Sophie Ullmann
stellt den Verein «impul-z» im WN-Vereins-Domino vor.
Damian Gahlinger weist darauf hin, dass der Lastwagen aufgrund der Hindernisse einen Teil der Strassenmitte befahren muss.
Auf der Zuckenrieterstrasse in Zuzwil sorgen neue Verkehrsmassnahmen für hitzige Diskussionen. Kantonsrat Damian Gahlinger postete ein Bild – die Reaktionen im Netz sind heftig.
Zuzwil Auf der Zuckenrieterstrasse in Zuzwil herrscht an diesem Morgen reger Verkehr. Lastwagen und Autos sind unterwegs, während Radfahrer zwischen den neu installierten Pollern hindurchfahren, die das Strassenbild seit einigen Wochen verändern. Die neuen Verkehrsmassnahmen werden in der Bevölkerung unterschiedlich aufgenommen und online intensiv diskutiert.
Kantonsrat Damian Gahlinger, eigentlich Gemeinderat in Nieder-
helfenschwil, veröffentlichte ein Bild der Schikanen auf Facebook, versehen mit einem kurzen Kommentar. Das Bild verbreitete sich rasant und löste über 500 Reaktionen aus. «Stumpfsinnig», «Für solchen Blödsinn hat man Geld zur Verfügung», «Da sind Unfälle vorprogrammiert» – die Kommentare sind teils harsch und spiegeln viel Unverständnis in der Bevölkerung wider. Damian Gahlinger erklärt, warum er den Post überhaupt gemacht hat: «Ich fahre hier oft durch, und was mich wirklich bewegt, ist die Gefahr für die Schulkinder. In der Nähe liegt die Oberstufe Sproochbrugg – hier sind viele Velofahrer unterwegs, jeden Tag. Gerade da wird es kritisch.» Die Schikanen zwingen die Velofahrer durch enge Durchlässe, in denen ein parallel fahrendes Auto oder gar ein Lastwagen sie leicht übersehen kann. «Bei Lastwagen ist die Gefahr besonders gross. Im toten Winkel kann schnell etwas passieren», betont Gahlinger.
Doch es gibt noch ein weiteres Sicherheitsrisiko: das sogenannte Nachdrängen. Gahlinger beschreibt die Situation: «Drei Autos warten an einer Schikane, das zweite oder dritte übersieht den Velofahrer und muss abrupt bremsen. Dabei wollte der Fahrer nur noch schnell durch die Schikane. Das kann nicht Sinn der Massnahme sein.» Die Kritik im Netz spiegelt sich vor Ort wider. Gahlinger zeigt auf die aktuelle Verkehrssituation: «Schauen Sie, zwei Autos wollen die Strecke passieren, beide müssen sie wegen der Schikane anhalten – das ist doch widersinnig.» Manche Verkehrsteilnehmende versuchen sogar, die Schikane mit zu hoher Geschwindigkeit zu «spüren», wie es in den Kommentaren heisst. Für Gahlinger ist klar: «Das ist ein grober Fehler, was die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden angeht.»
Dass die Gemeinde Zuzwil die Massnahme umgesetzt hat, wirft der Kantonsrat nicht vor. «Man sieht erst jetzt, wie schlecht die Umsetzung tatsächlich ist.» Die Auswahl der Poller oder Betonblöcke bei der Mitwirkung der Bevölkerung kritisiert er jedoch: «Das war keine echte Auswahl. Man hätte zum Beispiel auch eine Visuelle Option mit Farbe in Erwägung ziehen können.» Auch weitere Auswirkungen werden diskutiert: Landwirte beklagen laut Gahlinger das ständige Anhalten als gefährlich und energieaufwendig. Der öffentliche Diskurs rund um die neuen Massnahmen hält in diesen Tagen an: Die SVP plant einen Anlass am Mittwoch im Restaurant Alpenrose in Züberwangen, bei dem die Zuckenrieterstrasse ebenfalls Thema sein wird.
