Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Michael Sarbach (Grüne Prowil), Benjamin Büsser (SVP), Reto Gehrig (Die Mitte), Christoph Kälin (SP), Adrian Bachmann (FDP-GLP) le
Das Jahr 2025 endete für das Wiler Stadtparlament turbulent und das Jahr 2026 soll nicht weniger spannend werden – zumindest nicht, wenn man sich die Agenda der fünf verschiedenen Fraktionen anschaut.
Wil Das Wiler Stadtparlament hat vergangenen Donnerstag seine erste Sitzung mit dem neuen Parlamentspräsident Dominik Egli abgehalten. Nach der Präsidiumsfeier nehmen die Mitglieder nun ihre Fraktionsarbeit in neuer Zusammensetzung auf. Doch woran arbeiten die Parlamentarier aktuell? Wo besteht in der Äbtestadt Verbesserungspotenzial? Und wo herrscht dringender Handlungsbedarf? Die Fraktionspräsidenten Reto Gehrig (Die Mitte), Adrian Bachmann (FDP-GLP), Benjamin Büsser (SVP), Christof Kälin (SP) und Michael Sarbach (Grüne Prowil) stehen den «Wiler Nachrichten» in einer Umfrage Rede und Antwort.
Welches Thema hat 2026 dringendsten Handlungsbedarf?
Bachmann: Am wichtigsten ist es sicherlich, in der Abstimmung vom 8. März eine Zustimmung des St.Galler Stimmvolks zu Wil West zu erhalten. Hier werden die Weichen gestellt, dass sich die ganze Region in den kommenden Jahren entwickeln kann. Aus Sicht der Stadt stehen die grossen Investitionsvorhaben wie der Bahnhofplatz oder im Bereich der Schulbauten im Vordergrund. Gleichzeitig gilt es, ein Auge auf die Finanzen zu haben und Lösungen zu finden, damit wir nicht regelmässig mehr ausgeben als wir einnehmen.
Büsser: Für die SVP Wil ist die Finanzlage der Stadt das mit Abstand dringendste Thema. Die Ausgaben wachsen seit Jahren schneller als die Einnahmen. Priorität muss eine konsequente Ausgabendisziplin haben. Dazu gehören ein kritischer Blick auf alle neuen Projekte, eine Überprüfung der Personalbestände sowie ein striktes Priorisieren auf Kernaufgaben wie öffentliche Sicherheit, Bildung und Infrastruktur.
Gehrig: Im Jahr 2026/2027 muss die Stadt Wil den Finanzhaushalt stabilisieren, um für die anstehenden grossen Investitionen gerüstet zu sein. Falls dies nicht gelingt, gefährden wir diese wichtigen Projekte. Zudem steht die Abstimmung über Wil-West an, die für die Verkehrsgestaltung der Stadt Wil zentral ist.
Kälin: Wenn die Stadt Wil als Wohnort attraktiv bleiben will, muss genügend Wohnraum zur Verfügung stehen und dieser auch für Familien bezahlbar sein. Wir haben die Chance, mit Annahme der Initiative «Wil will wohnen» ein Signal zu setzen und eine Quote von zehn Prozent an Wohnungen festzulegen, die dem Prinzip der Kostenmiete unterliegen. Des Weiteren steht die Umsetzung der Projekte zur Stadtentwicklung im Vordergrund. Ortsplanungsrevision, Schulraumplanung, Stadtraum Bahnhof, Wil West usw. müssen im geplanten Zeitrahmen realisiert werden. Sie können im parlamentarischen Prozess allenfalls verbessert, dürfen aber nicht blockiert werden. Dazu braucht es ein vorausschauendes Zusammenspiel der Departemente und Kommissionen.
Sarbach: Die zweite Phase der Ortsplanungsrevision als Basis für eine nachhaltige Stadtentwicklung und die Erneuerung des Bahnhofplatzes sind zentral für uns. Auch Schulraum, die Zukunft des Kultur- und Musikschulzentrums, die Sanierung des Gare de Lion und die Finanzlage sind entscheidend für die Zukunft unserer Stadt.
