Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Unzufriedenheit in Kirchberg: Nach der Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark fühlen sich mehrere Bürgerinnen und Bürger übergangen – ihre Fragen blieben unbeantwortet, ihre Bedenken gross.
Kirchberg «Wie ist es möglich, dass Verwaltungsratspräsidentin Martina Nigg uns vorrechnen kann, wie viel Strom die Windkraftanlagen produzieren, wenn noch kein einziges gebaut oder in Betrieb genommen worden ist sowie noch keine Windmessungen vorhanden sind?», fragt sich Eugen Thalmann. Er sowie elf weitere Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Kirchberg stellen die Infoveranstaltung vom 30. April der Windenergie Schweiz AG in Frage. Die Teilnehmenden sind sich einig: «Die Informationen waren sehr einseitig und man liess keinen Raum für eine öffentliche Diskussion.» Elisabeth Thalmann führt weiter aus: «Als ich Frau Nigg darauf ansprach, wurde mir nur geantwortet, dass die Zeit für Fragen fehle und ich doch bitte die Plakate an den Wänden der Turnhalle studieren solle.» Diese, so Thalmann, seien zu klein beschriftet gewesenund beantworteten nicht all ihre Fragen.
«Die Windenergie Schweiz AG baute bis jetzt noch kein einziges Windrad in der Schweiz», gibt Landwirt Thomas Marty zu bedenken. «Auch wurden noch keine Windmessungen gemacht. Hält man sich an den Windatlas, so ist klar ersichtlich, dass die fünf geplanten Standorte alles andere als optimal sind. Im Gegenteil, das Gebiet war erst ursprünglich nur als Reservefläche vorgesehen.» Er und die weiteren Bürgerinnen und Bürger sind erstaunt darüber, dass nun genau diese Gegend die erste im Kanton St.Gallen sein soll. «Es ist mir ein Rätsel, wie man mit einer Subvention von 60 Prozent in eine solche unsichere Energieproduktion einsteigen kann», so Marty.
Dem stimmt auch Elektrofachmann Walter Aerni zu. «Die nationale Stromverteilung wird immer extremer. Das Thema ist so komplex und noch nicht auf alternative Energiequellen abgestimmt.» Ein Beispiel, sagt er, seien die jüngsten Ereignisse in Spanien. «Ich war erstaunt, wie rasch sich die Lage wieder entspannt hat. Bei uns wären wir wahrscheinlich zwei Wochen ohne Strom.» Eins ist für Aerni und Marty sicher: «Jedes Windrad bedeutet einen Aufpreis pro Kilowattstunde Strom.» Neben den Fragen der steigenden Preise bereitet auch der Umweltaspekt den Kirchbergerinnen und Kirchbergern Sorgen.
«Frau Nigg meinte, ein Windrad sei innert einer Woche abgebaut», berichtet Thalmann. Als der Einwand kam, dass der Betonsockel aber noch übrig bleibe, habe Nigg ergänzt: Dann seien es wohl zwei Wochen. Nach 20 Jahren müsse das Windrad abgebaut werden, doch laut Forstwart Alexander Oberhänsli sei unklar, wo es dann entsorgt werde. Dies sei nicht festgelegt. Zudem setze das Drehen der Rotoren Mikroplastik und andere Umweltgifte frei, welche die ganze Umgebung verschmutzen. «Wer haftet dafür?» Oberhänsli bedauert sehr, dass man aus den umliegenden Ländern keine Lehren zieht. Walter Aerni weiss: «In Norwegen wurden 151 Windräder stillgelegt. In Frankreich wird wieder auf Atomkraft gesetzt und auch Deutschland mit 30’000 Windrädern wird sich wieder von der Windenergie abwenden.»
Die zwölf Bürgerinnen und Bürger zweifeln die Neutralität der Projektverantwortlichen an. «Mehrmals war Martina Nigg in den Dörferforen anwesend», gibt Thomas Marty zu bedenken. Alexander Oberhänsli ergänzt: «Wie kann die Gemeinde hier noch eine neutrale Haltung haben, wenn sie sich so einseitig informiert.»
Bis Redaktionsschluss lag keine Stellungnahme der Verwaltungsratspräsidentin Martina Nigg vor.
Von Dominique Thomi
Lade Fotos..