ersten Projektvorschläge werden gemäss Muri im Februar vorliegen. Die Erkenntnisse daraus würden wiederum in die Gesamtplanung einfliessen. Die Kosten der Pilotplanungen werden von den jeweiligen privaten Entwicklern getragen.
Neben den Projekten der Privateigentümer und der Entwicklung des SBB-Areals liegt ein weiteres Hauptaugenmerk auf der Südseite des Bahnhofs: Mit dem geplanten «Place Royal» zwischen dem Post- und dem Helbling-Areal soll südlich der Gleise ein Aufenthaltsraum und ein neuer Zugang zum Bahnhof entstehen. So soll unter anderem die Trennung der beiden Stadtteile Nord und Süd aufgeweicht werden, erklärt Manuel Nick. Grundlage für die Planung ist das neue Stadtentwicklungskonzept (STEK). Darin wird der Bahnhof als eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete der Stadt bezeichnet. Auch im bisherigen Ortsplanungsprozess wurde eine Entwicklung des Gebiets mit höherer baulicher Dichte grundsätzlich unterstützt. Die zentrale Lage und die gute Erschliessung des Bahnhofs sollen dabei genutzt werden.
Aktuell gibt es laut dem Departementsvorsteher des BUV allerdings noch keine bewilligten Projekte. Dafür müssen zunächst die entsprechenden planungsrechtlichen Instrumente erarbeitet werden. Vorgesehen sind unter anderem eine Schwerpunktzone sowie Rahmen- und Sondernutzungspläne. Diese durchlaufen anschliessend die gesetzlich vorgesehenen Verfahren. Auch die Bevölkerung soll noch einmal zu Wort kommen. Im ersten Quartal 2027 will die Stadt die Ergebnisse der Masterplanung und der Pilotplanungen öffentlich vorstellen. Gleichzeitig ist eine Mitwirkung vorgesehen. Danach sollen die Unterlagen dem Kanton St.Gallen zur Vorprüfung und anschliessend dem Parlament zur Diskussion übergeben. Ohne Einsprachen können frühestens 2030 bis 2032 die ersten Bagger auffahren, so Marcel Muri.
Der nächste Stichpunkt in der Agenda ist allerdings der 29. November. Da findet die Volksabstimmung für den 64-Millionen-Franken-Kredit für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes und der Allee statt. Deren Ausgang ist für die weitere Entwicklung des Bahnhofgebiets relevant, wie Manuel Nick betont: Ein Ja zum Bahnhofplatz würde den Investoren ein positives Signal geben und damit Vertrauen in den Standort Wil schaffen. Ein Nein würde die Entwicklung nicht grundsätzlich stoppen, könne aber dazu führen, dass einzelne Bereiche des Masterplans angepasst oder ausgeklammert werden müssten.
Linda Bachmann
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