Wie kann Wil sparen?
Bachmann: Verschiedene Vorschläge kamen an der Budgetsitzung des Stadtparlaments im Dezember bereits auf den Tisch. Viele fanden leider keine Mehrheit. Die FDP nimmt in Aussicht, im Verlauf dieses Jahres weitere Sparvorschläge zu unterbreiten, damit diese dann für das nächste Budget diskutiert werden können. Es ist jedoch offensichtlich, dass das Sparpotential noch nicht ausgeschöpft ist und die Mittel noch nicht immer effizient eingesetzt werden.
Büsser: Wil muss endlich wieder lernen, mit dem vorhandenen Mittel auszukommen. Das beginnt bei einem Ausgabenstopp für Wunschprojekte und Prestigevorhaben und setzt sich fort bei einer echten Aufgaben- und Leistungsüberprüfung in der Verwaltung. Jede neue Stelle, jedes neue Konzept und jede externe Studie müssen hinterfragt werden.
Gehrig: Die GPK hat anlässlich der Budgetsitzung den Weg skizziert. Ein Stellenmoratorium ist unerlässlich. Investitionsprojekte müssen kritisch hinterfragt werden. Ebenso müssen wir den Ausbaustandard jedes Projektes hinterfragen. Effizienz mit den haushälterischen Mitteln ist gefragt. Die erstellten Schulhausprovisorien und Schulhäuser sollten wir in der gesamten Lebensdauer nutzen und renovieren.
Kälin: Wir begrüssen einen haushälterischen Umgang mit den vorhandenen Mitteln. Das darf aber nicht auf Kosten der Schwächeren und der Infrastruktur gehen. Ein rechter Anteil an Sparmassnahmen für das Budget 26 wurde auf Kosten des städtischen Personals erzielt. Die SP hat das Vorgehen im Sinne einer einmaligen Aktion und als Kompromiss mitgetragen. Eine Wiederholung ist für uns nicht denkbar.
Sarbach: Es braucht klare Prioritäten und eine kostenbewusste Planung. Das befristete Stellenmoratorium unterstützen wir. Wichtig ist auch die Einnahmenseite: Seit 2018 wurden die Steuern um 14 Prozentpunkte gesenkt. Stillstand ist keine Option – ein attraktives Wil zieht Menschen und Unternehmen an und stärkt die Finanzen langfristig.
Wie stehen Sie zur Bahnhofplatzumgestaltung für knapp 65 Millionen Franken?
Bachmann: Wir möchten der Beratung in der vorberatenden Kommission nicht vorgreifen. Der Bahnhofplatz hat sicherlich ein Facelifting verdient. Jedoch hängt dem vorliegenden Projekt mit 65 Millionen Franken schon ein sehr hohes Preisschild an. Wir werden prüfen, wo Einsparungen vertretbar sind, ohne dass das gesamte Projekt gefährdet ist.
Büsser: Die SVP ist gegenüber diesem Grossprojekt in der vorliegenden Form kritisch. Der Bahnhofplatz ist wichtig, aber eine Luxusumgestaltung für rund 65 Millionen Franken ist unverhältnismässig. Notwendig sind Verbesserungen für Fussgänger, Busse und den Individualverkehr.
Gehrig: Die Bahnhofplatzumgestaltung sollten wir umsetzen. Jetzt liegt das Projekt vor und die Vorarbeit ist geleistet. Auch wenn mich einzelne Punkte nicht vollumfänglich begeistern; jetzt ist die Zeit dafür.
Kälin: Der Bahnhofplatz ist in die Jahre gekommen und zu wenig übersichtlich. Eine Anpassung an die aktuellen und auch zukünftigen Anforderungen ist notwendig, damit der neue Bahnhofplatz wieder 30 Jahre funktioniert.