SVP-Kantonsrat Damian Gahlinger zieht ein nüchternes Fazit: «Die Poller müssen wieder weg. Wenn nötig, kann man einen Blitzkasten aufstellen, dauerhaft. Eine einfache Tempomessung würde ganz sicher auch automatisch für langsameres Fahren sorgen.» Dabei bleibt sein Appell klar: Die Sicherheit der Kinder an der Oberstufe Sproochbrugg hat Vorrang, und Verkehrsmassnahmen müssen diesem Ziel gerecht werden – nicht nur optisch, sondern praktisch. Der Facebook-Post, der zunächst als kleines Warnsignal gedacht war, entfacht eine Diskussion, die weit über soziale Medien hinausgeht – in der Politik, bei den Anwohnenden und den Verkehrsteilnehmenden selbst. Für Damian Gahlinger ist das Ergebnis eindeutig: «Es passt einfach nicht. Diese Schikanen sind keine Lösung.» Ein weiterer Beweis sei die Einmündung des Velowegs von Zuckenriet her. Radfahrer müssen direkt auf die Strasse einbiegen – genau an einem Poller, der die Sicht einschränkt und die Gefahr erhöht. «Die aktuelle Lösung zwingt alle Verkehrsteilnehmenden zu riskanten Manövern», so der Kantonsrat Damian Gahlinger abschliessend.
Lui Eigenmann
Roland Hardegger, auf welcher Grundlage wurden die verkehrsberuhigenden Elemente realisiert?
Auf der Zuckenrieterstrasse wurde zu schnell gefahren. Dies ergaben Messungen. Darauf liess der Gemeinderat Möglichkeiten erarbeiten, wie die Geschwindigkeit nachhaltig gesenkt werden könnte. Dafür unterbreitete er zwei Varianten der Mitwirkung. Siehe Berichte im Mitteilungsblatt vom 17. April 2025.
Wurden alternative Massnahmen geprüft?
Der Gemeinderat kam in Absprache mit dem Verkehrsplaner und der Kantonspolizei zum Schluss, dass Blitzer oder «nur Tafeln aufhängen» keine nachhaltige Geschwindigkeitsreduktion nach sich zieht. Die Zuckenrieterstrasse bleibt einseitig bebaut, gerade und übersichtlich. Im übrigen besteht ein Moratorium, das auf verkehrsorientierten Strassen – die Zuckenrieterstrasse ist eine solche – keine Tempo-30-Zonen eingerichtet werden dürfen. Aufgrund der Stellungnahmen während des Mitwirkungsverfahrens verzichtete er auf die Einführung eines Rechtsvortritt im Einlenkerbereich Sonnenbergstrasse und Zuckenrieterstrasse. Damit die Sicherheit für die Fussgänger erhöht werden konnte, die auf das Trottoir auf der anderen Strassenseite wechseln müssen, wurde ein zusätzliches verkehrsberuhigendes Element auf der Zuckenrieterstrasse zwischen den Einlenkern Ifangstrasse und der Sonnenbergstrasse installiert.
In der Stadt Wil wurden im
Rahmen des Pilotprojekts «Velostrasse» ähnliche Massnahmen wie in Zuzwil ergriffen. Dort gab es laute Aufschreie von Auto- und von Velofahrern. Weshalb hat man sich in Zuzwil trotzdem für ähnliche Massnahmen entschieden?
Der Entscheid für diese Variante fiel, bevor die Velostrasse in Wil umgesetzt wurde.
Gibt es bereits Rückmeldungen aus der Zuzwiler Bevölkerung zu den Massnahmen?
Ja, vereinzelte. Die Mehrheit der Rückmeldungen stammt von Personen, die ausserhalb der Gemeinde wohnen.
Stimmen unter dem Facebook-Beitrag von Kantonsrat Damian Gahlinger monieren, dass die Massnahmen negative Auswirkungen auf die Sicherheit haben. «Absolute Katastrophe» oder «Verkehrsplanerischer Unsinn» sind nur einige der teils harschen Kommentare. Können Sie den Unmut verstehen? Schätzen Sie den betroffenen Strassenabschnitt als sicher ein?
Um solche Massnahmen umzusetzen beziehungsweise die Markierung vornehmen zu können, ist die Zustimmung der Kantonspolizei nötig. Und eine solche ist nur erhältlich, wenn die Massnahme und auch das «Rundherum» wie Sichtzonen als sicher beurteilt werden. Der Gemeinderat erhielt die Verkehrsanordnung für die Markierung der Abweislinien und bei den seitlichen Einengungen. Der Gemeinderat schätzt die Massnahme als sicher ein.
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