Cornelia Scheiwiller
stellt das Konzertprogramm 2026 im Kloster Fischingen vor.
Vierzig Jahre lang prägte Ernst Keller den Klang und die Gemeinschaft des Männerchors Gähwil. Nun endet eine Ära – mit einem Abschied voller Musik.
Gähwil «Der Klang eines Männerchors mit vier Stimmen ist reichhaltig und macht aus jedem Stück etwas Besonderes», sind sich Ernst Keller und Willy Schönenberger einig. Die Männer sind ein fester Bestandteil des Männerchors Gähwil. Vor 55 Jahren trat Ernst Keller dem Männerchor als Sänger bei. Fünfzehn Jahre später übernahm er den Chor als Dirigent. «Für den Männerchor war das ein Glücksfall, einen Dirigenten aus den eigenen Reihen zu haben», erinnert sich Schönenberger. Nach vier Jahrzehnten gibt Ernst Keller nun den Taktstock ab. «Was mir früher leicht von der Hand ging, muss ich nun mühsam üben», begründet Keller seinen Entscheid.
1986 arrangierte Ernst Keller den ersten Unterhaltungsabend. «Ich kann mich daran erinnern, dass wir ein Lied von Manfred Hilger im Repertoire hatten», sagt der Dirigent und blickt zu seinem Sängerkollegen. «‹Zieh in die Welt› hiess es», hilft Willy Schönenberger. Was anfangs mit klassischen Männerchorliedern begann, wandelte sich mit der Zeit: «Wir haben mit den Jahren immer mehr Schlagerlieder wie beispielsweise von Maite Kelly und Roland Kaiser ‹Warum hast du nein gesagt› ins Programm aufgenommen», erzählt der Dirigent.
Für den Gähwiler sei es wichtig, die Lieder möglichst originalgetreu aufführen zu können. «Wir müssen die Noten für unsere Lieder kaufen», betont er. Heute kosten die Noten für eine Partitur, also eine Übersicht mit übereinander geschriebenen Noten aller Stimmen, rund 100 Franken. Doch nicht jedes Lied lasse sich beschaffen. «Als der Chor ein Lied von Heimweh singen wollte», so Ernst Keller, «konnte ich die Noten nicht auftreiben.» In zwei Tagen tritt der Chor nun eines der letzten Male unter der Leitung von Ernst Keller auf. «Am 20. und nochmals am 27. September laden wir zum Abschiedskonzert», verrät Willy Schönenberger. Was hat sich der 74-Jährige für sein Finale ausgedacht? «Das Publikum darf sich auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Vier Stücke singen wir gemeinsam mit einem Frauenchor», verrät Keller. Von Klassikern wie ‹Ich war noch niemals in New York› und ‹Can't help falling in love› bis zu neueren Liedern wie ‹Raise me up› sei für jeden etwas dabei.
In den 40 Jahren als Dirigent, sagt Ernst Keller, habe sich nicht nur die Liederauswahl, sondern auch die Anzahl an Sängern verändert: «Es gab Zeiten, da hatte der Männerchor Gähwil 50 Sänger. Heute sind wir noch halb so viele.» Ein Alt-Herren-Verein sei der Chor aber bei Weitem nicht. «Unser jüngstes Mitglied hat im Sommer gerade die dritte Sekundarklasse begonnen», so Schönenberger. Doch wie in allen Vereinen habe auch der Männerchor Gähwil Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu finden. «Die Jungen haben andere Interessen», sieht Ernst Keller den Hauptgrund für den ausbleibenden Neuzuwachs. «Trotzdem ist es in einem Dorf wie Gähwil», so Willy Schönenberger, «noch einfacher als in einer Grossstadt. Hier kennt man sich noch untereinander.»
Die Nachfolge von Ernst Keller stehe noch nicht fest, erzählen die Männer. «Da gibt es verschiedene Faktoren, die zu berücksichtigen sind», so Keller. Zum einen sei da die Bezahlung: «Ich habe nicht Musik studiert und kam aus den Rängen des Männerchors. Ein neuer Dirigent wird wahrscheinlich mehr verlangen als ich.» Auch müsse der Neue am Taktstock in die Gruppe passen. «Wir haben eine enge Kameradschaft. Es muss also auf beiden Seiten harmonieren», so Willy Schönenberger. «Ich wünsche dem Männerchor Gähwil ein langes Weiterbestehen», sagt Ernst Keller. Selbst will er künftig die Musik geniessen – aber nicht mehr vom Dirigentenpult aus.
Von Dominique Thomi
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