Sarbach: Wir unterstützen dieses Generationenprojekt im Grundsatz. Es stärkt den öffentlichen Verkehr und die Veloinfrastruktur deutlich. Der Bahnhofplatz und die Allee sind die Visitenkarte unserer Stadt.
Was muss an der Verkehrssituation verbessert werden?
Bachmann: Hier liegen die Lösungen seit Jahrzehnten auf dem Tisch: Die Netzergänzungen Nord und Ost, also die Umfahrung von Bronschhofen und die Grünaustrasse, würden nachweislich dazu beitragen, das Stadtzentrum von Wil vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Schade, dass es hier nicht weitergeht.
Büsser: Wil leidet zunehmend unter Stau, Umwegen und unnötigen Verkehrsbehinderungen. Die SVP fordert eine Verkehrspolitik, die wieder den reibungslosen Verkehrsfluss in den Mittelpunkt stellt. Ideologisch motivierte Einschränkungen des Autoverkehrs lehnt die SVP ab. Wil braucht eine pragmatische Verkehrspolitik, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Dazu gehört auch das Entwicklungsprojekt WilWest mit dem Autobahnanschluss und der Entlastungsstrasse gegen Norden.
Gehrig: Mit der Annahme zu «Wil-West» ergeben sich neue Möglichkeiten der Strassenraumgestaltung mit den flankierenden Massnahmen. Zudem muss die Grünaustrasse wieder aufgegriffen werden. Diese Strasse würde primär unseren inneren Verkehr entflechten und den MIV um die Stadt leiten.
Kälin: Die Stadt ist regelmässig verstopft. In Zukunft muss die Verkehrsplanung für alle Anspruchsgruppen gleichberechtigt gedacht werden. Grundsätzlich sollte die Stadt für den Langsamverkehr sicherer und den ÖV attraktiver werden, damit sich der motorisierte Individualverkehr innerhalb der Stadt Wil reduziert.
Sarbach: Die geplanten Betriebs- und Gestaltungskonzepte im Zusammenhang mit dem Agglomerationsprogramm und Wil West müssen konsequent umgesetzt werden. Mit besserer Veloinfrastruktur und einem attraktiven, barrierefreien ÖV-Angebot kann die Innenstadt spürbar entlastet werden.
Linda Bachmann
Das Wiler Stadtparlament hat an seiner Sitzung vom Donnerstagabend Dominik Egli (SVP) mit 33 Stimmen zum neuen Parlamentspräsidenten gewählt. Er tritt die Nachfolge von Meret Grob (Grüne Prowil) an, die das Amt im vergangenen Jahr innehatte. Zur Vizepräsidentin für das Amtsjahr 2026 wurde Salome Zeintl (FDP-GLP) gewählt. Nach den klaren Wahlen folgten zahlreiche Gratulationen und Blumensträusse. Für die abtretende Präsidentin Meret Grob gab es zudem ein besonderes Geschenk: drei Liter Bier. Nach der kurzen Parlamentssitzung begaben sich die Gäste von Dominik Egli in den Stadtsaal, wo sie ein unterhaltsamer Abend erwartete. Alle Parteien traten auf die Bühne und sorgten mit kreativen Showeinlagen für beste Stimmung. So musste Egli unter anderem Schokolade und Bier richtig einordnen und wurde sogar in einen Schottenrock gesteckt. Ein besonderer Moment war auch die Anwesenheit seines 90-jährigen Grossvaters. Im Stadtsaal nahmen unter anderem auch Kantonsrat Walter Freund, der Wiler Nationalrat Lukas Reimann sowie die Wiler Fastnachtsgesellschaft inklusive Prinzenpaar teil. An seiner ersten Sitzung als Parlamentspräsident gab Dominik Egli zudem sein Motto bekannt: «Weniger Drama, mehr Sachlichkeit.» Mit seiner Wahl schreibt der 25-Jährige Dominik Egli Geschichte – er ist der jüngste Parlamentspräsident, den das Wiler Stadtparlament je hatte.
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