Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Der kleine Dorfladen dürfte besonders der älteren Generation fehlen.
Die gläsernen Eingangstüren zum Dorfladen in Gähwil sind von innen mit einer Folie abgeklebt. Der Laden bot Einheimischen und anderen Kunden fast alles, was sie zum Leben benötigten. Nun ist das Geschäft seit dem 1. März geschlossen.
Gähwil Der kleine Dorfladen an der Hulfteggstrasse in Gähwil – ein Ort, wo man sich mit den nötigen Dingen fürs Leben eindecken, Pakete aufgeben und einen Schwatz mit Bekannten halten konnte–, ist nicht mehr. Ein herber Verlust für die Einwohner. Vor sechs Monaten erst wurde das Geschäft nach einer kurzen Pause von wenigen Tagen wiedereröffnet. Verantwortlich für den Dorfladen zeichnete die Neckertal GmbH und die Leitung hatte Christian Näf inne. Warum das Lebensmittelgeschäft nun geschlossen hat, lässt Raum für Spekulationen, denn Christian Näf steht für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung, wie die Neckertal GmbH mitteilte. Einer ehemaligen Kundin zufolge, die nicht namentlich genannt werden möchte, sei es wohl die fehlende Rentabilität gewesen, die dem Laden den Todesstoss versetzt habe. Sie habe von der Vorbesitzerin erfahren, dass eine Million Franken Umsatz pro Jahr nötig wären. Besonders ältere Menschen seien vom fehlenden Angebot betroffen, denn sie müssten nun jedes Mal nach Kirchberg fahren. Die WN haben sich auf Spurensuche begeben und Pirmin Fischbacher, den Präsidenten von «Gähwil vereint» zur Situation rund um den Dorfladen befragt.
Pirmin Fischbacher, was bedeutet der Verlust des Dorfladens für Gähwil?
Nebst dem, dass die Einwohner von Gähwil die Produkte des täglichen Bedarfs nicht mehr im Dorf einkaufen können, geht auch ein sozialer Treffpunkt verloren. Kundinnen und Kunden, welche ihre Einkäufe regelmässig im Dorfladen getätigt haben, müssen sich nun anderweitig orientieren und den Weg zum Einkaufen unter die Räder nehmen. Im Laden wurden zudem etliche Produkte und Sortimente von Produzenten aus der näheren Umgebung verkauft. Diese sind nun zum Teil gezwungen, andere Verkaufskanäle zu suchen.
Ist schon eine Nachfolge für den Dorfladen in Sicht?
Nach meinem Kenntnisstand ist bis jetzt keine Nachfolge in Sicht. Die Herausforderungen für den wirtschaftlichen Betrieb eines Dorfladens sind gross.
In welcher Hinsicht?
Wir alle haben heute ein Smartphone in der Tasche und können viele Produkte direkt online bestellen und zu uns nach Hause liefern lassen. Und wenn wir am Sonntagnachmittag dringend etwas benötigen, möchten wir es sofort haben. Dass vieles praktisch rund um die Uhr irgendwo verfügbar ist, befeuert diesen Trend. Es laufen Gespräche, ob allenfalls eine Lösung infrage kommen könnte, welche diesem Umstand Rechnung trägt. Konkret ist da jedoch noch nichts.
Aufgrund der Ladenschliessung fehlt nun auch die Poststelle. Gibt es da eine Lösung?
Ja, die Post hat für die Gähwiler Kundinnen und Kunden auf die Hausservice-Dienstleistung umgestellt.
Kann der Verein Gähwil vereint etwas unternehmen?
«Gähwil vereint» hat im vergangenen Jahr einiges unternommen, um den Dorfladen weiterhin zu erhalten. Nun hat sich gezeigt, dass dies zumindest in der bisherigen Form schlichtweg nicht möglich ist. Wie gesagt sind wir daran, abzuklären, ob es allenfalls eine Alternative gibt, die den heutigen Einkaufsbedürfnissen der Bevölkerung Rechnung tragen könnte.
Von Andreas Lehmann
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