Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Lange Zeit hat sich Stephanie Bochsler in ihrem eigenen Körper nicht wohlgefühlt – nun hat die Wilerin ihr Lächeln zurück.
Nach einer Magenbypass-Operation hat Stephanie Bochsler 62 Kilogramm abgenommen. Trotz eines nun gesunden Körpergewichts fühlte sie sich nicht wohl in ihrer Haut. Die 34-jährige Wilerin erzählt, welche Auswirkungen einer Abnahme viele nicht bedenken.
Wil Stephanie Bochsler setzt ein strahelndes Lächeln auf und posiert vor der Kamera. Nach wenigen «Schüssen» ist die 34-Jährige zufrieden, das Foto ist im Kasten. Doch so selbstbewusst war sie nicht immer. Bevor sich Stephanie Bochsler vor drei Jahren für eine Magenbypass-Operation entschieden hatte, war sie über 60 Kilo schwerer. Aus gesundheitlichen Gründen liess die Wilerin den operativen Eingriff zur Gewichtsreduktion durchführen – mit Erfolg: Die Kilos purzelten, bis die Waage schliesslich ganze 62 Kilogramm weniger anzeigte. «Mir ging es gesundheitlich viel besser, die Leberwerte waren wieder top», erinnert sich Bochsler. Doch trotz des Erfolgs: Zufrieden war sie nicht. «Ich war nicht glücklich mit meinem Spiegelbild. Ich ekelte mich vor mir selbst.»
Das Bindegewebe der 34-Jährigen trug Spuren der schnellen und starken Gewichtsabnahme davon: Es bildete sich hängende Haut. Anfangs versuchte sie, diese mit Sport etwas zu straffen. Doch bei einer Abnahme in diesem Ausmass konnte die Wilerin auch mit viel Disziplin keine merklichen Unterschiede bewirken. «Ich fühlte mich noch unwohler als vor der Abnahme», erinnert sich Stephanie Bochsler. «Da fand ich es schöner, wenn die Haut noch ausgefüllt war.» Nicht, dass sie sich davor immer wohl gefühlt hätte, gibt sie zu. «Die Blicke in der Badi habe ich schon gespürt. Es wäre gelogen, zu sagen, dass mir das nichts ausgemacht hat.»
Der Leidensdruck war so gross, dass sich die Wilerin erneut unters Messer legte: Nach einer Bauch- und Bruststraffung fühlte sie sich endlich wohler in ihrer Haut. «Ich glaube, viele Leute bedenken nicht, was kommt, wenn man das Zielgewicht erreicht hat», so Bochsler. «Auch ich habe mir darüber am Anfang meiner Abnahme keine Gedanken gemacht.» Glücklicherweise habe die 34-Jährige über ausreichend finanzielle Mittel für den ästhetischen Eingriff zu Verfügung gehabt. Die Krankenkasse übernehme solche Operationen nur, wenn durch die überschüssige Haut nachweisbar ein schweres psychisches Leiden entstehe. Dies bestand bei Stephanie Bochsler nicht, weshalb sie die Kosten von 21’000 Franken selber trug. «Das war es mir wert. Ich möchte nicht wissen, wie es mir heute ohne diese Operation gehen würde», betont sie. Tatsächlich hat ihr der Eingriff viel Lebensqualität zurückgegeben. «Meine Freunde haben mich auch mit 140 Kilogramm akzeptiert. Damals habe ich mich aber aus vielen Aktivitäten selbst rausgenommen. Heute nehme ich viel mehr am Leben teil.» Ihre langjährige Partnerschaft sei aufgrund ihrer Abnahme allerdings in die Brüche gegangen. «Ich habe mich sehr verändert – nicht nur optisch, sondern der gesamte Lifestyle. Nach einer zehnjährigen Beziehung fing ich mit 33 nochmal von Null an.»
Knapp zwei Jahre später weiss Stephanie Bochsler: Es war alles richtig so. Mittlerweile ist die 34-Jährige in einer neuen Beziehung, verlobt und im vierten Monat schwanger. «Ich freue mich unglaublich», strahlt sie. Doch mit der Schwangerschaft kommen auch neue Herausforderungen auf sie zu – gerade mit ihrer Vergangenheit mit Übergewicht. «Letzten Sommer fühlte ich mich das erste Mal so richtig wohl im Bikini. Nun wird sich mein Körper wieder stark verändern», so die Wilerin. Obwohl sie wisse, dass ein paar Schwangerschaftskilos völlig normal sind, macht sie sich Druck. «Ich habe Angst, wieder 30 Kilo zuzunehmen, weil ich weiss, wie viel Disziplin es bei einer Abnahme – trotz Magenbypass – bedarf.» Zwar kann die 34-Jährige keine grossen Portionen mehr essen – von einer Pizza schafft sie etwa die Hälfte – aber Snacks zwischendurch zahlen nicht auf das Völlegefühl ein.
Ihre Gedanken und ihren Weg teilt Stephanie Bochsler seit einigen Jahren mit knapp 19’700 Followern auf Instagram. Auf ihrem Profil «Cherryladyh» setzt sie sich für Body Positivitiy – also die Akzeptanz von verschiedenen Körperformen ein. Trotz der Magenbypass-Operation habe sie keine Follower verloren, so die Wilerin. «Mir gefallen kurvige Körper und ich setzte mich weiterhin dafür ein», betont sie. «Solange die Gesundheit nicht darunter leidet, muss nicht jede Grösse 36 tragen. Das Argument, sich auch mit 140 Kilo wohlzufühlen, kann ich allerdings nicht verstehen, wenn die Organe offensichtlich darunter leiden.» Bochsler möchte mit ihrem Weg eine Vorbildfunktion einnehmen – für ihre Follower, aber auch für ihr Kind. Ihr sei es besonders wichtig, ihm ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper, zum Essen und zu Bewegung zu vermitteln. «Wenn man den Willen hat, kann man alles erreichen», betont sie. Und: «Perfekt ist niemand, es ist nur wichtig, dass man das akzeptieren kann.»
Linda Bachmann
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