Sophia Erni
gewann den Thurgauer Malerlehrlingswettbewerb mit Äpfeln.
Hier sollte das Quartierzentrum gebaut werden. le
Das Quartierzentrum in Bronschhofen wird nicht realisiert. Nach jahrelangen Verzögerungen wurde das Projekt abgebrochen. Grund dafür waren Einsprachen und veränderte Rahmenbedingungen. Der Bedarf an Alterswohnungen bleibt jedoch nach wie vor hoch. Wie geht es nun weiter?
Bronschhofen Über zehn Jahre Planungsarbeiten landen im Papierkorb – die Thurvita, die Katholische Kirchgemeinde und die Stadt Wil arbeiteten seit 2015 an der Entwicklung eines Quartierzentrums in Bronschhofen. In einer gemeinsamen Medienmitteilung verkündeten die Verantwortlichen vergangene Woche das Aus des Projekts.
Geplant waren Familienwohnungen, Alterswohnungen sowie quartiersbezogene Nutzungen. Aufgrund der Grösse der Überbauung war ein Sondernutzungsplan notwendig, der 2019 öffentlich aufgelegt wurde. In der Folge kam es zu mehreren Einsprachen, die das Vorhaben über Jahre verzögerten. Während dieser Zeit haben sich laut den Verantwortlichen zentrale Rahmenbedingungen verändert. Insbesondere die Vorgaben des kantonalen Planungs- und Baugesetzes sowie die laufende Ortsplanungsrevision der Stadt Wil hätten dazu geführt, dass das Projekt umfassend hätte überarbeitet werden müssen: Ein erneutes Planungs- und Genehmigungsverfahren, verbunden mit grossem Aufwand, jedoch ohne zusätzliche Rechtssicherheit, heisst es in der Mitteilung. Vor diesem Hintergrund sei es nicht mehr sinnvoll gewesen, das Projekt weiterzuverfolgen. Doch wäre dies zu verhindern gewesen? «Nein», antwortet Manuel Nick, Stadtrat und Departementsleiter Bau, Umwelt und Verkehr, auf Anfrage dieser Zeitung klar. «Die Dauer der Verzögerung durch Einsprachen war nicht vorhersehbar. Die Ortsplanungsrevision erfolgt aufgrund übergeordneter gesetzlicher Vorgaben und ist zwingend umzusetzen. In der Kombination dieser Faktoren ergab sich eine Situation, die letztlich zum Entscheid des Projektabbruchs geführt hat.» Corinne Dähler, CEO der Thurvita AG betont: «Wir haben am Projekt gearbeitet, solange wir eine reale Chance für die Verwirklichung sahen.»
Auch weitere grössere Projekte wie die Unterführung Hubstrasse, das Fernwärmeprojekt oder die Überbauung Fürstenland der Familie Rutishauser werden aktuell durch Einsprachen blockiert. Auch die Thurvita AG hat mit ihrem Demenzzentrum in Rossrüti bereits Erfahrungen mit Einspracheverfahren gesammelt. «Die grösste Herausforderung liegt heute in Situationen mit Einsprachen, langen Verfahren und komplexen Rahmenbedingungen», so Corinne Dähler. Künftig werde die Thurvita stärker auf Standorte mit hoher Planungsreife und klare Entscheidungspunkte in frühen Phasen setzen. Laut Manuel Nick können vom gescheiterten Quartierzentrum in Bronschhofen aber keine generellen Rückschlüsse auf andere Bauprojekte in der Stadt gezogen werden. «Es handelt sich um eine projektspezifische Konstellation mit mehreren besonderen Einflussfaktoren», betont der Departementsleiter Bau, Umwelt und Verkehr. Doch was bedeutet dies nun für die Zukunft des Areals in Bronschhofen?
Das Areal bleibt im Besitz der bisherigen Eigentümer: der Stadt und der Katholischen Kirchgemeinde. Die Beteiligten wollen gemeinsam prüfen, wie sich das Gebiet künftig entwickeln soll. Das Ziel der Stadt ist laut Manuel Nick weiterhin eine qualitätsvolle Entwicklung – konkrete neue Ideen lägen derzeit aber noch nicht vor. Laut Marianne Mettler, Präsidentin des Kirchenverwaltungsrats, bleibt aber ein klarer Fokus: «Die katholische Kirchgemeinde wollte Familienwohnungen bauen und das ist auch für eine zukünftige Nutzung prioritär. Der alte Plan ist Orientierungshilfe, aber wir müssen das Projekt komplett neu aufgleisen.» Aus der Kirchbürgerschaft sei der Wunsch weiterhin da, dass sich die Kirchgemeinde für bezahlbaren Wohnraum engagiere. Auch die Nachfrage nach Alterswohnungen bleibt weiterhin hoch. In Wil werde dieser Bedarf laut Corinne Dähler konkret sichtbar: «Alle Alterswohnungen im Quartierzentrum City waren bereits zur Eröffnung vergeben.» Das Quartierzentrum in Bronschhofen hätte diese Versorgung in einem weiteren Stadtteil ergänzt, so die CEO der Thurvita AG. Die Alterswohnungen am Standort Sonnenhof würden zwar zur Entlastung beitragen, könnten den Bedarf allerdings nicht vollständig decken.
Eine erneute Kooperation der Kirchengemeinde mit der Thurvita wird es allerdings nicht geben. «Die Zusammenarbeit mit Thurvita AG war sehr gut. Sie will sich jedoch auf andere Projekte konzentrieren und wir sind daher für eine Kooperation mit neuen Partnern offen», so Marianne Mettler. Mit der Stadt Wil sei die Kirchgemeinde im konstruktiven Austausch. Die Thurvita überprüft laut Corinne Dähler laufend mögliche Standorte. Eine konkrete Alternative stehe aber derzeit nicht zur Kommunikation.
Linda Bachmann
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