Cornelia Scheiwiller
stellt das Konzertprogramm 2026 im Kloster Fischingen vor.
Im Hof zu Wil wird bereits seit zwei Jahren gesägt, geschraubt, gegipst und gepinselt – doch welche Arbeiten werden auf der Baustelle im Wahrzeichen der Äbtestadt tatsächlich durchgeführt? Und welche Handwerksspezialisten stecken dahinter?
Hof zu Wil Die fein säuberlich aufgestapelten Bretter im Stuhlzimmer sind von der Zeit gezeichnet: Die vielen Risse, Kratzer, Verfärbungen und Wurmlöcher erzählen die Geschichte vergangener Zeiten. «Die Bodenbretter sind zwischen 150 und 200 Jahre alt», schätzt Ivan Gschwend, Zimmermann und Inhaber der Gschwend Holzbau AG. «Und sind noch genügend robust, um weitere Generationen zu überdauern.» Die Holzbretter stammen aus der Hofkapelle des Wiler Wahrzeichens. Dort hat sie der Zimmermann mit seinem Team zu Beginn der dritten Bauetappe ausgebaut. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Bretter auch dort wieder einzubauen, erklärt er. Da aber nur ein Viertel der ausgebauten Bodenbretter für eine erneute Anwendung in ausreichender Verfassung sei, habe man sich für das deutlich kleinere Stuhlzimmer im zweiten Obergeschoss des Hof zu Wil entschieden. «Wir mussten umdisponieren, aber das ist auf dieser Baustelle keine Seltenheit. Alltäglich ist hier fast nichts», so Gschwend – begonnen bei der Form der Bodenbretter.
Ivan Gschwend klappt den Zimmermannsmeter aus. 51 Zentimeter misst er an der oberen Kante des Holzbretts und 40 Zentimeter an der unteren. «Die Bretter sind konisch: Unten breiter, oben dünner – dieselbe Form, die der Baum ursprünglich hatte», erklärt er. Früher sei das Baumaterial im Vergleich zur Arbeit teurer gewesen als heute, weshalb man möglichst nichts davon habe verschwenden wollen. Heute bedeutet das für die Handwerker mehr Arbeit: «Wir müssen jede Kante einzeln von Hand bearbeiten, da die Maschine nur parallele Holzstücke verarbeiten kann», so Gschwend. So muss er mit seinem Team Brett für Brett genauestens aufeinander anpassen.
Präzision ist auch bei dem Aufbereiten der Parkettböden gefragt. Damit in den Räumlichkeiten die Strom- und Wasseranschlüsse verlegt und Heizungen eingebaut werden konnten, entfernten die Zimmerleute die Sichtböden. Im Zimmer Kunz handelte es sich dabei um Tafelparkett. Um ihn danach wieder richtig einsetzen zu können, haben die Handwerker jede einzelne Platte beschriftet. «Das Einbauen war wie ein überdimensionales Puzzle», vergleicht Gschwend. Eine Wasserwaage oder ein Nivelliergerät nutze er dabei kaum. Die wichtigsten Werkzeuge seien Kreativität und
Augenmass – und eine gehörige Portion Muskelkraft. Davon hat der Zimmermann auch bei der Herstellung der Verkleidung einer Holzsäule im «Blauen Zimmer» einige gebraucht. Diese hat er nämlich aus dem Stamm einer einzelnen Weisstanne komplett von Hand gescheitet. Beim genauen Hinschauen sind die Spuren des Beils noch zu erkennen: Einkerbungen, die durch etwas zu tiefe Schläge verursacht wurden. «Klar sieht man das», entgegnet Gschwend. «Das soll man auch. Es war eine tolle Arbeit – so etwas macht man nur einmal im Leben.» Und das, obwohl er bereits auf jahrelange Erfahrung im Bereich Umbau und Sanierung von Altbauten zurückschauen kann – auch im Wahrzeichen Wils.
«Ich weiss nicht, das wievielte Mal ich bereits im Hof zu Wil arbeite», gibt Ivan Gschwend zu. Doch an das erste Mal erinnere er sich genau: Es war 1987, noch in der Schnupperlehre zum Zimmermann. Damals wurde der Zwiebelturm erbaut und ein Jahr später das Dach saniert. Neben Gschwend waren im Wahrzeichen der Äbtestadt in der Vergangenheit bereits hunderte Handwerker tätig. Von dem einen oder anderen finden die Zimmerleute noch heute Spuren: Namen mit Jahreszahlen oder alte Zeitungsausschnitte. Auch Ivan Gschwend und sein Team haben es sich nicht nehmen lassen, sich und ihr Handwerk im Wahrzeichen der Äbtestadt zu verewigen. «In den Hohlräumen in Wänden und Böden haben wir Nachrichten versteckt», verrät er. «Das aktuelle Weltgeschehen auf Holzstücken niedergeschrieben, damit die Menschen im nächsten Jahrhundert erfahren, was damals so abging.»
Einmal im Monat rücken die WN bestimmte Handwerksarbeiten im Hof zu Wil in den Fokus. In der nächsten Folge geben Marc Schnetzer und Roman Egli Auskunft über die Herausforderungen bei Gips- und Stukkaturarbeiten.
Linda Bachmann
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