Arjeta Osmani
absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau.
Die höchste Auszeichnung für eine junge Thurgauerin: Sophia Erni begeistert am Lehrlingswettbewerb mit ihrer Idee einer täuschend echten Apfelharasse. Ihr Werk geht nun sogar in Produktion.
Braunau/Zezikon Als Sophia Erni am Freitagnachmittag zum Gespräch mit den «Wiler Nachrichten» erscheint, kommt sie direkt von der Baustelle. Farbspritzer auf ihrer Kleidung zeugen vom Arbeitstag. Schnell wechselt die junge Frau den Pullover. «Nun bin ich vorzeigbar», schmunzelt die aufgestellte 18-Jährige.
Die 18-Jährige aus Braunau hat beim Lehrlingswettbewerb des Thurgauer Malerunternehmerverbands die höchste Auszeichnung gewonnen und damit nicht nur die Jury überzeugt. Ihr Werk, eine detailreiche Holzimitation in Form einer Apfelharasse, wird künftig schweizweit auf sogenannten «Big Bag»-Kartons zu sehen sein. «Ich habe verschiedene Berufe angeschaut», erzählt die Malerin. «Aber mir war wichtig, dass es gute Lehrstellen gibt. Und Malerin ist ein sehr kreativer Beruf.» Eine Entscheidung, die sie nicht bereut: «Es ist cool, weil es immer verschieden ist. Man kann tapezieren, spritzen, es ist nie das Gleiche.» Besonders angetan haben es ihr Aussenfassaden: «Ich bin einfach gerne draussen.»
Auf den Wettbewerb hat sie sich nicht speziell vorbereitet. Die Idee entstand im Betrieb gemeinsam mit ihrem Chef Roger Baumgartner. «Ich wollte eine Holzimitierung machen. Daraufhin sind wir auf die Idee mit der Harasse und den aufgemalten Äpfeln gekommen», sagt Erni. «So ist die Idee dann Wirklichkeit geworden.» Der besondere Clou: Die Idee überzeugte nicht nur im Wettbewerb, sondern auch die Industrie. Vertreter der Model AG wurden bereits bei der Präsentation auf das Werk aufmerksam und zeigten sich sofort begeistert. Kurz darauf erhielt Sophia Erni die Zusage, dass ihr Entwurf weiterverwendet wird. Konkret wird ihre gemalte Apfelharasse auf sogenannte «Big Bag»-Kartons gedruckt, grossformatige Verpackungen, die in der ganzen Schweiz im Umlauf sind. Ab dem kommenden Herbst sollen diese Kartons im Handel erhältlich sein. Für die junge Malerin ist das eine aussergewöhnliche Anerkennung: Ihre Arbeit bleibt nicht ein Einzelstück, sondern wird in Serie produziert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dass sie gute Chancen hatte, war ihr bewusst. «Aber der erste Platz hat mich schon überrascht.» Noch greifbarer wird der Erfolg durch die Umsetzung im Handel: «Es ist cool, aber wie es dann wirklich wird, sieht man erst, wenn es im Laden steht.»
Ein grosser Teil des Erfolgs sei auch dem Betrieb zu verdanken. «Wir haben viel Unterstützung bekommen und durften sogar während der Arbeitszeit daran arbeiten. Das ist nicht selbstverständlich.» Tatsächlich räumte der Betrieb gleich dreifach ab: Auch ihr Mitlernender Luca Cucinelli gewann die höchste Auszeichnung sowie ihre Mitlernende aus dem ersten Lehrjahr, Hanna Koeck, holte sich in ihrer Kategorie den zweiten Platz.
Firmeninhaber Roger Baumgartner zeigt sich stolz: «Das ist kein 08/15-Wettbewerb. Hier kann man sich wirklich ausleben, im Gegensatz zum Alltag bei Kunden, wo man oft gebunden ist.» Gerade deshalb sei es wichtig, Lernenden Raum für eigene Ideen zu geben: «Man muss ihnen auf Augenhöhe begegnen.» Der Wettbewerb, der jedes Jahr mit neuen Aufgabenstellungen durchgeführt wird, gilt als wichtige Plattform. «Sophia hat im anspruchsvollsten Lehrjahr gewonnen», betont Baumgartner. «Das zeigt, dass sich der Aufwand lohnt.» Gleichzeitig spricht der Berufsschullehrer ein zentrales Problem der Branche an: «Uns fehlen Lehrlinge. In meinen Klassen fehlen etwa 15 Lernende.» Viele junge Menschen würden sich gegen handwerkliche Berufe entscheiden. «Allen wird eingetrichtert, dass sie studieren sollen. Aber wir brauchen gute Handwerker.» Sophia Erni will dem Beruf treu bleiben. Nach den Sommerferien beginnt sie die künstlerische Matura. «Und danach schaue ich weiter – aber ich würde gerne im Beruf bleiben.»
Von Lui Eigenmann
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