Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Jäger Ivan Gschwend erklärt, welche Gefahr von Hunden für die Wildtiere in den Schweizer Wäldern ausgehen. lin
Im Wald und am Waldrand gilt für Hunde im Kanton Thurgau vom 1. April bis am 31. Juli eine Leinenpflicht. Im Kanton St.Gallen gibt es keine solche Regelung. Ivan Gschwend, Pächter des Jagdreviers Zuzwil-Wil erklärt, weshalb die Leine für einige Waldtiere überlebenswichtig sein kann.
Zuzwil/Region Wer in den kommenden Monaten im Thurgauer Wald oder am Waldrand spazieren geht, der sollte nicht auf freilaufende Hunde treffen. In diesen Zonen gilt zwischen Anfang April und Ende Juli nämlich eine Leinenpflicht. Die entsprechende Verordnung wurde vom Regierungsrat verabschiedet und ist per 1. Mai 2023 in Kraft getreten. Im Kanton St.Gallen müssen Hunde an bestimmten
öffentlichen Orten an der Leine geführt werden. Die Gebiete im und um den Wald sind nicht konkret im kantonalen Hundegesetz vermerkt. Ivan Gschwend, Pächter des Jagdreviers Zuzwil-Wil würde eine ähnliche Regelung wie im Thurgau begrüssen. Es gehe ihm bei diesem Anliegen um die sogenannte Brut- und Setzzeit: «Im Frühling ziehen viele Waldtiere ihre Jungen auf. Die Hunde stören diese Zeit. Nicht selten werden Rehkitze von freilaufenden Hunden gerissen», weiss der Zuzwiler. Der Grund dafür sei die genetische Veranlagung der beliebten Haustiere.
«Hunde haben einen natürlichen Jagdinstinkt», so Ivan Gschwend. Dieser sei je nach Rasse und Erziehung unterschiedlich stark ausgeprägt. Gerade für Jungtiere könne das Naturell der Hunde zur Gefahr werden. «Der Nachwuchs von Hasen, Füchsen, Rehen und diversen anderen Säugetieren sowie verschiedenen Bodenbrütern ist leichte Beute für einen Hund», sagt der Jäger. «Trifft er zum Beispiel auf ein Rehkitz, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er es tötet, denn ein Kitz flieht nicht.» Dabei stelle bereits ein kleiner Hund eine Gefahr dar – ein neugeborenes Rehkitz wiege gerade mal zwischen 500 Gramm und 1,5 Kilogramm.
«Ich verstehe, dass ein Hund Auslauf braucht und auch einmal frei über eine Wiese rennen will», sagt Gschwend. Gerade in den Frühlingsmonaten diene die Leine im Wald und am Waldrand allerdings nicht nur dem Schutz der Wildtiere – es sei auch sicherer für die Hunde selbst. Ein Grossteil der Wildtiere flieht gemäss dem Pächter des Jagdreviers Zuzwil-Wil bei einer Bedrohung. «Wildschweine mit Jungtieren reagieren oft aggressiv und verteidigen ihre Frischlinge. Kommt da ein Hund dazwischen, hat er schlechte Karten», weiss der Zuzwiler. Viele Hundebesitzer seien aber sehr vernünftig und würden sich der Situation angemessen verhalten.
«Viele Leute erkennen mein Auto. Wo ich unterwegs bin, treffe ich deshalb meistens nur auf angeleinte Hunde», so Ivan Gschwend. Zu Zwischenfällen komme es glücklicherweise nur selten. Einer davon ereignete sich vor einiger Zeit auf einer Wiese am Waldrand im Thuraugebiet. «Ein Spaziergänger meldete einen freilaufenden Hund, der einer Gruppe von Rehen hinterher hetzte. Es habe sich zwar um ausgewachsene Tiere gehandelt, aber auch für diese sei eine solche Begegnung sehr schädlich, erklärt der Jäger. Rehe hätten ein geringes Herz- und Lungenvolumen und seien deshalb keine Langdistanzenläufer. «Sie verstecken sich normalerweise und bewegen sich nur, wenn sie müssen. Der Hund hätte die Rehe vermutlich nicht gerissen, die Flucht und der Stress haben den Tieren aber viel Energie abverlangt. Im schlimmsten Fall kann ein Hund Wildtiere so zu Tode hetzen», weiss Gschwend.
Die Hundehalterin von besagtem Vorfall sei der Polizei zuvor noch unbekannt gewesen, so der Zuzwiler Jagdhüter. Sie habe deshalb nur eine Verwarnung erhalten. «Solche Vorfälle können Hundebesitzern allerdings teuer zu stehen kommen», betont er. Wenn ein Hund ein Reh reisst, sei das in der Schweiz kein Kavaliersdelikt, sondern ein grober Verstoss gegen das Tierschutzgesetz. Dieser könne die verantwortliche Person mehrere hundert Franken kosten und eine Anzeige zur Folge haben.
Linda Bachmann
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