Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht – seit über 30 Jahren sorgen Sales Huber und seine Freunde dafür, dass Menschen in Endamarariek medizinisch versorgt werden können.
Niederhelfenschwil «Ich habe heute Morgen zusammen mit einem Techniker während drei Stunden über das Videoportal Zoom mit Staff-Mitgliedern unseres Spitals im afrikanischen Endamarariek kommuniziert. Das digitale Röntgengerät streikt und wir müssen nach einem Akkuwechsel die Harddisk ersetzen. Einige Stunden Arbeit stehen uns noch bevor», sagt Sales Huber zu Beginn des Gespräches mit den WN. Sales hat vor zwölf Jahren seine Arztpraxis in Niederhelfenschwil weitergegeben. Die Freude am Helfen und an der Medizin ist ihm nach wie vor wichtig. Insbesondere sein Herzensprojekt, ein Spital in Tansania, hält ihn auf Trab und geistig fit. Doch wie kam es überhaupt zum Engagement in Afrika?
Vor rund 45 Jahren arbeitete Sales Huber während vier Monaten in Tansania. Durch seine Frau Marianne habe er die Faszination und die Liebe zu Afrika entdeckt und schätzen gelernt, sagt Huber. 1987 wurde er um finanzielle Unterstützung für Endamarariek angefragt und hat das Projekt der hiesigen Pfarrei in Niederhelfenschwil vermittelt. «Ich bin auf ein gutes Echo gestossen und die Hilfskollekte hat damals 100'000 Franken ergeben. Unsere Region, Freunde, kleine und grössere Spender unterstützen heute zunehmend das Spitalprojekt in Tansania», freut sich Huber und ergänzt: «Bevor sich Baldegger- und Kapuzinermissionare mit dem Staat für den Aufbau von Endamarariek einsetzten, gab es dort fast nur Lehmstrohhütten. Man errichtete Schulen, sicherte die Wasserversorgung, baute ein kleines Spital und natürlich Kirchen.» Huber, der mehrmals in Endamarariek weilte, stellte mit der Zeit fest, dass die Missionare ihre Arbeit aus Altersgründen beenden wollten. Er habe grosse Achtung vor deren Leistung. Es habe ihn aber betroffen gemacht, dass sie kaum um die Nachhaltigkeit besorgt gewesen seien, obwohl sie über grosse private Geldquellen verfügt hätten, so Huber. Das Spital stand damals vor der Schliessung.
Bevor das Ende des Spitals beinahe besiegelt wurde, erhielt Sales Huber einen Anruf mit der Bitte, umgehend 30'000 Franken zu überweisen, um die Löhne der Spitalangestellten zu sichern. Huber reiste nach Endamarariek, wo ihm die Missionsleitung klarmachte, dass das Spital schlicht nicht mehr finanzierbar sei. «Das Einzugsgebiet für das Spital entspricht etwa der Grösse des hiesigen Fürstenlandes. Die Missionare wollten es aufgeben und waren überzeugt, dass sich das Gebiet rasch entvölkern werde. Das konnte ich nicht zulassen», erzählt Huber. Das war vor 15 Jahren. Er sei sich sicher gewesen, dass ein rein einheimisches Team ohne weisse Bevormundung diese Aufgabe dank finanzieller Unterstützung aus der Schweiz meistern könne. Das gab damals den Einheimischen riesige Motivation.
Dass er das Spitalprojekt finanziell nicht alleine stemmen konnte, war Huber klar. Zusammen mit seiner Frau Marianne gründete er deshalb 2007 die Stiftung Spital Endamarariek Tansania. «Wir finanzieren heute jährlich ein Betriebskostendefizit von etwa 65 Prozent. Über Spendengelder sichern wir somit den Fortbestand und die ständige Erweiterung wie unter anderem die direkte Wasserversorgung des Spitals», erklärt der pensionierte Arzt. Er habe versprochen, dass er sich das Spital zur Lebensaufgabe mache und für dessen Defizitfinanzierung sorgen werde. «Obwohl unser Ziel Nachhaltigkeit bedingt und Eigenwirtschaftlichkeit angestrebt wird, müssen wir gegenüber mittellosen Menschen kompromissbereit agieren können. Auch sie sollen durch uns medizinisch versorgt werden», erklärt Sales Huber. Nebst seiner Frau Marianne wird Sales Huber auch vom Vizepräsidenten Dr. med. Urs Germann aus Bichelsee sowie von Claudio Lehmann unterstützt. «Lehmann stammt aus Zuckenriet und ist heute noch vernetzt in unserer Gemeinde. Er managt die Webseite, führt den Stiftungsaccount und sorgt dafür, dass absolut spesenfrei gearbeitet und gereist wird. Als junges Mitglied der Stiftung ist er wichtig für die Zukunft», sagt Huber.
Mit dem Spital soll die medizinische Grundversorgung in der Region sichergestellt werden. Vor rund 30 Jahren habe das Spital technisch gesehen noch in den Kinderschuhen gesteckt. Heute könne man mit einfachsten medizinischen Mitteln sehr viel helfen und heilen. «Geburtskomplikationen sind einst die häufigste Todesursache von Frauen gewesen. Das gibt es heute dank besserer Hygiene, Betreuung und notfallmässigen Kaiserschnitten kaum noch. Auch den frühen Kindstod konnten wir auf ein absolutes Minimum senken», sagt Sales Huber. Der Staat sorgt sich offiziell zumindest um die Schwächsten der Gesellschaft. «Das sind Frauen und ihre Kinder und es sollte auch mittellosen betagten Menschen geholfen werden. Staatliche Hilfe wird für die Eindämmung und Behandlung von Aids und Tuberkulose, für Impfungen und die minimale Vorsorge bei Kleinkindern und Schwangeren angeboten. Langsames Leiden und Sterben in primitiven Behausungen sind aber immer noch eine humanitäre Katastrophe. Hier wird sich die Stiftung besonders engagieren.»
Für das Spital arbeiten 65 Angestellte, inklusive sechs Ärzte. Regelmässig absolvieren und bezahlen junge Schweizer Studenten und Pflegepersonal Monatspraktikas in Endamarariek. «In den vergangenen Jahren haben rund 100 Volunteers mindestens ein Monatspraktikum besucht. Sie sind da, um Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, ohne sich in den Arbeitsprozess einzumischen. Uns ist es wichtig, dass Einheimische den Betrieb sowohl medizinisch als auch in der Verwaltung selbstständig aufrechterhalten», sagt Huber, der möglichst zweimal jährlich selbst vor Ort ist. Es ist ihm ein grosses Anliegen, dass das Spital in Tansania die Einheimischen weiter nachhaltig medizinisch versorgt und dass er noch oft nach Afrika reisen kann. Huber möchte seiner Herzensangelegenheit noch lange mit Rat und Tat zur Seite stehen und sagt: «Ich freue mich, dass es so erfolgreich läuft, aber es gibt noch viel zu tun.» Dank vielen ehemaligen Volunteers rechnet er mit einer guten Zukunft der Stiftungsleitung.
Von Andreas Lehmann
Lade Fotos..