Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Die Kirche wirkt ruhig, doch in der Kirchgemeinde Aadorf-Tänikon sorgt ein kollektiver Rücktritt für Unruhe. le
Kurz vor den Wahlen 2026 steht die Kirchgemeinde Aadorf-Tänikon vor einem Umbruch: Vier Behördenmitglieder treten ab. Die Gründe werfen Fragen zur Führung und Zukunft der Kirche auf.
Aadorf-Tänikon In der katholischen Kirchgemeinde Aadorf-Tänikon kommt es im Vorfeld der Erneuerungswahlen vom 10. Mai zu einem bemerkenswerten Einschnitt: Vier der fünf bisherigen Mitglieder des Kirchgemeinderates treten nicht mehr zur Wahl an – darunter auch der Präsident. Offiziell kommuniziert wurde dies bislang vor allem auf der Website der Kirchgemeinde, im Dorf selbst kursieren bereits entsprechende Gerüchte.
Die Ausgangslage wirft Fragen auf. Wenn ein Grossteil eines Gremiums gleichzeitig zurücktritt, liegt die Vermutung nahe, dass mehr dahintersteckt als bloss individuelle Entscheide. Laut Stellungnahme von Präsident Rolf Anliker haben bereits vor rund einem Jahr zwei Mitglieder ihren Rückzug angekündigt. Für die kommende Amtsperiode seien daraufhin neue Kandidierende gesucht und auch gefunden worden. In der Folge hätten sich jedoch in mehreren Sitzungen unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Führung der Behörde gezeigt. Diese Differenzen scheinen zentral: Nachdem Anliker bekanntgab, unter diesen Umständen nicht mehr kandidieren zu wollen, zogen sich auch die übrigen bisherigen sowie die neuen Kandidierenden zurück. Damit blieb am Ende einzig Markus Sax aus dem bisherigen Gremium übrig, der nun für das Präsidium kandidiert.
Die offizielle Erklärung verweist somit auf interne Meinungsverschiedenheiten. Doch was genau diese Differenzen ausmacht, bleibt offen. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten strukturellen Veränderungen innerhalb der Kirche – etwa der Bildung der Einheitspfarrei St.Aurelia Ende 2024 und des Zusammenschlusses zur katholischen Kirche Hinterthurgau im August 2025 – wäre eine vertiefte Einordnung von Interesse. Denn die Herausforderungen sind beträchtlich: Neben der Bewirtschaftung und Optimierung von Liegenschaften stehen finanzielle Fragen im Raum, insbesondere angesichts möglicher Kirchenaustritte und sinkender Steuereinnahmen. Auch Themen wie Digitalisierung, Datenschutz sowie personelle Veränderungen – etwa durch Pensionierungen im Seelsorgeteam – verlangen nachklarer strategischer Führung. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die erwähnten Meinungsverschiedenheiten lediglich unterschiedliche Sichtweisen innerhalb eines funktionierenden Gremiums darstellen – oder ob sie Ausdruck tiefergehender Spannungen über die zukünftige Ausrichtung der Kirchgemeinde sind. Für die Stimmberechtigten bleibt damit eine gewisse Unklarheit bestehen. Zwar zeichnet sich mit neuen Kandidierenden eine personelle Lösung ab, doch die Umstände der Rücktritte dürften weiterhin Anlass zu Diskussionen geben.
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